Landwirtschaft

Vom Feld ins Internet: Digitales Vorerntegespräch der VR-Bank - Soja als Chance

Sojaernte auf einem Feld in Veckerhagen in der Gemeinde Reinhardshagen. Der grüne Mähdrescher fährt durch das Feld.
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Sojaernte im Wesertal bei Veckerhagen auf einer Fläche von Landwirt Claus Baumgärtel. Beim Vorerntegespräch der VR-Bank dreht es sich auch um die Produktion von Fleischersatzprodukten. (Archivfoto)

Das traditionelle Vorerntegespräch der VR-Bank in Südniedersachsen fand dieses Jahr coronabedingt im Internet statt. Knapp 1000 Landwirte beteiligten sich. Wichtiges Thema war Soja als Grundstoff für Fleischersatzprodukte und die Chancen für Südniedersachsen.

Eigentlich war der Termin für das traditionelle Vorerntegespräch der VR-Bank in Südniedersachsen gut gewählt: Am Vorabend vor dem Beginn der Fußballeuropameisterschaft sollten die Landwirte aus dem Geschäftsgebiet in die Dransfelder Stadthalle kommen, um sich dort über Märkte, Perspektiven und Trends zu informieren. Doch dann kam Corona: Die EM fiel aus und auch das Vorerntegespräch in der Stadthalle. Vielmehr fast, denn die Genossenschaftsbank verlegte ihre Veranstaltung kurzerhand ins Internet und lud dazu knapp 1000 Landwirte ein.

Vorerntegespräch aus dem „Studio Holzminden“

„Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen“, stellten der Vorstandsvorsitzende Folkert Groeneveld sowie Michael Steinberg als Warenvertriebsleiter bei der Begrüßung fest, die per Video aus dem „Studio Holzminden“ übertragen wurde. Die VR-Bank wolle sich mit diesem neuen Format von ihrer modernen Seite zeigen und deutlich machen, wie wichtig die Kommunikation mit den Landwirten sei.

Corona treffe die Wirtschaft schwer, so Groeneveld, europaweit werde mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von elf Prozent, in Deutschland von acht Prozent gerechnet. „Wir werden Insolvenzen sehen und Existenzen, die trotz aller Hilfen nicht mehr auf die Beine kommen“, so der VR-Bank-Vorsitzende. Das werde sich auch auf die Bank auswirken, man bereite sich auf Kreditausfälle vor. Auf eine Dividende im Juni müssen die Anteilseigner der VR-Bank verzichten – vorerst. Man sei aber optimistisch, dass man eventuelle Ausfälle aus eigener Kraft stemmen könne.

Groeneveld gab auch einen Einblick in das Vor-Corona-Jahr 2019: Die Bilanzsumme verbesserte sich gegen��ber dem Vorjahr 2018 von 1,111 Milliarden Euro auf 1,166 Milliarden Euro, auch die Kundenkredite stiegen leicht von 514 Millionen auf 515 Millionen Euro. Die Kundeneinlagen kletterten von 770 Millionen auf 819 Millionen Euro, das betreute Kundenvolumen stieg von 1,877 Milliarden auf 1,978 Milliarden Euro. Das bilanzielle Eigenkapital konnte von 178 auf 192 Millionen Euro gesteigert werden.

Sojatest für Südniedersachsen

Dr. Ing. Volker Heinz, geschäftsführender Vorstand vom Deutschen Institut für Lebensmittel, berichtete in seinem Vortrag „Fleischersatzprodukte auf dem Vormarsch – welche Chancen ergeben sich für Landwirtschaft und Warengenossenschaften?“ vom wachsenden Markt der Fleischersatzprodukte aus Soja.

Folkert Groeneveld, Vorsitzender des Vorstands der VR-Bank Südniedersachsen.

