Landwirtschaftskammer richtet App für Schadensmeldungen ein

Waldbesitzer im Landkreis Göttingen unter Druck

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Zu viel Holz: Stürme und Käfer haben in ganz Mitteleuropa zu einem Überangebot auf dem Holzmarkt geführt.

Waldbesitzer sind zurzeit mehrfach gebeutelt: Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer verursachten Schäden an Nadelbäumen, aktuell geht das Sterben mit der Buche weiter.

Im von der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen betreuten Privatwald (etwa 400 000 Hektar) seien auf rund 4000 Hektar Schäden durch den Schädling gemeldet worden, so das LWK in einer aktuellen Pressemitteilung. Die Bezirksförster der Kammer sähen in diesem Wert eine eher vorläufige Schätzung. Sie rechnen mit weiteren gemeldeten Schäden, die erst in diesem Jahr festgestellt werden.

Zur weiteren Bekämpfung der ersten Generation Borkenkäfer seien allein im Nichtstaatswald in Niedersachsen 6600 Fangsysteme für Borkenkäfer aufgestellt worden. Sie wurden vorwiegend an den Rändern der im Vorjahr mit Borkenkäfern befallen Flächen platziert und vom Land Niedersachsen finanziert.

Viele Fichten- und Lärchenpolter hätten aufgrund der großen Menge nicht zeitnah aus dem Wald abgefahren oder entrindet werden können. In solchen Fällen wird aus Gründen des Waldschutzes empfohlen, die Polter mit einem Insektizid zu behandeln. Dazu bringen fachlich Geschulte das Präparat in geringer Konzentration ausschließlich auf die äußeren Flächen der Holzpolter auf.

Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen habe in enger Abstimmung mit der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt die App „WaldKat mobile“ entwickelt. Damit können erstmalig für den Privatwald in Niedersachsen per Smartphone oder Tablet Schäden direkt im Wald aufgenommen und gemeldet werden.

Die Mitarbeiter in den Bezirksförstereien der Landwirtschaftskammer sind ein wichtiger Anwenderkreis dieser App. Sie können die Informationen auf ihr eigenes mobiles Endgerät, aber auch auf die Mobilgeräte ausgewählter weiterer Personen übertragen. Dazu gehören zum Beispiel Waldläufer, die bei der frühzeitigen Erkennung von Waldschäden helfen. Alle mit der App erhobenen Meldungen werden zunächst an die Plattform der Landwirtschaftskammer Niedersachsen geschickt, auf die nur die forstlichen Kammermitarbeiter Zugriff haben. Erst nach deren Bestätigung werden die Daten in das Waldschutz-Meldeportal eingestellt.

Die Erstellung der App wurde durch das Niedersächsische Forstministerium finanziert.

Fangsystem zur Bekämpfung der Borkenkäfer.

Wegen der massiven Dürre-, Sturm- und Käferschäden an der Fichte sind Forstunternehmer ausgebucht. Durch den großen Holzanfall sind die Preise für Käferholz im Keller, der Erlös eines vielleicht 70 Jahre lang gewachsenen Borkenkäferbaumes deckt nicht einmal die Kosten für die Aufarbeitung. Auch bei Waldbesitzer Ludolf von Stockhausen, Gut Wellersen, ist das so. Der Eigentümer des Rittergutes Wellersen nennt 270 Hektar Wald rund um Wellersen sein Eigen und stellt frustriert fest: „Die Bewirtschaftung des Waldes hat schon mal mehr Spaß gemacht.“ 

Die Fichte sei in seinem Betrieb nahezu ein „Totalausfall“, zu heftig waren die Stürme, Borkenkäfer- und Trockenschäden der vergangenen Jahre. Und selbst junge, achtjährige Fichtenkulturen werden derzeit vom Kupferstecher-Borkenkäfer aufgefressen. Auch, was von Stockhausens Vorväter einst an Nadelbäumen haben pflanzen lassen, liegt nun am Boden, dabei nahezu wertlos. Große Flächen müssen wieder aufgeforstet und in den kommenden Jahren gepflegt, die jungen Pflanzen von Gras und Brombeerbewuchs befreit werden. 

Zwar gebe es für die Wiederaufforstung eine Förderung, weil der Erhalt von funktionsfähigen Wäldern ein gesamtgesellschaftliches Anliegen sei, so von Stockhausen. Der Betrieb müsse aber auch erhebliche Eigenleistungen dafür aufbringen. Geld, das aus dem Verkauf von Fichtenholz derzeit nicht zu erwarten ist. Gut, dass über die Hälfte des Wellersener Forst aus Buche besteht, aus deren Holzverkaufserlös solche Kosten getragen werden können. Dachte von Stockhausen zumindest bisher. Doch die zunehmend an den Buchen auftretenden Schäden lassen auch diese Kalkulation nicht mehr aufgehen. 

Denn wegen der raschen Zersetzung durch den Pilz sei das Buchenholz nahezu wertlos. Es sei allenfalls als sogenanntes Industrieholz für die energetische Nutzung oder die Holzwerkstoffindustrie, etwa als Spanplatten, zu geringen Verkaufserlösen zu vermarkten. Denn durch das viele Borkenkäferholz liegen auch diese Märkte am Boden. Marktexperten befürchten gar den kompletten Zusammenbruch auch des Buchenholzmarktes, weil zwar Stammholz von gesunden Buchen weiter zu guten Preisen vermarktet werden kann, eine Buche aber eben nur zu 50 Prozent aus Stammholz besteht – der Rest oberhalb des Stammes wird ebenfalls auf die ohnehin schon überfluteten Industrieholzmärkte drängen.

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