Gasthaus Zum Grünen Tal

Wirtin in Dahlheim seit mehr als 50 Jahren

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Gastwirtschaft im Stil der 60er Jahre: Seit Jahrzehnten hat sich in der Gaststätte nicht viel verändert, die Theke stammt noch aus den 60er Jahren, als Gertrud Müller das Gasthaus übernahm. Unser Bild zeigt sie mit ihrem Enkel Stefan Müller.

Dahlheim. Seit mehr als 100 Jahren gibt es in Dahlheim die Gaststätte Zum Grünen Tal an der Witzenhäuser Straße, über Jahre auch ein Ort rauschender Feste. Jetzt ist es dort stiller geworden.

Dahlheim hat etwas, was viele Dörfer in der Region schon lange nicht mehr haben: eine eigene Gaststätte. Über 100 Jahre gibt es sie schon. Seit 1964 wird das Gasthaus „Zum Grünen Tal“ von Gertrud Müller (86) geführt. Ihr Großvater hatte es ihr vererbt.

Bis zu seinem Tod vor zwei Jahren stand ihr dabei ihr Lebensgefährte Karl Kohlhase zur Seite, seitdem steht sie allein hinter dem Tresen. Mittlerweile hat sie nur noch am Montagabend regelmäßig geöffnet. Aber sie macht auch eine Ausnahme, wenn eine größere Gruppe Wanderer oder Radler einkehren möchte, und sie das Klopfen an der Tür hört. Sie wohnt in dem Fachwerkhaus an der Witzenhäuser Straße, in dem sie 1932 geboren wurde.

Montags trifft sich dann bei ihr der Dahlheimer Stammtisch, ein Kreis von sieben treuen Gästen aus Dahlheim, Escherode und Uschlag. Zu ihnen gehört auch Holger Schäfer. Hier sei ihm die Idee gekommen, ein Dahlheim-Lied für die 700-Fahr-Feier am kommenden Wochenende zu schreiben, sagt er.

Die großen Tage des Gasthauses sind schon länger vorbei. Die letzte große Feier liegt schon einige Jahre zurück, das war im Mai 2013 als die Kneipe ihr 100-jähriges Bestehen feierte. Bis in die 90er Jahre sei das Gasthaus berühmt für sein Schlachteessen gewesen, sagte sie. Aber auch Gertrud Müller, die viele im Dorf Trudi nennen, hat die Konkurrenz der Dorfgemeinschaftshäuser zu spüren bekommen und den Rückzug der Vereine, deren Sitzungen früher in Gaststätten stattfanden. Zudem sei es aus der Mode gekommen, sich abends in den Dorfkneipen zu treffen, vor allem bei den jüngeren Leuten.

Wirtin zu sein, habe ihr immer großen Spaß gemacht, auch wenn es viel Arbeit gewesen sei. Über Jahre hatte sie zwei Arbeitsplätze. Von morgens 6 Uhr bis 15 Uhr am Nachmittag schaffte sie rund 30 Jahre bei der Firma Philips in Kassel/Bettenhausen, und um 18 Uhr öffnete sie dann das Gasthaus.

Dabei habe sie aber auch die Unterstützung der Familie gehabt, sagt Enkel Stefan Müller (46), der bei Gemeinde Staufenberg arbeitet und den Staufenberger Gemeindeservice leitet. Auch er sieht für die Gastwirtschaft keine große Zukunft mehr. Davon könne niemand mehr leben, sagt er.

Das muss Gertrud Müller auch nicht. Sie hat ihre Rente. „Wenn es mit der Gesundheit nicht mehr geht, ist Schluss“, sagt sie. Und gerade das macht ihr Sorgen. Vor einigen Wochen hat sich bei einem Sturz im Gesicht verletzt und das rechte Handgelenk angebrochen. Nach der 700-Jahr-Feier macht sie erst mal Urlaub. Am Sonntag geht es für zehn Tag auf Adria-Kreuzfahrt. Danach werde sie sich entscheiden, wie es weitergeht mit dem Gasthaus „Zum Grünen Tal“, in dem die Zeit stehen geblieben ist.

Die Theke hat den Charme der 60er Jahre und auch die Preise sind schon lange nicht mehr erhöht worden. Das kleine Bier kostet ein Euro, ebenso wie die Limo. Neu ist die Kühlanlage, erst im vergangenen Jahr hat Gertrud Müller sie angeschafft. Vielleicht geht es ja doch weiter. Der Stammtisch ist auf jeden Fall dafür.

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