Angehende Krankenpfleger informierten über Sturzgefahren

Wenn der Teppich zur Stolperfalle wird

Alltags-Hindernisse: Die 19-jährige Rumeysa Üstündag (links) testete den Sturz-Parcours mit Rollator und Grauer-Star-Brille. Petra Wandermacher (50), ebenfalls Schülerin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule, half ihr dabei. Foto: Schaffner

Hann. Münden. Eine Falte im Teppich oder ein Kabel auf dem Boden können gerade für ältere Menschen zur bösen Stolperfalle werden. Welche Gefahren auf sie in den eigenen vier Wänden lauern und wie sie sich vor Verletzungen schützen können, darüber haben jetzt zwölf Schüler der Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Krankenhaus Hann. Münden bei einem Aktionstag zum Thema Sturzprävention informiert.

Auf einem Parcours im Physikalischen Therapie-Zentrum des Nephrologischen Zentrums Niedersachsen (NZN) in Münden testeten interessierte Gäste, darunter auch angehende Krankenpfleger der Schule, wie man mit Rollator und Gehhilfe typische Alltags-Hindernisse überwindet.

Brille simuliert Krankheit

Zu Demonstrationszwecken hatten die Schüler Treppenstufen aufgebaut, Turnseile, Teppiche und kleine Pylonen als Stolperfallen ausgelegt. Um sich möglichst authentisch in die Lage von älteren Menschen versetzen zu können, setzten die Teilnehmer sich zusätzlich eine Brille auf, die altersbedingte Augenkrankheiten wie den Grauen Star simuliert. „Erst so merkt man, wie schwer es ältere Menschen wirklich haben“, sagte eine der Schülerinnen, Petra Wandermacher (50) aus Hann. Münden, die Gäste über den Parcours führte.

Kostenlos auf Rezept

Die 19- bis 52-jährigen Schüler, alle aus dem zweiten Ausbildungsjahr, boten zudem Beratungen zum Wohnumfeld an und gaben Tipps, welche finanziellen und materiellen Hilfen älteren Menschen zustehen – sei es für den seniorengerechten Umbau der eigenen vier Wände oder zum Schutz gegen Stürze. „Viele wissen beispielsweise gar nicht, dass Rollatoren und Hüftprotektorhosen auf Rezept nichts kosten“, sagte die Leiterin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule, Sabine Tausch.

Jährlich 150 Stürze

Stürze sind aber nicht nur zuhause ein Thema. Auch in Krankenhäusern kommen zahlreiche Menschen zu Fall. Das NZN kommt nach Angaben des dortigen Pflegedienstleiters Peter Hoffmann auf zehn bis zwölf Stürze im Monat, also rund 150 pro Jahr. „Wir sind dazu verpflichtet, jeden Sturz zu dokumentieren und auszuwerten“, sagte Hoffmann. Im Vergleich zu ähnlich großen Krankenhäusern liege das NZN bei der Anzahl der Patientenstürze „aber bundesweit im unteren Mittelfeld“, so Hoffmann. Die meisten Patienten stürzten in ihrem Zimmer oder im Bad.

Auch deshalb sei es so wichtig, dass die Schüler mit ihrem Aktionstag auf die Gefahren hingewiesen haben.

Von Sebastian Schaffner

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