Keine Bewährung

49 Mal ohne Fahrschein erwischt: Schwarzfahrer muss in den Knast

Staufenberg/Kassel. Weil er insgesamt 49 Mal in Cantus-Zügen ohne Fahrschein erwischt wurde, muss ein 56 Jahre alter Mann aus Staufenberg für 22 Monate ins Gefängnis.

In dieser Zeit fuhr er Strecken zwischen Hann. Münden, Staufenberg, Witzenhausen, Eschwege und Kassel. 

Amtsrichterin Focke folgte mit diesem Urteil gestern weitgehend der Strafforderung der Staatsanwaltschaft, die zwei Jahre Haft ohne Bewährung für den notorischen Schwarzfahrer gefordert hatte. Der Mann sitzt seit September in der JVA Wehlheiden in Untersuchungshaft und bleibt auch gleich da.

Das für dieses Delikt ungewöhnlich harte Urteil ist Folge der Unbelehrbarkeit des Angeklagten, der bereits vorher wegen Dutzender Schwarzfahrten vom Amtsgericht Magdeburg zu Bewährungsstrafen verurteilt worden war.

Weitere Vorstrafen hatte er wegen Stalkings erhalten, nachdem er zwei Frauen in Magdeburg und Ulm derart hartnäckig nachgestellt hatte, dass diese gerichtliche Annäherungsverbote erwirkten.

Für das Verfolgen der Frauen - einer Therapeutin und einer vorgeblichen Freundin - machte der Angeklagte „ehrenhafte Motive“ geltend. Der Frau in Ulm habe er beim ehelichen Streit helfen wollen.

Ein Verfahren wegen Hausfriedensbruch in einem Café in Witzenhausen wurde eingestellt.

Auf der Anklagebank hatte ein großer, korpulenter Mann mit Rauschebart Platz genommen, der sich der Richterin als Mann mit einem Studium der Wirtschaftsmathematik („So gut wie fertig.“) und als selbstständiger Systemberater mit variablem Einkommen vorgestellt hatte. „Ich arbeite so viel wie nötig und so wenig wie möglich“, sagte er und erinnerte an griechische Philosophen.

Die Schwarzfahrten immerhin gestand er alle und ersparte so dem Gericht zeitaufwendige Zeugenanhörungen.

Ein Motiv hatte er auch gleich parat: In den Cantus-Zügen gehe er einer „missionarischen Tätigkeit“ nach. Er suche das Gespräch mit den Fahrgästen und informiere sie über die Gefahren, die von Whatsapp und anderen sozialen Diensten ausgingen.

Natürlich könne er bei den Gesprächen nicht einfach aussteigen, sondern müsse mitunter auch weiter fahren, als seine Fahrkarte reiche. Deshalb die vielen Schwarzfahrten. Jetzt aber habe er sein Verhalten geändert, kaufe sich mitunter Tickets, ohne eine Fahrt tatsächlich anzutreten. Da habe Cantus sogar einen Gewinn, sagte er und bat um Milde und eine Bewährungsstrafe.

Dieses Ansinnen lehnte Richterin Focke freundlich aber bestimmt ab: Auch in Zukunft sei angesichts der vielen Vorstrafen zu erwarten, dass der Angeklagte weitere Straftaten begehe. Eine günstige Sozialprognose sei nicht möglich, deshalb müsse er in Haft bleiben. 

Rubriklistenbild: © Papenheim

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