Hohe Kosten

Suche nach Wegen aus dem Patronat

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Blick auf den Turm von St. Blasius: Für den Erhalt des Daches und der Außenmauern der Kirche ist die Stadt Hann. Münden zuständig.

Hann. Münden. Nach über 400 Jahren sucht die Stadt Hann. Münden derzeit nach Wegen, das Patronat über die St. Blasius Kirche auflösen zu können.

Hintergrund sind die hohen Kosten, die für die Stadt damit verbunden sind. Denn nicht die Landeskirche ist zuständig für den Erhalt und die Sanierung des Bauwerks, sondern die Stadt muss für „Dach und Gefach“ aufkommen.

Die Verpflichtung resultiert aus dem ausgehenden 16. Jahrhundert, als die Stadt das Patronat übernommen hat, auch um sich Einfluss in der Stadtkirchengemeinde zu sichern und bei der Besetzung von Pfarrstellen mitsprechen zu können. Das kann sie bis heute, und der Bürgermeister hat Sitz und Stimme im Kirchenvorstand.

Jetzt ist die Stadt offenbar bereit, dieses Privileg aufzugeben angesichts leerer Kassen und Millioneninvestitionen, die in den nächsten Jahren nötige sind. Nach Angaben der Stadt haben die Kommunalen Dienste Münden in den vergangen zehn Jahren Kosten von rund 135 000 Euro gehabt. Demnächst müssen geschätzte 3,5 Millionen Euro investiert werden, weil das Dach neu gedeckt und die Holz- und Mauerkonstruktion saniert werden müssen.

Einigkeit im Ausschuss

Vor diesem Hintergrund waren sich die Ratsmitglieder im Stadtentwicklungsausschuss ohne lange Diskussionen rasch einig, als sie über diesen Punkt im Sparkonzept der Stadtverwaltung abstimmen mussten. „Aufgabe des Patronats an der St. Blasii-Kirche, mindestens Verringerung des von der Stadt für das Patronat aufzubringenden finanziellen Aufwands.“ Dem stimmten alle Fraktionen zu.

Mit einem einseitigen Federstrich ist dies allerdings nicht zu machen. Dafür muss es eine Vereinbarung zwischen der Kirchengemeinde und der Stadt geben, und die Landeskirche muss sie genehmigen. Dabei, so das Kirchengesetz über Patronate, sind in der Regel „die Grundsätze über die Ablösung von Baulasten anzuwenden.“

Finanzielle Bedingungen

Das heißt, es muss festgelegt werden, zu welchen finanziellen Bedingungen die Stadt aus dem Patronat aussteigen kann. Allgemeine Regelungen gebe es dafür nicht, so Pastor Dr. Johannes Neukirch, Sprecher der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers. Das sei kompliziert und müsse in den Verhandlungen geklärt werden.

Für Thomas Henning, Superintendent des Evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Münden, ist derzeit noch nicht klar, ob die Stadt das Patronat aufgeben will oder nur Hilfe für die Sanierung der Kirche sucht.

Sollte Letzteres der Fall sein, so Henning, „unterstützen wir als Stadtkirchengemeinde und als Kirchenkreis die Stadt natürlich gern bei der Suche nach Fördermöglichkeiten.“ Bisher sei die Stadt noch nicht an ihn herangetreten mit der Absicht, die Zusammenarbeit aufzulösen.

Von Ekkehard Maaß

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