Ausgerechnet im Jubiläumsjahr droht der Wappenstein-Konflikt die Mielenhäuser Dorfgemeinschaft zu spalten

Ein Streit zum Steinerweichen

Stein Nummer zwei: Am selben Tag überreichte der Landtagsabgeordnete Schminke (Mitte) ein von ihm selbst geschaffenes Steinwappen an Ortsbürgermeister Wedekind (rechts) und dessen Vorgänger Manfred Wesemann, den Autor des Jubiläumsbuches. Wie der Stein verwendet werden soll, darüber ist im Ort ein Streit entbrannt.

Mielenhausen. Der Streit um die Mielenhäuser Wappen-Stele scheint endgültig zu eskalieren. Er droht nicht nur die SPD als führende Partei im Ort, sondern die gesamte Dorfgemeinschaft zu spalten – und das ausgerechnet im Jubiläumsjahr, das eigentlich der Freude der Einwohner und Festigung des Zusammenhalts dienen sollte.

Stein des Anstoßes ist das mehrfach beschriebene Werk, das der SPD-Landtagsabgeordnete und Hobby-Steinmetz Ronald Schminke (Gimte) für das 750-jährige Dorf überm Schedetal angefertigt hatte.

Die Arbeit ist professionell gut gemacht, allerdings nicht ganz einmalig. Denn der Festausschuss hatte bereits im Oktober vergangen Jahres einen eigenen Jubiläumsstein mit Wappen und Jahreszahlen in Auftrag gegeben, den ein Bildhauer herstellen sollte. Und damit war der Keim des Ärgers gelegt – nicht nur bei Schminke, der angeblich wutentbrannt ausgerufen haben soll: Dann werde er seinen Stein eben in die Weser schmeißen.

Irgendwie war die Abstimmung zwischen den Jubiläumsakteuren gründlich daneben gegangen, als da waren Ronald Schminke, der Festausschuss, die AG Dorfgeschichte mit ihrem Protagonisten Manfred Wesemann und der Kulturverein. Wer dort welche Fäden teils vor, teils hinter den Kulissen zog, das stellen einige der Beteiligten heute recht unterschiedlich dar.

Jedenfalls gab es beim Festakt im März dieses Jahres plötzlich zwei Wappensteine zu bestaunen: den offiziellen Dorfstein, der feierlich enthüllt wurde, und das Geschenk des Landtagsabgeordneten. Nach der Überreichung setzte Schminke das Wappen noch in eine veritable Sandsteinstele ein, damit das fertige Werk auch einen ansprechenden Platz erhalte: nämlich am DGH, was für den Abgeordneten und die örtlichen Sozialdemokraten ausgemachte Sache war.

Wer hat was mit wem besprochen – oder nicht?

Und dann passierte es: Kaum hatten SPD-geführte Mielenhäuser die Stele vorm DGH in ein Beton-Fundament gesetzt, wurde sie von anderen Mielenhäusern zu nächtlicher Stunde wieder ausgegraben. Der Einbau, so hieß es, sei eigenmächtig und zudem nicht am eigentlich ausgeguckten Ort geschehen.

Jetzt herrscht im Dorf ein wütender Streit über Fragen wie: Wer hat da was mit wem abgesprochen oder nicht abgesprochen, etwa zu Art und Ort der Wappen-Präsentation? Wer im Dorf ist überhaupt berechtigt, darüber zu entscheiden, wo und wie das Wappen angebracht wird? Wer im Dorf hat sich über wen ganz einfach hinweggesetzt?

Einfach ausgedrückt: Wer sagt die Wahrheit und wer die Unwahrheit?

Ortsbürgermeister wehrt sich mit Brief an alle Einwohner

Das alles klingt so verwirrend, wie die Lage tatsächlich ist. Jetzt hat dazu auch der sonst eher zurückhaltende Ortsbürgermeister Klaus Wedekind das Wort ergriffen – pikanterweise ebenfalls Sozialdemokrat.

Betroffen von den Querelen rund um Stein und Standortfrage, zudem tief verletzt von persönlichen Angriffen gegen ihn, verteilte Wedekind mit einigen Getreuen einen zwei Seiten langen, eng beschriebenen Brief an alle Mielenhäuser.

Darin schildert er seine Sicht der Ereignisse, die darin gipfelt, dass er keineswegs, wie von einigen seiner Genossen behauptet, über alle Schritte informiert gewesen sei. Und dass er keineswegs alles gutgeheißen habe, was ihm der Landtagsabgeordnete und andere hätten aufdrücken wollen. Man habe schlicht versucht, so resümiert Wedekind sinngemäß, ihn zu überrumpeln und zu instrumentalisisieren.

In welchem Ton man mit ihm geredet habe, beschreibt der Ortsbürgermeister an gleich mehreren Stellen seines Einwohnerbriefs. Da heißt es zum Beispiel: „Nachdem ich Herrn Schminke davon informiert hatte, dass ohne Zustimmung seitens der Stadt Hann. Münden der Stein nicht eingesetzt werden dürfe, sagte er: ,Die fragen wir erst gar nicht, der wird so eingebuddelt‘.“

Dass er selbst einen bescheideneren Auftritt pflegt, sieht Klaus Wedekind deshalb eher als Tugend an. Man habe gehöhnt, dass er gelegentlich „verschämt und nervös“ in einer Ecke stehe, heißt es am Ende seines Briefes. Dazu könne er nur sagen: „Mag sein, dass ich in Konfliktsituationen nicht schnell genug die passenden Worte finde. Aber ich stehe lieber nervös in der Ecke, als Mitmenschen mit unvorstellbaren Ausdrücken zu beschimpfen.“

Die stellvertretende Ortsbürgermeisterin Anne Specht hat sich inzwischen mit Wedekind solidarisch erklärt. Specht wörtlich: „Ich habe ihn als Ortsbürgermeister gewählt, weil ich ihn schätze und achte. Ich stehe voll und ganz hinter ihm.“

Von Axel Schmidt

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