Wenn die Glocken läuten

Turmuhr der Kirche in Bühren ist seit 100 Jahren im Dienst

Manfred und Karin Heuer zeigen die Mechanik der Turmuhr
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Die 100 Jahre alte Turmuhr muss jede Woche per Hand aufgezogen werden. Das macht das Ehepaar Manfred und Karin Heuer. Die Originalanleitung liegt noch dabei.

Seit Dezember 1992 steigen sie jedes Wochenende in den Turm der Kirche Bühren: Die Küsterin Kerstin Heuer und ihr Ehemann Manfred ziehen die Uhr per Hand auf, die dieses Jahr 100 Jahre alt wird.

Auf dieses feierliche Datum ist Ortsheimatpfleger Georg Hoffmann gestoßen. Denn neben der sehr gut erhaltenen Uhr hängt noch die Originalgebrauchsanleitung von 1920.

165 Drehungen an der Kurbel für das Schlagwerk und 80 Drehungen für das Gehwerk. So werden die zwei Gewichte, 175 und 100 Kilogramm schwer, über vier Geschosse bis in das Glockengeschoss gehoben und die Uhr neu aufgezogen.

Passiert das nicht, würden die Gewichte nach neun Tagen auf dem Boden aufliegen und die Uhr müsste neu gestellt werden, der Glockenschlag bliebe aus. Aus diesem Grund machen sich das Ehepaar und manchmal auch ihre Kinder alle sieben Tage auf den Weg in den Turm. „Man sieht aus dem Fenster und sieht ganz Bühren“, darüber freut sich Kerstin Heuer bei jedem Besuch im Turm.

In Bühren wird die Uhr per Hand aufgezogen

Sie suche nach einem schweren Tag Ruhe in der Kirche und finde Kraft in ihren Aufgaben als Küsterin. Mandfred Heuer ist fasziniert vom alten Handwerk im Kirchturm und wie mit wenigen Mitteln etwas geschaffen wurde. „Es ist schön, es ist interessant“, sagt er und zeigt auf die dicken Holzbohlen, die alle unterschiedlich groß und lang sind.

Georg Hoffmann weiß die präzise Handarbeit der alten Turmuhr zu schätzen, dessen Geschichte er aufgearbeitet hat. Ende 2019 habe er angefangen zu recherchieren, um das Jubiläumsjahr vorzubereiten.

„Es macht Spaß“, sagt Hoffman, „man fängt an und will mehr wissen, wie ein Schneeballeffekt.“ Sein gesammeltes Wissen ist nun auf der Internetseite der Gemeinde Bühren einsehbar. Demnach wurde 1920 die Turmuhrenfabrik und Glockengießerei J.F. Weule aus Bockenem im Harz für eine neue Turmuhr in Bühren beauftragt. Kosten damals: 4135 Mark, inklusive Anfahrt über den Bahnhof Dransfeld und Aufbau. Der heutige Wert der Uhr liege bei etwa 6600 Euro.

Die Uhr steht noch heute in einem Bauernschrank im dritten Stock des Turms. Stahlseile verbinden das guss-eiserne Uhrwerk mit seinen Zahnrädern aus Bronze mit den Glocken und Zeigern im vierten Stock. Das Gehwerk gibt vor, wie schnell sich die Zeiger auf dem Ziffernblatt bewegen.

Das Schlagwerg löst zu halben und zur vollen Stunde einen Schlag mit den Glockenhammer aus. Die Gebetsglocke ertönt drei Mal am Tag, und ist ebenfalls mit dem Gehwerk verbunden. Das Läuten wird durch einen Elektromotor ausgelöst. Laut Wartungsfirma könne die Turmuhr bei guter Pflege weitere 100 Jahre ihre Arbeit machen. Und das ist auch heute noch im Dorfleben wichtig: „Die Kinder wissen, wenn die Glocken läuten: Es ist 18 Uhr, ich muss nach Hause“, sagt Kerstin Heuer.

Ein junger Falke fühlt sich wohl im Gemäuer der alten Kirche.

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