Alternative Proteine finden bereits seit über 50 Jahren Einsatz in der Nahrungsmittelproduktion. Diese bewegen sich aktuell aus dem Nischendasein heraus. Treiber sind dabei vor allem der bessere „CO2-Fußabdruck“ von Fleischersatzprodukten und veränderte Konsumgewohnheiten. Insgesamt besteht für neue Produkte aus alternativen Proteinen – wie Pflanzen- und Insektenproteine – ein Markt, da sich Verbraucher offen für neue Produkte zeigen. Heinz selbst rechnet fürs Jahr 2025 mit einem Marktanteil von 20 Prozent an alternativen Eiweißen. Das derzeit stark diskutierte Laborfleisch, das ohne tierische Produktion auskommt, werde bis dahin aber nur einen Marktanteil von unter fünf Prozent haben. Es werde zwar Veränderungen beim Fleischkonsum geben, zugleich prognostizierte Heinz aber auch, dass der Absatz von Fleisch und Milch zumindest nicht stark sinken werde. Corona habe die Konsumgewohnheit bislang nicht erkennbar verändert.

„Soja in Südniedersachsen – Ein Programm voll im Trend“

Bei der Produktion von alternativen Proteinen böten sich auch Chancen für die hiesige Landwirtschaft und Warengenossenschaften, so Heinz. Hier habe die VR-Bank mit ihrem Sojaprogramm den Nagel auf den Kopf getroffen.

Björn Allemann, Berater im landwirtschaftlichen Außendienst der VR-Bank, berichtete zum Thema „Soja in Südniedersachsen – Ein Programm voll im Trend“ über die gesellschaftlichen Entwicklungen hinsichtlich Ernährungsgewohnheiten, Tierernährung und Nachhaltigkeit.

Er gab praxisorientierte Hinweise zu den verschiedenen Arten der Sojaimpfung und Informationen über Soja-Testflächen in Nörten-Hardenberg und Groß Schneen. Denn heimisches Soja erfreut sich steigender Beliebtheit – sowohl als Futtermittel als auch für die menschliche Ernährung in veganen Produkten. Zudem lockert die Sojabohne die landwirtschaftlichen Fruchtfolgen auf und wird in Deutschland bislang auf bescheidenen 30 000 Hektar angebaut, vor allem im Süden. Die VR-Bank in Südniedersachsen lotete im vergangenen Jahr gemeinsam mit Landwirten aus, ob der regionale Anbau durch die Landwirte und die Vermarktung durch die Bank ein neues Geschäftsfeld werden könne.

18 Landwirte starten in 2020 auf 80 Hektar den Anbau

In diesem Jahr starteten 18 Landwirte mit zusammen 80 Hektar Sojaanbau. Nicht ganz die 200 Hektar Anbaufläche, die im vergangenen Jahr als Marschroute ausgegeben wurden, aber ein Anfang. Entstanden ist dabei auch ein Leitfaden zum Sojaanbau, der bei der Bank von interessierten Landwirten angefordert werden kann.

Im Anschluss gab Albrecht Baetge, Fachbereichsleiter Absatz und Getreidehändler der VR-Bank Südniedersachsen eG, seine aktuelle Einschätzung für die Entwicklung auf den Getreide- und Rapsmärkten ab.

Durch die Schließung des Warenstandortes Nörten-Hardenberg – die Neuöffnung als Standort für Bioware ist auch durch Coronaverzögerungen noch nicht abschließend geklärt – sowie anderen kleinen Lagern wie Edemissen wird in der Ernte mehr Ware in Moringen angeliefert werden, berichtete René Haehnel, Leiter für Agrarstandorte, Innendienst und Technik.

In Moringen soll daher die Ablieferlogistik für die kommende Ernte verbessert werden, damit es zu keinen langen Wartezeiten kommt. Zudem plant die Bank derzeit einen neuen Warenstandort „auf der grünen Wiese“ im Raum Duderstadt/Gieboldehausen. Der Bau der neuen Düngemittelhalle in Obernjesa sei abgeschlossen.

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