Verein führt geschlossenes Tierheim immer noch auf – Zweifel an Verwendung der Mittel

Werben mit totem Projekt

Längst Geschichte: Den Tierheimbetrieb hatte Aktion Tier im Sommer vorigen Jahres eingestellt. Auf unserem Archivbild sind die ehemalige Leiterin Verena Meyer und Antonia Schankin von den Göttinger Werkstätten mit den Hunden Max und Susi zu sehen. Foto: Rudolph

Hann. Münden. Seit Ende Juni vergangenen Jahres ist das Tierheim am Hopfenberg geschlossen. Über 15 Monate danach wirbt Aktion Tier sowohl auf der Internetseite als auch in der Mitgliederzeitschrift nach wie vor mit der Einrichtung in Hann. Münden. Sowohl unter „Eigene Projekte“ als auch unter „Unsere Partner“ wird das Tierheim aufgeführt – ohne Hinweis auf die längst vollzogene Schließung.

Wie berichtet, hatte Aktion Tier den Betrieb seinerzeit nach drei Jahren eingestellt. Begründung damals: Die Zahl der Fundtiere sei zu gering und die Kosten für die Unterhaltung des Tierheims zu hoch.

Wer sich heute die Internetseite oder die Zeitschrift des Vereins mit rund 210 000 Mitgliedern anschaut, gewinnt den Eindruck, die Mittel von Aktion Tier würden nach wie vor auch in das Projekt in Münden fließen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt?

Bereits im Januar 2008 hatte die Mündener Allgemeine in einem Bericht darauf hingewiesen, dass der Verein in den vergangenen Jahren einer Reihe von Tierschutzvereinen und Tierheimen seine finanzielle Unterstützung entzogen hatte. Damals hatte die Vereinsspitze dazu gesagt, man könne sich nun einmal nicht überall engagieren. Außerdem seien für Fundtiere rechtlich gesehen die Kommunen zuständig.

Nach Informationen der HNA werden heute nur noch weniger als die Hälfte der 180 von Aktion Tier bundesweit als Kooperationspartner aufgeführten Vereine und Einrichtungen tatsächlich finanziell unterstützt.

In der jüngsten Ausgabe des Nachrichten-Magazins „Der Spiegel“ wird berichtet, dass nur etwa 20 Prozent der Einnahmen von Aktion Tier durch Mitgliedsbeiträge und Spenden – jährlich rund 12 Millionen Euro – an Heime, Gnadenhöfe oder andere Kooperationspartner flössen. Die vom Spiegel erhobenen Vorwürfen wollte Aktion-Tier-Geschäftsführer Ulrich Laudick nicht kommentieren.

Auf den Fall Hann. Münden angesprochen sagt er: „Natürlich gibt es Kooperationen, wo kein Geld fließt.“ Dennoch arbeite man nach wie vor zusammen, ideell eben. Außerdem stehe in der Vereinssatzung, dass Aktion Tier den Vereinszweck des Tierschutzes auch durch Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärungskampagnen umsetze.

Wer die Satzung nachliest, stellt aber fest: An erster Stelle wird die „Unterhaltung und Unterstützung von Tierheimen und anderen dem Tierschutz gewidmeten Einrichtungen“ genannt.

Von Katja Rudolph

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