Das Leben Heinz Hartungs und Angehöriger in Buch über Christen jüdischer Herkunft

Verfolgt von den Nazis

Frieda Hartung

Hann. Münden. Ein neues Buch über das Schicksal von Christen mit jüdischen Wurzeln im Nationalsozialismus behandelt auch die Lebensgeschichte des Mündeners Heinz Hartung (89). Wie auch schon in der HNA berichtet, kam Heinz Hartungs Mutter Frieda aus einer jüdischen Familie, war aber Christin und in der evangelisch-reformierten Gemeinde in Hann. Münden engagiert.

Alteingesessene Familie

In dem Buch „Im Niemandsland“ trägt Autorin Uta Schäfer-Richter die Geschichten von fast 100 Christen jüdischer Herkunft zusammen und analysiert, wie sich die Gesellschaft im Allgemeinen und die hannoversche Landeskirche im Besonderen gegenüber den „nicht-arischen“Gemeindemitgliedern verhielt.

Dabei schildert die Autorin auch die Situation der alteingesessenen Mündener Familie Hartung, die in der Anfangszeit der antisemitischen Verfolgung im Großen und Ganzen noch glimpflich davon kam. So wurde während des ersten Boykotts jüdischer Geschäfte 1933 die Textilhandlung der Familie noch verschont. Doch allmählich bekam auch der junge Heinz Hartung, in den Augen der Nazis ein „Mischling“, die Diskriminierung zu spüren und musste sich von Anhängern der Hitler-Jugend als „Judenjunge“ beschimpfen lassen. 1935 mussten die Eltern dann unter Druck das Modegeschäft aufgeben.

Sein Studium an der Werkkunstschule in Kassel musste der junge Heinz Hartung zwischenzeitlich unterbrechen, weil er keiner NS-Organisation angehörte. Da seine Herkunft aus teilweise „nicht-arischen“ Verhältnissen aber weitgehend unbekannt blieb, gelang es ihm später, das Studium fortzusetzen. Auch die Beziehung zu seiner späteren Frau Elli musste Heinz Hartung geheim halten, denn sonst drohte dem jungen Mädchen die Einweisung in eine Erziehungsanstalt.

Das Buch beleuchtet auch das Schicksal von Hartungs Mutter Frieda, die bis zum Tode ihres Mannes 1939 in einer sogenannten „privilegierten Mischehe“lebte.

Zunächst konnte die Familie im Jahr 1942 mit viel Glück und der Hilfe des befreundeten Pastoren August Wilhelm Brand von der Refomierten Gemeinde in Hann.Münden eine Deportation verhindern.

Auch der HNA hat der heute 89-jährige Heinz Hartung die Geschichte dieser Rettungsaktion schon erzählt.

Das KZ überlebt

Doch gelang dadurch nur ein Aufschub, keine Verschonung: Im Januar 1944 wurde Frieda Hartung dann mit dem sogenannten „Witwen Transport“ doch in das Konzentrationslager Theresienstadt gebracht, wie ebenfalls in dem Buch von Uta Schäfer-Richter geschildert wird.

Trotz der entsetzlichen Bedingungen im KZ überlebte Frieda Hartung bis zur Befreiung 1945 und konnte im Juli die Hochzeit ihres Sohnes Heinz mit seiner geliebten Elli miterleben. (rud)

Uta Schäfer-Richter: Im Niemandsland. Christen jüdischer Herkunft im Nationalsozialismus - Das Beispiel der hannoverschen Landeskirche. Wallstein Verlag, Göttingen 2009. 29, 90 Euro. Erhältlich unter anderem in der Buchhandlung Winnemuth, Hann. Münden.

Bereits in der HNA erschienene Artikel zu Heinz Hartung finden Sie als pdf-Dateien im Internet unter www.hna.de/muenden

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