Anwohner protestieren gegen unhaltbare Zustände

Haus in Sichelnstein ist seit Jahren verlassen und verwildert

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Zugewachsen: Der Eingang des Hauses ist kaum noch zu sehen. 

Sichelnstein. An dem Privatgrundstück an der Herzogstraße in Sichelnstein muss etwas geschehen: Da sind sich die Anwohner rund um das Gelände einig. 

Verwahrlost und verlassen ist das Grundstück, seit der Eigentümer 2004 fortzog und sich seitdem kaum mehr um das Wohnhaus kümmere, kritisieren Nachbarn.

Mit einer Unterschriftenliste, initiiert von Uwe Schäfer und Günter Walter, soll die Gemeinde Staufenberg nun dazu aufgefordert werden, zu handeln. Denn das private Grundstück sei derart überwuchert, dass man das Gebäude hinter dem Grün nur schwer erkennt, mehr noch: Die Straßeneinsicht an der Rechts-vor-Links-Einmündung ist erschwert, wie die Anwohner der Straße klagen. Das Straßenschild „Herzogstraße“ beispielsweise ist längst hinter dem Gestrüpp, das vom Gelände wuchert, verschluckt worden. Dass das Privatgrundstück nicht besonders ansehnlich ist, störe zwar, das eigentliche Problem sei aber die Gefahr für den Verkehr und für die Gesundheit, die davon ausgehe. Seit Jahren ragen Gestrüpp und Äste auf die Fahrbahn, der Straßenrand sei mit Unkraut verwildert. Regelmäßig komme es zu „Fast-Unfällen“ an der Ecke Herzogstraße/Zum Turnplatz, weil Autofahrer einander oft erst zu spät sehen würden. Parken Autos an der Straße „Zum Turnplatz“, kämen andere Fahrzeuge nur schwer daran vorbei, ohne sich an den Sträuchern den Lack zu zerkratzen. Günter und Bärbel Walter wohnen an der Herzogstraße und hatten sich vor Jahren dafür eingesetzt, dass diese zu einer 30-Zone wird. Geholfen habe dies nur bedingt: „Hier brettert der Verkehr immer noch schnell runter“, erklärt Bärbel Walter.

Ortsbürgermeister Gerd Hartung gibt außerdem zu bedenken, dass vom verlassenen Haus gesundheitliche Risiken für die Sichelnsteiner ausgehen. Uwe Schäfer habe von seinem Wohnhaus einen guten Blick auf das danebenliegende Gebäude. Das Ende der 1940er-Jahre errichtete Gebäude ist das Elternhaus seiner Frau Sonja. „Das Dach ist undicht, da Ziegel abgefallen sind. Es regnet rein, die Wände sind schon ganz schwarz vor Schimmel“, berichtet Schäfer. Die Nachbarn, darunter die Familie Walter, die Familie Schäfer sowie auch Wolfgang und Brunella Geier, hätten außerdem Wildtiere wie Waschbären, Marder und Ratten auf dem Grundstück gesichtet. Man sorge sich um die Kinder der Nachbarschaft.

Über die Jahre haben sich die Nachbarn mehrmals bei der Gemeinde Staufenberg beschwert, bislang aber, so Schäfer, sei noch zu wenig passiert. 40 Unterschriften sammelte Günter Walter nun innerhalb von zwei Stunden. Damit solle die Gemeinde veranlasst werden, „sich zu kümmern“.

Die Liste wurde nun an Sichelnsteins Ortsbürgermeister Gerd Hartung übergeben, der das Anliegen unterstützt. Hartung: „Der Eigentümer wurde per Postzustellungsurkunde auf seine Verkehrssicherungspflichten hingewiesen.“ Das Haus sei mittlerweile sanierungsbedürftig. Es solle außerdem ein Termin mit dem Gesundheitsamt vereinbart werden, denn für die Anwohner sei „dringende Eile geboten“. 

Das sagt Bürgermeister Grebenstein

Die Gemeinde Staufenberg habe den Eigentümer zuletzt Anfang Juni schriftlich aufgefordert, seine Pflichten als Grundstücks- und Hauseigentümer wahrzunehmen. Man habe ihm eine Frist bis zum 31. Juli dieses Jahres gesetzt, um auf dieses Schreiben zu reagieren, ansonsten werde man rechtliche Schritte einleiten, berichtete Gemeindebürgermeister Bernd Grebenstein. Folgende Schritte führte Grebenstein dabei auf: Reagiert der Eigentümer nicht, plane die Gemeinde Ersatzvornahmen – das heißt, wesentliche Mängel, die durch das verwilderte Gelände entstehen, sollen beseitigt werden – , die dem Eigentümer in Rechnung gestellt werden. Außerdem werde ein förmliches Ordnungswidrigkeitsverfahren mit einem Bußgeld nach der Gefahrenabwehrverordnung eingeleitet. Dem Eigentümer droht dann ein Bußgeld von bis zu 5000 Euro. „Parallel werden wir das Veterinäramt beim Landkreis Göttingen über die Situation informieren“, so Grebenstein. Gegen den Vorwurf, die Gemeinde habe sich lange nicht um die Situation an der Herzogstraße gekümmert, wehrt sich der Bürgermeister: „Wir haben im halbjährlichen Rhythmus den Eigentümer angeschrieben und auf seine Reinigungspflichten hingewiesen.“ Der Gemeinde sei seit 2014 das Problem bekannt, man habe seitdem jedes Jahr eine Ordnungsverfügung wegen des Verstoßes gegen die Straßenreinigungspflicht erlassen. Die Kontaktaufnahme mit dem Eigentümer gestaltete sich bislang schwierig, da dieser offenbar an mehreren Standorten, unter anderem in Hessen, Wohnsitze habe. 

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