Verkehrsberuhigung - aber wie? Der Rat in Scheden steht vor einem Dilemma

Streit um Raser und Bremshubbel

Scheden/Dankelshausen. Der Schedener Rat steht vor einem Dilemma: Zur Sicherheit der Anwohner wurden in der Gemeinde verkehrsberuhigte Zonen eingerichtet. Bei 30 Kilometern pro Stunde liegt dort das Tempolimit. Das Problem: Auf einer glatten Straße hält sich kaum einer daran. Also habe man, berichtete Bürgermeisterin Ingrid Rüngeling, auf Wunsch von Anwohnern, Temposchwellen installiert, jene Hubbel auf der Fahrbahn, die zum Abbremsen und Langsamfahren zwingen.

Seitdem aber häuften sich die Beschwerden über die Bremshubbel: Von Klappern und Poltern, besonders bei Fahrzeugen mit Anhängern, wird berichtet, von Ärger über verlorenen Mist, Klärschlamm und anderes, wenn landwirtschaftliche Gespanne darüber fahren, von rumpelnden Lkw und von ganz dreisten Verkehrsteilnehmern, die die Bremshubbel „umfahren“ und dabei nicht nur „mit Anhänger ungebremst über den Seitenstreifen“ rauschen, sondern auch über Privatgrundstücke schlingern.

Mehrere Betroffene schilderten ihre Erfahrungen in der Ratssitzung am Dienstag. Die Sitzung war extra unterbrochen worden, damit die Bürger zu Wort kommen konnten. Diese berichteten von einer „Einschränkung ihrer Lebensqualität“, da das „Geschepper“ bis in die Nacht andauere. Auch das Versetzen des einen oder anderen Hubbels habe nichts gebracht, ebenso wenig wie deren Abflachen. So werde Verkehrsberuhigung auf Kosten der Anwohner gemacht, das könne so nicht bleiben. Diejenigen, die einst die Temposchwellen forderten, hätten sie nicht vor der eigenen Haustür.

Baut man die Schwellen ab, so eine Befürchtung im Rat, werde sofort wieder schneller gefahren. Damit bringe man Fußgänger in Gefahr, besonders Kinder und Senioren. Die Gemeinde wolle diese durch die Verkehrsberuhigung schließlich schützen. Wenn dieser Schutz wegfiele und ein Unfall passieren würde, würde das wieder der Gemeinde vorgeworfen, so die Bürgermeisterin. Die Schwellen seien so angebracht, dass sie zum Abbremsen zwingen und zwischen zwei Schwellen nicht genug Strecke bleibt, um noch einmal zu beschleunigen. Geschwindigkeitskontrollen und Bußgelder forderte ein Anwohner. Da machten ihm die Ratsmitglieder aber wenig Hoffnung: Mit dem eigenen Gerät könne man messen und zählen, was man auch tun will, aber Bußgelder kassieren können nur Landkreis und Polizei. Und die sind an gefährlicheren Stellen unterwegs. Einen Beschluss fasste der Rat am Dienstag nicht. Es ging zunächst darum, ein Meinungsbild zu finden, bevor man bei einer Verkehrsschau am 12. September das Thema mit den Fachleuten bespricht.

Langfristig müsse aber ein Grundsatzbeschluss gefasst werden, skizzierte es Bürgermeisterin Rüngeling, denn man könne sich nicht jedes Jahr aufs Neue mit den Bremsschwellen befassen. Als Sofortmaßnahme könne man dicke Steine auslegen, um zumindest das Umfahren der Schwellen zu verhindern.

Rubriklistenbild: © Foto: Bernd Wüstneck/Archiv, dpa-avis

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