Über 1000 Menschen

Sie half Kindern nach der Tschernobyl-Katastrophe: Der „Schutzengel“ wird 80

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Ingrid Rathgeber mit Kindern, die Hilfe benötigen. Anklicken für die komplette Ansicht.

Speele. Ingrid Rathgeber, die bereits vielen Kindern  nach der Reaktor-Katastrophe in Tschernobyl geholfen hat, wird heute 80 Jahre alt.  

„Ich wünsche mir, dass im Haus von Frau Rathgeber immer Frieden herrscht und dass das Lächeln aus ihrem Gesicht nie verschwindet“, sagt die 16-jährige Inna aus der Stadt Baran in Weißrussland. Sie ist eines von fast 600 Kindern, das dank der Bemühungen und des Engagements von Ingrid Rathgeber in den vergangenen 16 Jahren einen mehrwöchigen Erholungsaufenthalt in Speele erleben durfte.

In einem Brief schrieb Inna ihre Dankbarkeit nieder, ein Gefühl, das sie mit über 1000 Menschen teilt, die Ingrid Rathgeber wörtlich ihren „Schutzengel“ nennen. Am heutigen Dienstag feiert Ingrid Rathgeber ihren 80. Geburtstag und schon wieder denkt sie in erster Linie an die Menschen, die ihre Hilfe brauchen. Denn anstatt Geschenke wünscht sie sich von ihren Gästen, dass sie den Verein und damit die bedürftigen Familien und Kinder rund um die Stadt, in der sich vor 31 Jahren die nukleare Katastrophe ereignet hat, unterstützen.

Vor über 20 Jahren begleitete Ingrid Rathgeber einen Hilfstransport an die Grenze zum Sperrgebiet. „Als ich gesehen habe, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben, war mir klar, dass ich helfen muss“, erzählt Ingrid Rathgeber. Seitdem engagiert sie sich unermüdlich für die Menschen rund um die Stadt Tschernobyl. Mehrfach im Jahr schickt sie Hilfstransporte mit Kleider- und Wäschespenden, Spielzeug und allem, was dringend gebraucht wird in die Ukraine und nach Weißrussland.

Besuch der Projekte

Mindestens einmal im Jahr besucht sie ihre Projekte und schaut vor Ort nach dem Rechten. Mit Unterstützung ehrenamtlicher Helfer sucht sie die Kinder aus, die im Sommer nach Deutschland kommen dürfen und fährt zu den ärmsten Familien auf die Dörfer, um ihnen Trost zu spenden und unter die Arme zu greifen. Krankenhäuser, Schulen und Waisenhäuser erhalten Unterstützung, viele Hilfsprojekte wären ohne den Verein bereits gescheitert.

Die Eindrücke, die Ingrid Rathgeber auf ihren Reisen sammelt, lassen sie auch oft in der Heimat nicht los: „Die Säuglinge auf den Kinderkrebsstationen zu sehen, bricht einem das Herz, die vielen kranken Menschen und Familien, die kaum genug zu essen haben, um zu überleben. Dort herrscht eine Armut, die wir uns hier gar nicht vorstellen können.“ Die starke emotionale Belastung veranlasst sie aber keineswegs dazu wegzuschauen, sondern motiviert Rathgeber dazu, immer weiter und noch mehr zu helfen: „Die Menschen verlassen sich auf mich, sie wissen, dass ich sie nie vergessen würde und warten auf meinen Besuch.“

Die Umarmungen, selbst gebastelte Geschenke, Briefe und die Freude der Menschen, denen sie hilft, sind für Ingrid Rathgeber die wertvollste Belohnung für ihr bewundernswertes Engagement.

Im Laufe der Jahre sind viele Freundschaften über die Landesgrenzen hinaus entstanden, sodass sie Ende April wieder nach Weißrussland reisen wird, um dort ihren Geburtstag zusammen mit den besonderen Menschen zu feiern. 

Spendenkonto: 957 844 bei der Kasseler Bank; IBAN: DE 80520900000000957844.

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