Tausende Tote auf beiden Seiten

Lutterberg: Buch beleuchtet kurhessische Soldaten im Siebenjährigen Krieg

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Schlachtfeld Sandershäuser Berg: Heimische Trupen mischten mit, als sich am 23. Juli 1758 der hessische Generalmajor Prinz Casimir von Isenburg ein Gefecht mit den Franzosen lieferte. Die Kampflinie verlief damals von West nach ost am Gut Ellenbach vorbei (Gebäude- und Baumbestand in der rechten Bildhälfte unten). Sandershausen ist links oben zu erkennen, ebenso das SMA-Servicecenter, die A7 und dahinter die Fulda.

Nur noch ein Gedenkstein an der Landstraße zwischen Niestetal und Landwehrhagen erinnert daran, dass Sandershausen Schauplatz einer großen Schlacht im Siebenjährigen Krieg war.

Der tobte zwischen 1756 und 1763, und im Prinzip waren alle europäischen Großmächten darin verwickelt – Preußen kämpfte mit England, Portugal, dem Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg und der Landgrafschaft Hessen-Kassel gegen Österreich, Sachsen, Frankreich, Russland, Schweden und Spanien.

Es gibt Historiker, die sagen, der Siebenjährige Krieg sei sogar schon so etwas wie ein Weltkrieg gewesen, bei dem es nicht nur um das geo- und machtpolitische Gleichgewicht in Europa, sondern auch um die Kolonien in der Welt, um Seewege und Handelsvorteile ging. 

Und mittendrin – die Hessen: „Sie haben einen großen Beitrag dazu geleistet, dass Friedrich der Große für Preußen wichtige Siege errang“, sagt Wilhelm Pierau aus Dittelbrunn bei Schweinfurt in Bayern. Eine Tatsache, die seiner Meinung nach in vielen Geschichtsbüchern zu kurz kommt.

Zwei große Gefechte bei Lutterberg

Wegen dieses Makels hat der Historiker nun ein Buch verfasst, das unter dem Titel „Der Siebenjährige Krieg zwischen Main und Weser“ alle Schlachten – 15 an der Zahl – in den Mittelpunkt rückt, die sich zwischen 1757 und 1762 in Nordhessen zugetragen haben. 

Fünf dieser 15 kriegerischen Auseinandersetzungen ereigneten sich unmittelbar bei Kassel. Und immer mischten kurhessische Soldaten mit. Am 23. Juli 1758 tobte die Schlacht bei Sandershausen, am 10. Oktober 1758 das erste Gefecht bei Lutterberg, im März 1761 wurde Kassel eingekesselt, am 24. Juni 1762 kam es zur Schlacht bei Wilhelmsthal, und letztlich am 23. Juli 1762 zum zweiten Gefecht bei Lutterberg. 

Pierau beschreibt die Verläufe der einzelnen Schlachten, in einleitenden Kapiteln ordnet er die Auseinandersetzungen in den Gesamtzusammenhang des Kriegs ein und erläutert historische Hintergründe.

Tausende Tote auf beiden Seiten

Dabei kommt er immer wieder zu dem Ergebnis, dass der Fortbestand Preußens „besonders unter Mithilfe des Herzogs von Braunschweig und dem Beistand von Kurhessen-Kassel, den Hannoveranern, den Bückeburgern und vielen anderen kleinen Fürstentümern in Westdeutschland überhaupt erst möglich wurde“.

Sicher: Was sich vor genau 261 Jahren am Sandershäuser Berg in Höhe des Gutes Ellenbach ereignete, konnte nicht gerade als Sieg für die hessischen Kräfte (und damit für Preußen) verbucht werden. So verlor der hessische Generalmajor Prinz Isenburg im Zuge der Schlacht bei Sandershausen rund die Hälfte seiner insgesamt 5500 Soldaten.

Pierau spricht von rund 2500 Gefallenen, Verwundeten und Vermissten. Doch waren die Verluste auch für die angreifenden Franzosen sehr hoch. Als gegen 15 Uhr die Kampfhandlungen begannen, verfügte Kommandant Herzog de Broglio noch über 8500 Soldaten. Am Ende waren es nur noch 6100. 

Preußen stieg nach dem Krieg zur Großmacht auf

Am Ende verlor dann Frankreich seine Vormachtstellung in Kontinentaleuropa, während Preußen zur fünften europäischen Großmacht aufstieg. Auch mussten die Franzosen große Teile ihrer Kolonialgebiete in Nordamerika und Indien an die Briten abtreten, das Großbritannien wiederum endgültig zum dominierenden Weltreich machte.

Service: „Der Siebenjährige Krieg zwischen Main und Weser“, Wilhelm Pierau, 110 Seiten, Verlag Harald Rockstuhl, 36 Euro (ISBN 978-3-95966-409-7).

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