18.09.2020: Tag des Handwerks

Tanja Freisler ist fahrende Hufschmiedin

Die Hufschmiedin Tanja Freisler brennt ein Hufeisen an den Hinterhuf eines Pferdes an. Das Horn des Hufs qualmt.
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Tanja Freisler brennt ein neues Eisen auf. Das Material wurde im Ofen erhitzt und kann in seiner Form an die des Hufs angepasst werden.

Auf dem Hof der Familie Obermann in Bördel klappern die Hufe und es liegt der Geruch nach verbranntem Horn in der Luft. Ein Wagen mit Amboss, Ofen und vielen Werkzeugen ist geparkt. Daneben stehen drei Pferde und ihre Besitzer. Es ist Hufschmied-Tag.

Tanja Freisler arbeitet als mobile Hufschmiedin. Sie bietet Hufbeschlag mit Eisen und Barhufbearbeitung an. Ob ein Pferd Hufeisen braucht, komme auf die Nutzung, die Hornqualität und den Untergrund an, erklärt die 29-Jährige. „Wenn das Pferd viel im Gelände und auf steinigen Wegen geritten wird, ist ein Beschlag sinnvoll“, sagt sie. Aber auch Krankheiten könnten ein Grund für Hufeisen sein. Wenn Pferde eine gute Hornqualität haben und der Untergrund passt, könnten die Tiere auch „barhuf“, also ohne Hufeisen geritten werden.

Auf dem Hof in Bördel leben 30 Pferde. Einige von ihnen haben heute einen Termin. Eine Behandlung dauert etwa eineinhalb bis zwei Stunden und sollte alle sechs bis acht Wochen erfolgen, abhängig vom Bedürfnis des Pferdes.

Nachdem das alte Eisen abkommt, muss das nachgewachsene Horn in Form geschnitten werden.

Zu Beginn ihrer Arbeit sieht sich Tanja Freisler das Pferd in Bewegung an, erklärt sie. Das heißt, die Besitzerin führt ihr Pferd im Schritt und im Trab vor. Dann nimmt die Hufschmiedin die Eisen ab und schneidet das darunter nachgewachsene Horn in Form. Der geschnittene Huf wird mit einer Feile glatt geraspelt und die Eisen werden wieder aufgenagelt. Beim Anbrennen wird das Hufeisen zunächst im Ofen erhitzt und an den Huf angelegt, sodass das Material an die Hufform angepasst werden kann.

„Dann können orthopädische Platten aus Leder, Kunststoff und so weiter angebracht werden“, sagt Tanja Freisler. Die Hufschmiedin arbeite auch mit Pferdekliniken zusammen. Nachdem Pferde wegen Verletzungen oder Lahmheiten behandelt wurden, übernehme sie die weitere Therapie in Absprache mit den Ärzten.

Selten geworden im Alltag: Der Amboss gehört zum Werkzeug eines Hufschmieds.

Ein Bürojob ist für Tanja Freisler nicht in Frage gekommen, erzählt sie. Sie sei gerne in Bewegung und viele in ihrer Familie übten handwerkliche Berufe aus. „Ich bin mit Pferden groß geworden“, sagt die 29-Jährige. Wenn der Hufschmied zu Besuch kam, habe sie gerne geholfen und so den Wunsch entwickelt, den Beruf zu ergreifen. Doch das sei früher ein Metallberuf gewesen und den habe sie nicht erlernen wollen.

So habe sie sich zunächst für die Ausbildung zur Malerin entschieden. Dann seien die Ausbildungsbedingungen zum Hufschmied geändert worden: von der dreijährigen Berufsausbildung zur zweijährigen Erwachsenenfortbildung. Tanja Freisler nahm die Möglichkeit wahr und folgte ihrem ursprünglichen Berufsziel.

Im Ofen wird das Eisen weich für die Hufbearbeitung.

Heute betreut die Caldenerin Kunden in einem Gebiet zwischen Krebeck in Südniedersachsen und Gemünden an der Wohra in Nordhessen. Auch in ihrer alten Heimat Hann. Münden beschlägt sie viele Pferde. Frauen übten den Beruf noch selten aus, im Raum Kassel kenne sie zwei. Ihr Dienst ist gefragt. Täglich erhalte sie etwa zwei Anfragen neuer Kunden, denen sie aufgrund der vielen Termine Absagen erteilen müsse.

Am Hof Obermann ist die fahrende Hufschmiedin ein gern gesehener Gast. Hier stehen Pferde und Besitzerinnen Schlange, die Reiterinnen tauschen sich beim Warten aus und fachsimpeln.

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