Ärger über Untätigkeit des Landkreises

Speeler schlagen Alarm: Wildschweine ziehen ins Dorf

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Wildschweine zerwühlen im Dorf Gärten und Böschungen. Unser Bild zeigt Ortsbürgermeister Fred Kaduhr an einem Regenwasserkanal, der durch die Tiere zertrampelt wurde. 

Speeler, die nachts unterwegs sind, rechnen schon mit ihnen. Denn sie können inzwischen überall im Dorf auftauchen: Wildschweine einzeln oder auch in Rotten.

Von so einer Begegnung kann zum Beispiel Petra Loy berichten. Sie wohnt am Waldrand an der Straße Vor dem Siegen. Als sie vor etwa sechs Wochen gegen 1.30 Uhr von der Arbeit nach Hause kam, seien 40 bis 50 Tiere vom Wald über die Straße ins Dorf gezogen.

Spuren von Wildschweinen, die auf der Suche nach Nahrung Böschungen, Straßenränder und Gärten durchwühlen, finden sich im ganzen Dorf, nicht nur am Waldrand. Mehrere Familien haben mittlerweile Elektrozäune gezogen. Auch der Friedhof ist so gesichert.

Für Ortsbürgermeister Fred Kaduhr war schon vor Monaten das Maß voll, und er schlug Alarm. Kaduhr informierte den Landkreis Göttingen als zuständige Jagdbehörde, dass sich die Speeler in ihrem Dorf nicht mehr sicher fühlten und brachte im Februar 2018 im Rat der Gemeinde Staufenberg eine Resolution ein, die dieser auch einstimmig verabschiedete.

Darin heißt es, „wir sehen die öffentliche Sicherheit als gefährdet an.“ 250 Speeler unterstützten sie mit ihren Unterschriften. Bis heute sei praktisch nichts passiert, so Kaduhr. Ein Ortstermin im September, an dem unter anderem Vertreter des Landkreises, der Jägerschaft, Kreisjägermeister Axel Eichendorff, der Jagdpächter sowie Mitglieder des Speeler Ortsrates und des Staufenberger Rates teilgenommen haben, habe keinen Lösungsansatz gebracht.

Eine vereinbarte Informationsveranstaltung mit unabhängigen Wildschweinsachverständigen habe bis heute nicht stattgefunden, so Kaduhr. Staufenbergs Gemeindebürgermeister Bernd Grebenstein kritisiert ebenfalls die Untätigkeit des Landkreises: „Wir haben schon vor über zwei Jahren Landrat Bernhard Reuter um Hilfe gebeten, aber bis heute keine Antwort erhalten.“ Auch auf die Resolution, die er an den Landrat zusammen mit einer Bilddokumentation und der Unterschriftenliste geschickt habe, habe es keine Reaktion gegeben. Es bestehe dringender Handlungsbedarf.

Der Landkreis Göttingen teilte unterdessen mit, dass die zugesagte Informationsveranstaltung für Ende Mai oder Anfang Juni geplant sei. Zu der Verzögerung sei es auch gekommen, weil ein für die Veranstaltung vorgesehener Fachmann zwischenzeitlich gestorben sei.

Mit Sorge betrachtet Kaduhr die zahlreichen Jungtiere, der derzeit rund um das Dorf von Muttertieren aufgezogen werden. Er schätzt sie auf 200 bis 300. „Wenn die so weitermachen, haben wir bald mehr Schweine als Einwohner“, sagt Kaduhr. In Speele leben rund 700 Menschen.

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