Handwerk muss sich veränderten Bestattungsformen anpassen

Steinmetze spüren neue Grabkultur

Altkreis Münden. Anonyme Bestattungen und Urnenbeisetzungen werden immer beliebter. „Wir haben seit fünf Jahren wesentlich mehr Urnen-als Erdbestattungen“, sagt Marlies Martinez von der Friehhofsverwaltung Hann. Münden. Etwa 80 Prozent machten die Urnenbestattungen dort aus. „Die Menschen wünschen eine Urnenbestattung, um die Angehörigen davor zu bewahren, das Grab pflegen zu müssen“, sagt Martinez.

Diese Aussage bestätigt Peter Bormann, Steinmetz- und Steinbildhauermeister von der Natursteinwerkstatt in Hann. Münden. „Häufig versuchen die Großeltern oder Eltern, den Kindern keine oder nur wenig Arbeit mit dem Grab zu machen“, sagt Bormann. Die Entwicklung schwanke jedoch: „Im Jahr 2014 hatte ich mehr Erd-als Urnenbegräbnisse.“ Die anonymen Begräbnisse beeinflussten die Kundenanzahl des Steinmetzes nicht wesentlich. „Viele Angehörige benötigen einen Platz zum Trauern. Da ist die herkömmliche Bestattung gefragter.“

Eindeutige Zahlen hat auch Gudrun Zado von der Informationsstelle Betriebswirtschaft des Bundesverbandes des Deutschen Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerks nicht, sagt aber: „Seit zehn Jahren gibt es einen Wandel auf Friedhöfen. Viele Menschen wollen keine klassische Bestattung mehr haben. Da müssen sich die Steinmetze anders positionieren.“

Lothar Orth, der in Witzenhausen-Hundelshausen einen Steinmetzbetrieb hat, kennt das. Durch die Urnengräber seien die Grabplatten wesentlich kleiner. Immer mehr ließen sich zudem anonym auf Rasenflächen oder in Friedwäldern begraben. „Da fällt für uns dann gar nichts mehr ab.“

Das Handwerk sei vielfältig, so Zado, neben Gräbern bauten Steinmetze inzwischen auch Küchen, Fassaden oder kümmerten sich um Denkmalpflege. Zum Tage, Hintergrund

Von Leona Nieswandt

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