Frauen kommen seltener zur Beratung

Viele Menschen von Spielsucht betroffen

Altkreis Münden. Die Anzahl von Menschen, die spielsüchtig ist, ist seit dem Jahr 2008 stetig gestiegen. Da waren es knapp 20 Betroffene. Seit drei Jahren sei sie konstant bei über 100 Betroffenen, die zur Beratung kommen. Das sagt Uta Dohrmann, Spielsuchtberaterin bei der Suchtberatung Göttingen.

Im Jahr 2013 nahmen 71 Menschen in Göttingen Hilfe in Anspruch, Dohrmann schätzt, dass es 2014 etwa 90 sind. „Die Dunkelziffer ist viel höher, da viele Betroffene nicht zu uns kommen“, sagt sie. Laut der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen liegt die Anzahl der Menschen, die in Niedersachsen vom Automaten abhängig sind, bei 76.000. In der Fachstelle für Sucht und Suchtprävention in der Diakonie in Hann. Münden waren es 2013 zehn Betroffene, die zur Behandlung kamen.

Die Gründe, die in eine Spielsucht führen, seien unterschiedlich. „Oft lockt der Gewinn als Anreiz, für andere ist das Spielen eine Form der Entspannung,“ sagt Dohrmann. Betroffen seien fast ausschließlich Männer, von den 71 Menschen 2013 sind 63 Männer und acht Frauen. „Für Männer ist das Spielen eine schnelle Lösung der Probleme. Häufig haben sie mehr Geld als Frauen und spielen deshalb risikofreudiger“, sagt die Beraterin. „Frauen kommen viel seltener zur Beratung als Männer. Sind sie spielsüchtig, haben sie oft psychische Probleme.“

Bis Angehörige etwas merken, ist es oft zu spät. „Spielsucht endet häufig in einer Privatinsolvenz“, sagt Dohrmann. „Erfindet der Bruder oder Ehemann ständig Ausreden, wo er hingeht und hat Geldabgänge auf dem Konto, die er nicht erklären kann, sollte der Angehörige stutzig werden“, sagt Dohrmann. Außerdem werde ein Betroffener häufig launig und gereizt. „Sie verlieren das Gefühl für Geld, irgendwann kommt es nicht mehr darauf an, was ausgegeben wird“, sagt Dohrmann.

Altersschnitt und Onlinezahlen 

Die meisten Menschen, die in eine Spielsucht geraten, sind zwischen 20 und 29 Jahren alt. Aber auch bei den 50-59-Jährigen gibt es einen deutlichen Anstieg. Das geht aus den Zahlen des Jahresberichtes der Fachstelle für Suchtberatung Göttingen hervor. Außerdem habe das Onlinespielen zwar stark zugenommen, werde aber immer noch hinter den Spielhallen genannt, wenn es um die Art der Spielsucht gehe, sagt Uta Dohrmann. Besonders die Zugriffe auf Sportwetten seien stark gestiegen.

„Onlinespielen ist viel gefährlicher, als das in der Halle, da es im Haus stattfindet, und noch weniger kontrolliert werden kann“, sagt die Spielsuchtberaterin Uta Dohrmann.

Von Leona Nieswandt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.