Auf dem Wasser zu Hause: 20-jährige Svenja Bade wird Binnenschifferin

Zwei Haushalte und zwei Leben: Svenja Bade sagt selbst, dass ihr Zuhause auf dem Schiff sei, ihre Heimat aber Hemeln. Foto:  Siebert

Hemeln. Vom Element Wasser war die 20-jährige Svenja Bade aus Hemeln schon immer fasziniert. Jahrelang war sie im Ruderverein aktiv. Jetzt wird sie Binnenschifferin.

Den Zukunftstag und ein Praktikum in der Schule verbrachte sie beim Wasser- und Schifffahrtsamt und nach dem Abitur am Grotefend-Gymnasium erfüllte sie sich ihren Traum und begann eine für Frauen eher untypische Ausbildung zum Binnenschiffer.

„Eigentlich stand für mich seit der Zeit im Gymnasium fest, dass ich einen Beruf ergreifen möchte, der mit Wasser zu tun hat“, erzählt sie. Und so bewarb sie sich bei einigen Reedereien in Duisburg. Von einem Tag auf den anderen habe sie dann die Zusage der Rederei bekommen, die ihr auch am meisten zugesagt hatte. Heute steuert die 20-Jährige als Leichtmatrose das 110 Meter lange Frachtschiff „Schwelgern“ mit 1500 PS und einem Gewicht von 2500 Tonnen (voll beladen) über den Rhein und andere Flüsse, bis hin nach Basel und Rotterdam.

Svenja Bades Arbeitsplatz: Das Frachtschiff „Schwelgern“, hier auf dem Rhein. Foto:  privat/Repro: Siebert

Geladen hat sie dann unter anderem Stahl, Hüttensand und Mais. Im Sommer beendet sie ihre zweijährige Ausbildung, ist dann Bootsfrau und muss ein Jahr lang fahren, um die Prüfung zum großen Rheinpatent absolvieren zu dürfen. Das ist das größte Patent der Binnenschifffahrt. Damit darf sie dann die meisten Flüsse und Kanäle Deutschlands befahren. Für einige Flüsse gibt es weitere Patente. Bades Ziel ist es, alle zu erlangen. Normalerweise dauert die Ausbildung zum Binnenschiffer drei Jahre, doch da ihr die Fähigkeiten in Theorie und Praxis im Blut lägen, gab es für die junge Frau eine verkürzte Ausbildungszeit.

Die Aufgaben auf einem Frachtschiff sind sehr umfangreich und vielseitig. Neben dem Wissen um die Technik im Maschinenraum und im Steuerhaus, stehen Berechnungen für die Ladungen sowie das Laden und Löschen an. Aber auch auf Knien das Deck zu schrubben und mit Farbe etwas auszubessern, gehöre dazu. „Und wenn ich etwas nicht verstehe, lasse ich es mir so lange erklären, bis ich es verstanden habe“, macht Svenja Bade deutlich.

„Mein Zuhause ist auf dem Schiff, meine Heimat ist in Hemeln. Ich habe zwei Haushalte und zwei Leben“, schwärmt sie und man spürt ihre Zufriedenheit mit der Berufswahl. Auf dem Frachter gibt es zwei Wohnungen, drei Zimmer, Küche und Bad.

Im Steuerhaus des Frachtschiffes „Schwelgern“: Die 20-jährige Svenja Bade aus Hemeln macht eine Ausbildung zum Binnenschiffer bei einer Reederei in Duisburg, die sie im Sommer abschließt. Foto:  privat/Repro: Siebert

Schiffsführer Manfred Wirges fördert Svenja Bade, von der er sagt, dass sie in allen Belangen ein Naturtalent sei. Für sie ist er mehr als nur ein Chef. In ihm und seiner Frau Rosi hat die junge Frau eine zweite Familie gefunden und wird als Ziehtochter betrachtet. Sie wiederum sieht die beiden als Ersatzeltern an. So sei es schon selbstverständlich, dass sie morgens mit ihnen zusammen frühstücke, nachdem sie kurz nach Sonnenaufgang die Flagge gehisst hat.

Und auch zu den Eltern ihres Ersatzvaters, die ebenfalls schon das Frachtschiff gesteuert haben, hat sie einen engen Kontakt und wird wie eine Enkelin aufgenommen. Besonders dem 80-jährigen „Opa“ ist sie ans Herz gewachsen. Ihre leiblichen Eltern in Hemeln unterstüzzen ihre Svenja ebenfalls und sind sehr stolz auf die Tochter, die ihren eigen Weg geht.

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