Biodorfverein vor dem Aus

Kaum noch Führungen durch die Jühnder Biogasanlage

Bioenergiedorf Jühnde Biogasanlage
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Die Biogasanlage bei Jühnde wurde Ende 2019 an EAM verkauft. Der Förderverein des Bioenergiedorfes steht nun vor der Auflösung.

Förderverein Bioenergiedorf Jühnde will sich auflösen - zuletzt nur noch selten Gästeführungen durch die Anlage

Mit der geplanten Auflösung des Fördervereins Bioenergiedorf Jühnde zum 30. September schließt sich eine weitere Akte des einstigen Vorzeigeprojektes in Südniedersachsen. Gästeführer des Vereins hatten innerhalb der vergangenen Jahre viele Tausend Besucher aus aller Welt über die Anlagen von Deutschlands erstem Bioenergiedorf Jühnde geführt.

Nach dem Verkauf an die EAM im vergangenen Herbst hätten noch zwei, drei Führungen stattgefunden. „Aber das war nicht mehr so wie früher. Das ist nicht mehr unsere Anlage, sondern die eines anderen“, sagt resigniert Manfred Menke, der damit auch das Stimmungsbild der meisten anderen Gästeführer weitergibt. Menke ist Vorsitzender des Fördervereins Bioenergiedorf Jühnde, in dem alle Aktivitäten gebündelt wurden, die nicht unmittelbar mit der Bioenergieanlage zu tun haben – vor allem die Gästeführungen.

Zudem, so Menke, habe er das subtile Gefühl, dass die Führungen nicht unbedingt gewollt seien von der EAM, wenngleich diese hätten stattfinden dürfen. Hinzu komme, dass bedingt durch die Coronapandemie dem Förderverein die entscheidende Einnahmequelle fehle, die bislang die Wirtschaftlichkeit des Vereins sicherstellte. Denn die Kosten wie Raummiete, Personal und Heizung seien weiter angefallen, einem eventuellen Insolvenzverfahren nach Verbrauch des noch vorhandenen Restkapitals bis Herbst wolle man jetzt mit der Auflösung zuvorkommen.

Hinzu komme die Ungewissheit, wann wieder Führungen stattfinden könnten und ob noch Interesse bestehe – jetzt, wo Jühnde kein von den Bürgern getragenes, genossenschaftliches Bioenergieprojekt mehr sei.

Bei der EAM ist man über die Entwicklungen in Jühnde überrascht: „Wir hatten dem Förderverein in mehreren Gesprächen mitgeteilt, dass er auch weiterhin unsere Räume nutzen und Führungen auf der Biogasanlage für die Öffentlichkeit anbieten kann“, heißt es in einer Stellungnahme. Und weiter: „Bislang haben wir keine offizielle Kenntnis darüber erhalten, dass der Verein aufgelöst werden soll und zukünftig keine Führungen mehr anbieten möchte.“ Als Betreiber der Anlage plane man derzeit nicht, regelmäßig eigene Führungen zu organisieren. „Sollte aber Interesse bestehen, würde die EAM Plus GmbH als Eigentümerin auch in Zukunft Führungen für Gruppen auf dem Gelände der Biogasanlage Jühnde anbieten.“ 

Eigenständig von 2004 bis 2019

Das 2004 in Betrieb gegangene, genossenschaftliche Projekt war das erste Dorf Deutschlands, das seinen Strom- und Wärmebedarf vollständig aus erneuerbaren Energien bezog. Nach Rechtsstreitigkeiten und einer zu dünnen Eigenkapitaldecke, die kaum Luft für die jetzt notwendigen Investitionen bot, wurde die Biogasanlage im Herbst 2019 nach einem mehrheitlichen Beschluss der Bioenergiegenossenschaft an den örtlichen Energieversorger EAM verkauft.

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