Tennet bereitet Modernisierung der Leitungen vor

Helikopter-Einsatz über der Region: Arbeiten an Stromleitungen

Staufenberg.  Mit spektakulären Hubschrauberflügen bereitet der Übertragungsnetzbetreiber Tennet die Modernisierung seiner Höchstspannungsleitungen in der Region vor. Zur Vorbereitung wurden jetzt orange-farbene Flugwarnkugeln bei Staufenberg und Hofgeismar abmontiert.

Ralf Henschel

Ein Helikopterflug ist sicher nicht jedermanns Sache. Hoch, runter, links, rechts – und das alles ziemlich schnell. Wer sich allerdings in einen Metallkorb begibt, der 15 Meter unterhalb eines Helikopters baumelt, und mit diesem in unmittelbarer Nähe einer 380 000 Volt führenden Stromleitung arbeitet, der braucht Nerven aus Stahl. Einer dieser Menschen mit Nerven aus Stahl ist Ralf Henschel, 50 Jahre alt. Am Dienstag demontierte er im Auftrag des Netzbetreibers Tennet sogenannte Flugwarnkugeln an der Höchstspannungsleitung zwischen Würgassen (Landkreis Höxter) und Bergshausen (Landkreis Kassel). Wir haben ihn und seine Kollegen vom früheren Segelflugplatz bei Sichelnstein aus begleitet.

Henschel ist gelernter Helikopter-Techniker. Seit 1995 macht er den riskanten Job im Metallkorb. Er erfüllt die Aufgaben, für die man hoch hinaus muss. Das kann das Versprühen von Fungiziden über Feldern sein. Oder eben das Arbeiten an Freileitungen in bis zu 70 Metern Höhe.

Ein leichtes Kribbeln

Sein Kollege, der mit ihm in den Metallkorb steigt, ist Tillmann Rohatschek. Eine Viertelstunde vor dem Start wirken beide sehr gelassen. Die Spannung in den Stromleitungen unter ihnen sei kein Problem, zumal ja einer der vier Stromkreise ausgeschaltet sei. „In den USA arbeiten die unter Vollspannung“, sagt Henschel beiläufig. Das Kabel, an dem Henschel und Rohatschek arbeiten, führt keinen Strom. Es wird Erdseil genannt und dient dem Blitzschutz. Wenn die Leitungen doch mal etwas näher kommen, „dann kribbelt es ein bisschen“, sagt Rohatschek. Als ob es das Normalste der Welt wäre.

Dann geht es los. Pilot Gunter Wlasak macht den Heli fertig, Rohatschek verbindet mit Seilen den Korb und das Fluggerät. Jedes der mit Carbon verstärkten Seile trägt 25 Tonnen. Die beiden Techniker sind jetzt „im Tunnel“. Pilot Wlasak startet den Helikopter, kurz darauf hebt auch der unter ihm hängende Korb ab. Henschel winkt noch kurz in Richtung Boden.

Die Menschen im Korb nicht vergessen

„Das Allerwichtigste bei meinem Job ist, nicht zu vergessen, dass unten Menschen dran hängen“, sagte Pilot Wlasak vor dem Abflug. „Ruhig und präzise fliegen, darauf kommt es an. Und die Anweisungen vom Bodenpersonal befolgen.“ Das Vertrauen ins eigene Können gebe ihm die nötige Ruhe, sagt der erfahrene Flieger. Sein Helikopter fliegt übrigens ohne Türen, aus Gewichtsgründen. „Und weil’s Spaß macht“, sagt er.

Kurze Zwischenlandung: Weil nur maximal drei demontierte Kugeln in den Korb passen, müssen sie immer wieder am Boden abgelegt werden. Dabei wird auch der Helikopter aufgetankt.

Aus dem Begleithubschrauber kann man nur erahnen, wie konzentriert die beiden Techniker im Korb sein müssen. Beide versichern, dass es kaum wackelt. Für den laienhaften Beobachter bestätigt sich dieser Eindruck nicht. Vermutlich eine Frage der Gewöhnung.

Sie werden nicht mehr gebraucht: Die alten Flugwarnkugeln aus Metall werden gegen neue aus Kunststoff ausgetauscht.

Das Austauschen der elf Kugeln bei Landwehrhagen und der drei weiteren bei Hofgeismar geht schnell. Sechs Minuten brauchen Henschel und Rohatschek um eine Kugel abzumontieren. Sind drei gemacht, geht es zurück zum Flugplatz. Platz im Korb schaffen, Heli tanken, weiter. Insgesamt vier Mal starten sie an diesem Tag vom ehemaligen Flugplatz bei Sichelnstein. Am Ende sagt Henschel noch: „Da oben vergisst du Höhe und Zeit, nur die Konzentration zählt.“ Er ist völlig entspannt.

Rubriklistenbild: © Dauber

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