Den Weg zur Brackenburg zu finden, erfordert heutzutage Pfadfinderqualitäten – Denkmalschützern ist das aber ganz recht

Die vergessene Ruine vom Brackenberg

Erst wenn das Laub lichter wird, ahnt man den Panoramablick, den die 461 Meter hoch liegende Bergkuppe böte.

Meensen. Nur wer scharfe Augen hat, erspäht am Fuße des Bergkegels das kleine Wanderschild, das in kniehohes Gras und dichtes Unterholz zeigt. Wo, Herrschaftszeiten, führt ein Weg durch diesses Dickicht?

Dem Wanderer schwant: Die Brackenburg zu finden, erfordert Pfadfinderqualitäten. Klar ist, dass es nur bergan gehen kann. Also stapfen wir den steiler werdenden Hang hinauf, nutzen einen jäh auftauchenden Steig, finden uns an einer rutschigen Böschung wieder und krabbeln schwitzend und auf allen Vieren ein Geröllfeld hinauf (Ob das wohl Bausteine der Burg gewesen sind?). Jetzt ein ringförmiger, von Basaltbrocken übersäter Graben, die Andeutung einer Treppe, und endlich, nach mühseliger Kletterei, sind wir am Ziel.

Mauerreste und ein meterhoher turmartiger Basaltklotz, der wohl mal ein stolzer Bergfried gewesen ist, bieten in der tiefgrünen Waldkulisse ein wahrhaft romantisches Bild. Zwischen den Bäumen blinken Ausschnitte von Dörfern und Felder, die erahnen lassen, welch einen Panoramablick die alles überragende Bergkuppe böte, würde man die Baumwipfel ringsum etwas stutzen.

Es ist einsam hier oben, und nicht erst seit gestern, wie das verwilderte Gelände zeigt. Dabei umweht dieses Fleckchen Erde die fast mystische Aura, die urtümliche Burgplätze mit ihren geheimnisvollen Überbleibseln so an sich haben.

Ist vielleicht der Weg zu weit? – Immerhin muss man zur Brackenburg ein paar Kilometer laufen; mit dem Auto oder Gehhilfen kommt man hier nicht hoch.

Sind die Ruinenreste zu dürftig, um Besucher an rasselnde Rüstungen, klingende Schwerter und schnaubende Rösser zu erinnern? Ist der Blick ins Land zu aussichtslos, weil ja alles zugewachsen ist? Wollen die Förster nicht, dass dort, wo zeitig seltene Frühblüher schimmern, Heerscharen von Menschen herumtrampeln?

Es gibt durchaus Menschen in den Dörfern ringsum, die es bedauern, dass die Burg ein weltabgeschiedener Ort geworden ist. Ingrid Rüngeling zum Beispiel, die heimatverbundene Bürgermeisterin von Scheden-Meensen-Dankelshausen. Wenn man mit ihr darüber spricht, würde sie am liebsten eine Gruppe zusammentrommeln, die Wege freischneidet und den Zugang neu ausschildert. „Gerade die Meenser haben sich immer mit der Burg identifiziert“, erzählt sie von früher. „Die sind eigentlich immer gern dabei, wenn’s um freiwillige Einsätze geht.“

Doch das ist einfacher gesagt als getan. Denn der Brackenberg erhebt sich auf dem Territorium der Gemeinde Rosdorf, die dort ins Schedener Gebiet hineinragt. Und der Wald ist Staatsforst, betreut vom Niedersächsischen Forstamt Münden. „Da können wir also nicht einfach so reingehen und rumwerkeln,“ sagt Rüngeling. „Und die Rosdorfer selbst, die sind weit weg, die haben ja gar keinen Bezug zur Brackenburg.“

Das Forstamt jedenfalls ist nicht sehr erpicht darauf, aus dem Gelände ein Ausflugsziel zu machen. Erstens würde so etwas Arbeitszeit und Geld kosten, zweitens hat die Landesdenkmalpflege um Amtshilfe gebeten. Wie ein Forstmitarbeiter berichtet, hatten den Brackenberg kürzlich Archäologen und Denkmalpfleger besichtigt.

„Die baten uns darum, das Gelände möglichst unzugänglich zu belassen“, sagte der Forstmann. „Die wollen nämlich nicht, dass jedermann da oben rumklettert und schlimmstenfalls auf eigene Faust irgendwelche Grabungen vornimmt.“

von Axel Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.