Helge Klangwart über 30 Jahre Kinder- und Jugendarbeit: „Ich hatte immer ein offenes Ohr“

Im Ruhestand: Helge Klangwart (67) hat sich über über Jahrzehnte in der Kinder und Jugendarbeit ehrenamtlich engagiert, zuletzt hat sie Bastelnachmittage abgeboten. Jetzt häkelt sie Figuren für sich - nach der japanischen Häkelkunst Amigurumi. Foto: Kuri

Benterode. Nach 30 Jahren hat sich Helge Klangwart aus Benterode aus der Kinder- und Jugendarbeit in Staufenberg verabschiedet.

In 30 Jahren ehrenamtlicher Kinder- und Jugendarbeit kommen viele schöne Erinnerungen zusammen, sagt Helge Klangwart rückblickend über die Zeit, in der sie sich für junge Menschen in Benterode engagiert hat.

17 Jahre bis 2004 hat die 67-jährige als Jugendbetreuerin gearbeitet. Seit Anfang der 90er bastelte Helge Klangwart mit Kindern im Grundschulalter alle 14 Tage erst in Landwehrhagen, dann die letzten zehn Jahre in Benterode. Jetzt hat sie das Kapitel Kinder- und Jugendarbeit für sich geschlossen. Wir sprachen mit ihr über diese Zeit.

Wie sind Sie zur Jugendarbeit gekommen?

Helge Klangwart: Als Mutter eines 13-jährigen Jugendlichen war ich interessiert daran, wie diese Altersgruppe ihre Freizeit verbringt. Als Urlaubsvertretung für die Jugendpflegerin in Benterode habe ich mich unter die Jugendlichen gemischt, und mir mal angeguckt, wie sie ihre Zeit verbringen. Ihnen fehlten zu der Zeit geeignete Räumlichkeiten und jemand, der sie hier und da zur Eigeninitiative motiviert.

Sie waren also der Motor für die Gruppe. Wie haben sie losgelegt?

Klangwart: Die Jugendlichen hatten schnell Vertrauen gefasst, und ich war akzeptiert. Ich hatte immer ein offenes Ohr, egal wo der Schuh drückte. Ob es Liebeskummer zu besprechen gab, Probleme in der Schule oder Meinungsverschiedenheiten mit den Eltern. Ich habe mir Zeit genommen, und das kam an.

Was war Ihre größte Herausforderung in der Jugendarbeit?

Klangwart: Ein geeigneter Raum musste her. Am Ende vieler Gespräche mit der Gemeinde wurde das ehemalige Feuerwehrgerätehaus in Benterode zum Jugendraum umgebaut. Wir wurden in die Planung mit einbezogen. Über die Jahre wurde der Raum mehrmals umgestaltet, so wie ihn die jeweiligen Aktiven haben wollten.

Wie haben Sie mit den Jugendlichen zusammengearbeitet?

Klangwart: Zwei bis drei Mal in der Woche war der Jugendraum geöffnet und ich vor Ort. Es gab Regeln, wie beispielsweise ein „Hi“. Das war die kürzeste Form der Begrüßung. Tschüß, Danke und Bitte musste auch jeder beherrschen. Niemand war sich zu schade, auch mal einen Putzlappen in die Hand zu nehmen. Ich habe gerne Anregungen gegeben, die Jugendlichen aber selbst ihre Ideen entwickeln und umsetzen lassen.

Was reizt einen, über einen so langen Zeitraum dieses Ehrenamt auszuüben?

Klangwart: Ich teile ganz viele schöne Erlebnisse mit den Jugendlichen. Wir haben gemeinsam Feten organisiert, Sport-Ralleys mit Stiefelweitwurf ausgerichtet, Fußball-WM mit Zimmerantenne geschaut und gemeinsam über die ersten überteuerten Handy-Rechnungen gebrütet. Es hat mir immer Spaß gemacht, für die jungen Menschen da zu sein. Aus gesundheitlichen Gründen habe ich das Amt dann niederlegen müssen.

Etwa genauso lange, wie Sie den Jugendraum betreut haben, boten Sie 14-tägiges Kinderbasteln an. Hat man da noch genügend Ideen?

Klangwart: Oh ja. Ideen gingen mir nie aus. Ich bastele selbst gerne und habe sehr viele Bastelzeitschriften. Besonders aus Müll wie Konservendosen oder CDs lassen sich wunderschöne Dinge herstellen. Meine Bastelnachmittage waren immer so vorbereitet, dass jedes Kind sein Werk mit nach Hause nehmen konnte. Vorarbeiten hatte ich dann schon zu Hause erledigt.

Fällt Ihnen der Abschied schwer?

Klangwart: Irgendwann ist immer Schluss. Die Nachfrage nach Basteln war am Ende nicht mehr da. Jeder Verein kämpft heute um seinen Nachwuchs. Das Basteln hänge ich noch nicht an den Nagel. Momentan häkele ich für mich Figuren nach einer japanischen Häkelkunst: Amigurumi. Ein schönes Hobby. (zsk)

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