Der Mann für Streitfälle: Wolfgang Loh legt sein Amt als Schiedsmann nieder

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Staufenberg. Hühnergegacker, zu schattige Bäume und hohe Zäune: Alles, was die Gemüter von Nachbarn erhitzt, landete in den vergangenen zehn Jahren auf Wolfgang Lohs Tisch.

Nun legte der Schiedsmann der Gemeinde Staufenberg Ende Juni sein Amt aus gesundheitlichen Grünen nieder. „Mein Job war es, die Menschen ins Gespräch zu bringen, damit gemeinsam eine Konfliktlösung erreicht wird“, sagt Wolfgang Loh. „Manche Leute planen einfach nicht ein, dass Bäume auch wachsen können.“

Sein soziales Engagement hat der Diplom-Sozialarbeiter schon im Elternhaus mitgegeben bekommen, verstärkt wurde es durch seine Teilnahme bei den Pfadfindern. „Jeden Tag eine gute Tat, das hat mich beeinflusst“, so Loh. 20 Jahre hat er schließlich als Generalsekretär des Verbands Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) gearbeitet.

„Ich konnte den Leuten doch nicht sagen, dass sie sich engagieren sollen und selber Däumchen drehen“, sagt Wolfgang Loh. Als die Stelle des Schiedsmanns ausgeschrieben war, hat er sich einfach beworben.

Ortstermine

Zwanzig ordentliche Verfahren hat er insgesamt abgehalten: „Aber es waren mindestens doppelt so viele Fälle zwischen Tür und Angel, also zum Beispiel Telefonate, mit dabei“, erinnert er sich. Das Schiedsamt nahm damit auch viel Zeit in Anspruch: „Für einen richtigen Termin konnte man schon zwei bis drei Tage Zeitaufwand einplanen. Dazu kamen noch die Gespräche, die schon mehr als fünf Minuten dauerten.“ Zusätzlich betrachtete er sich jeden Sachverhalt zunächst vor Ort.

Wenn jemand mit einem Problem zu ihm kam, sei stets sein erster Rat gewesen, zunächst einmal mit dem Nachbarn zu sprechen: „Auch auf dem Land reden die Leute leider häufig nicht mehr miteinander.“ In den Schlichtungen, die meist einen erfolgreichen Ausgang hatten, ging es meist um kleine, zivilrechtliche Fragestellungen. Es können aber auch strafrechtliche Fälle auf niedriger Ebene, wie zum Beispiel Hausfriedensbruch behandelt werden.

Eine Vereinbarung vor dem Schiedsgericht ist bindend, wenn zum Beispiel jemand nicht zum Termin erschien, dann war es Loh möglich, bis zu fünfzig Euro Strafe zu erheben.

Durchsetzungskraft ist für dieses Amt wichtig: „Ich habe zu Beginn klar gesagt, wie das Verfahren abläuft.“ Zwischenrufe oder Beschimpfungen waren nicht geduldet. Auch wenn es manchmal anstrengend war, Wolfgang Loh hat nie an seinem Amt gezweifelt: „Es war eine gute Zeit, ich habe viele Menschen kennengelernt und manche vielleicht zum Nachdenken angeregt.“ Man sollte sich laut Loh dabei immer eine Frage stellen: „Will ich mit meinen Nachbarn auskommen oder unbedingt Recht haben?“ Seine Aufgaben übernimmt Lohs Stellvertreter Rolf Haeder. 

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