Straßenverkehr aus Kinderaugen

Während der Prüfung zum Fußgänger-Führerschein: Der Mündener Polizist Volker Grube lässt sich mit geschlossenen Augen vom fünfjährigen Louis über die Straße führen. Louis ist derzeit noch in der Kita-Hemeln, kommt im September aber in die Schule. Fotos:  Bülau

Hemeln. „Warum machen wir diese Fußgängerprüfung überhaupt?", fragt Polizist Volker Grube. „Damit wir lernen, wie man über die Straße geht und wie man zur Schule kommt", antwortet der sechsjährige Joris.

Er ist eines von drei Kindern der Kita Hemeln, die in diesem Jahr eingeschult werden und dafür ihren Fußgänger-Führerschein machen. „Man kann nicht einfach über die Straße laufen, sonst wird man überfahren“, weiß ein anderes Kind. „Man muss stehen bleiben, gucken, ob ein Auto kommt - links, rechts, links - kommt nichts, kommt nichts, rüber.“

Und dass diese Fußgängerprüfung sinnvoll und wichtig ist, zeigt auch eine Pressemitteilung der Deutschen Verkehrswacht: Kinder zählen zu den schwächsten Verkehrsteilnehmern - nicht nur körperlich, sondern weil sie den Straßenverkehr bis ins Jugendalter hinein anders wahrnehmen als Erwachsene, heißt es da. Auch Grundschüler würden noch maßgeblich in Anschauungen und Bildern denken. Sie würden hauptsächlich situationsbezogen lernen und Erfahrungen nicht von einer Situation auf eine andere übertragen können.

Das bestätigt auch Volker Grube: „Kinder können Situationen, Abstände und Geschwindigkeiten schlecht abschätzen. Sie lassen sich schnell ablenken. Wenn ein Freund auf der anderen Straßenseite ruft oder ein Ball auf die Straße rollt, ist alles Gelernte dahin“, erklärt der Polizist. „Eltern sollten mit gutem Beispiel vorangehen und einmal versuchen, den Straßenverkehr aus der Sicht der Kinder zu sehen. Wir gucken über Autos hinweg, Kinder können das nicht und werden zusätzlich noch von den Autofahrern übersehen.“

Ein Problem sei auch, so Grube, dass Eltern ihre Kinder immer weniger im Straßenverkehr laufen lassen würden. „Sie werden heute überall mit dem Auto hingebracht.“

Kindern im Grundschulalter fällt es schwer, die Perspektive von anderen Menschen einzunehmen, heißt es in der Mitteilung der Deutschen Verkehrswacht weiter. Sie würden ihre Umgebung lediglich aus einem Blickwinkel sehen und könnten noch nicht erkennen, was andere Menschen vorhaben und wie sich Situationen entwickeln.

Deswegen empfiehlt Professor Kurt Bodewig, Präsident der Deutschen Verkehrswacht: „Üben Sie mit ihrem Kind die alltäglichen Wege regelmäßig und achten Sie darauf, dass die Strecke nicht zu komplex ist.“

Joris, Louis und Sophia, die in diesem Jahr zur Schule kommen, haben ihre Fußgängerprüfung bestanden und gezeigt, dass sie wissen, wie es geht - und sie gehen.

Von Maximilian Bülau

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.