Strafanzeige gegen Haus der Heimat

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Das Haus der Heimat

Hedemünden. Der Landkreis Göttingen spricht von Zweifeln an der Zuverlässigkeit der Betreiberin des Hauses der Heimat.

Der Landkreis Göttingen als Heimaufsicht hat bei der Staatsanwaltschaft Göttingen Strafanzeige erstattet gegen die Betreiberin des Hauses der Heimat in Hedemünden, die Haus der Heimat GmbH. Zur Begründung sagt der Landkreis, es bestünden Zweifel an der Zuverlässigkeit der Betreiberin. Das Haus der Heimat ist eine Facheinrichtung für chronisch und psychisch erkrankte Menschen.

Zu der Strafanzeige könne der Landkreis keine weiteren Auskünfte geben, da es sich um laufende Verfahren handele, so die stellvertretende Pressesprecherin des Landkreises, Andrea Riedel-Elsner. Der Landkreis gehe gewissenhaft allen gemeldeten Mängeln und Vorfällen nach, bis diese aufgeklärt seien. Riedel-Elsner verweist darauf, dass der Landkreis am 8. Oktober einen Belegungsstopp für das Haus der Heimat verhängt habe, nachdem die Heimleitung der Anordnung zum Abstellen der Mängel aus Sicht des Landkreises nicht Folge geleistet habe.

Gegen diesen Belegungsstopp klage das Heim. Der Landkreis sei verpflichtet, den Belegungsstopp aufzuheben, wenn die Mängel beseitigt sind.

Die Geschäftsführerin der Haus der Heimat GmbH, Bettina Keuthen, erklärte auf Nachfrage der HNA, sie sei völlig überrascht von der Strafanzeige. Das Vorgehen des Landkreises Göttingen entbehre jeder Grundlage. Dies vor allem vor dem Hintergrund, dass sie mit der Heimaufsicht im Dialog stehe und der überwiegende Teil der Mängel bereits abgestellt sei, betonte Keuthen. Am 2. November habe ein Treffen mit der Heimaufsicht stattgefunden, ein weiteres sei für 16. November vereinbart.

Stephan von Kroge, Landesbeauftragter des Bundesverbandes Privater Alten- und Pflegeheime, den Keuthen informiert hat, sagte, er halte das Handeln des Landkreises für befremdlich angesichts der Tatsache, dass die Betreiberin den größten Teil der Mängel beseitigt habe.

Bettina Keuthen, Geschäftsführerin vom Haus der Heimat, weist Vorwürfe zurück und erstattet Strafanzeige

Die Geschäftsführerin der Haus der Heimat GmbH, Bettina Keuthen, hat die Vorwürfe, es gebe Missstände in der Einrichtung in Hedemünden, im Gespräch mit der HNA zurückgewiesen. Nachdem in mehreren anonymen Schreiben Behauptungen aufgestellt worden seien, die kreditgefährdend sind, habe sie über ihren Anwalt Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Polizei erstatten lassen – wegen Verleumdung und Kreditgefährdung. Das Haus der Heimat, betont die Geschäftsführerin, sei zahlungskräftig. Die Polizei habe ihr gegenüber angekündigt, sie werde Präventionsgespräche mit den Beschäftigten in der Einrichtung führen. Das Haus der Heimat ist eine Facheinrichtung für chronisch und psychisch erkrankte Menschen. Zurzeit leben dort 96 Bewohner – im Eingliederungshilfe-Bereich und im Pflegebereich.

Bewohner-Taschengeld:  Wie die HNA berichtete, lautet einer der aus Betreuerkreisen bekannt gewordenen Vorwürfe, Bewohnern zustehendes Taschengeld könnte nicht ordnungsgemäß verwendet worden sein. Dem tritt Keuthen entschieden entgegen. Allen Bewohnern sei das ihnen zustehende Taschengeld ausgezahlt worden, keinem Bewohner sei Taschengeld vorenthalten worden. Das habe sie auch der Heimaufsicht des Landkreises bei dem Treffen am 2. November so erläutert. Alle Taschengelder würden auf ein Verwahrgeldkonto eingezahlt. Im Haus der Heimat in Hedemünden sei die Buchung dieser Taschengelder „grob fehlerhaft“ gewesen, so Keuthen. So seien beispielsweise von Bewohnern, die seit zwei Jahren verstorben sind, Taschengelder wieder aufgebucht worden oder es seien Taschengeldbuchungen aufgetaucht von Bewohnern, die seit drei Monaten ausgezogen sind. Das von ihr beauftragte Steuerberatungsbüro prüfe jede Einzelbuchung und jedes Einzelkonto von Bewohnern, um Klarheit in die Sache zu bekommen. Außerdem arbeite man jetzt mit einem neuen Buchführungsprogramm. In Kürze sei eine Versammlung, bei der sie die Betreuer der Bewohner über den Sachverhalt informieren werden.

Bewohnerausflüge: Ein weiterer Vorwurf lautet, es fänden keine Bewohnerausflüge und Einkaufstraining, dennoch würden diese beim Sozialamt abgerechnet. Dazu sagt Bettina Keuthen, dieser Vorwurf entbehre jeder Grundlage. Es fänden Einkauftrainings statt, damit die Bewohner lernen, für das tägliche Leben wichtige Dinge wie etwa Hygieneartikel einzukaufen. Dieses Einkaufstraining sei Teil der Therapie. Zurückgeschraubt worden seien allerdings Einkaufsfahrten, weil aufgefallen sei, dass nur noch Artikel auf die Liste geschrieben wurden, die die Therapeuten dann aus der Stadt für die Bewohner eingekauft hätten. Das sei nicht Sinn der Sache gewesen. Das Heim habe für beide Bereiche – Eingliederungshilfe-Bereich und Pflege – Leistungsvereinbarungen mit den Kostenträgern. An diese Leistungsvereinbarung halte sich das Haus der Heimat.

Die Brandmeldeanlage im Neubau sei modernisiert worden, es gebe jetzt eine automatische Aufschaltung, sagte die Geschäftsführerin. Für den Altbau habe der Fachkoordinator in Abstimmung mit dem Brandschutzprüfer des Landkreises und der Bauaufsicht der Stadt Hann. Münden ein Konzept vorgeschlagen, das jetzt umgesetzt wird. Damit werde die Brandmeldeanlage im Altbau an den Neubau angeschlossen. Rechnungen von Lieferanten würden in der Zentralverwaltung auf ihre Richtigkeit überprüfen und wenn das der Fall sei, beglichen. Das könne schon mal vier bis sechs Wochen dauern, so Keuthen. Dass in einem Fall ein Betrieb fünf Monate auf die Bezahlung wartete – es ging um rund 5000 Euro – sei ein Ausreißer, so die Geschäftsführerin. Der Betrieb hat sein Geld vor einigen Tagen komplett überwiesen bekommen. Der Stellenschlüssel sei ausreichend, es gebe sogar eine kleine Überbesetzung. Niemand, so die Geschäftsführerin, müsse Angst um seinen Arbeitsplatz haben. Ihr gehe es darum, die „Gerüchteküche“ zu beenden und aufzuklären, damit die anonymen, ungerechtfertigten Beschuldigungen ein Ende haben, sagte die Geschäftsführerin. Sie habe Briefe erhalten von Mitarbeitern, die sie auf die anonymen Beschuldigungen hinwiesen.

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