Jeder Dritte im Bundesfreiwilligendienst hört vor der Zeit auf, zwei in Hann. Münden sagen: 

„Wir lieben unseren Dienst“

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Glücklich mit der Arbeit in der Natur: Malena Fernández und Ingo Redeker, Bundesfreiwillige im Naturpark Münden, im Forstbotanischen Garten.

Hann Münden/Landkreis Göttingen. Seit dem 1. Juli 2011 gibt es ihn bereits: den Bundesfreiwilligendienst. Er dauert meistens ein Jahr. Doch viele, die den Dienst angefangen haben, beenden ihn vorzeitig auch wieder. Andere gehen ganz darin auf. 

In Hann. Münden gibt es laut Webseite des Bundesamtes für Familie und Zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) momentan sechs Einsatzstellen für Bundesfreiwilligendienstleistende, an denen momentan fünf Freiwillige tätig sind. In Scheden und in Staufenberg gibt es jeweils eine Einsatzstelle. Laut einem Bericht der Bundesregierung als Antwort auf eine kleine Anfrage der Partei Die Linke, haben bisher 307 372 Männer und Frauen am Bundesfreiwilligendienst teilgenommen. Von diesen quittierten bundesweit zwischen Juli 2011 und März 2018 genau 98 633 vorzeitig den Dienst. Die Quote liegt demzufolge bundesweit bei 32 Prozent. Die Zahl der vorzeitig beendeten Dienste liegt seit Einführung im Landkreis Göttingen bei 33,8 Prozent. 2017 habe sie im Landkreis Göttingen 27,9 Prozent betragen. Das teilte das Bundesamt mit. Gründe für das vorzeitige Ende würden nicht erhoben, hieß es. Die praktische Erfahrung zeige jedoch, dass Vereinbarungen besonders dann beendet würden, wenn die Freiwilligen schneller als erwartet einen Studien- oder einen Ausbildungsplatz erhalten haben.

Arbeit in der Natur

 Im Forstbotanischen Garten in Hann. Münden stehen eine Frau und ein Mann vor einer Parkbank, beide tragen grüne Arbeitslatzhosen, sprechen über den Arbeitstag, die Grünpflege und lächeln freundlich. „Hallo, kommen Sie doch herein“, sagen Malena Fernández und Ingo Redeker und führen in das Gebäude des Naturparks Münden.

„Wir sind seit Mai 2018 als Bundesfreiwillige beim Naturpark Münden“ erklärt der 47-jährige Ingo Redeker. Ingo Redeker und Malena Fernández haben sich für einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst entschieden. Beide wollen diesen bis zum Ende ableisten. „Wir hatten bisher keine Abbrecher“, bestätigt Gabriele Knauf-Golde vom Naturpark Münden. Warum dennoch ein Drittel der Bundesfreiwilligen früher aufhört? Ingo Redecker hat da seine eigenen Ideen: „Die unter 27-Jährigen nutzen den Dienst zur Überbrückung vor einer Ausbildung“, sagt er. Möglicherweise schätzten einige die Arbeit auch falsch ein. „Wir arbeiten von sieben bis 16 Uhr, für mich fühlt es sich aber nicht an wie Arbeit, denn es macht mir großen Spaß“, berichtet Redecker. Vor dem Beginn seines Dienstes war er im IT-Bereich tätig.

„Ich wollte raus, etwas anderes machen“, erklärt er weiter, und so habe er sich für ein dreimonatiges Praktikum entschieden, an das sich der Bundesfreiwilligendienst nun anschließt. Sein Traum ist es, in der Umweltbildung zu arbeiten, vielleicht als Ranger in einem Nationalpark. Ähnlich geht es seiner Kollegin Malena, die in Nordspanien und Göttingen Forstwissenschaften studiert hat. „In der klassischen Forstwirtschaft geht es um Profit, um das Fällen und Verkaufen der Bäume. Mich interessieren aber die Waldpädagogik und der Naturschutz mehr.“ Für die Verwirklichung ihrer Träume biete ihnen der Dienst im Naturpark viele Chancen: Das Taschengeld reiche für das Pendeln zur Arbeit aber der Dienst gebe ihm viel mehr: „Die Erfahrungen und die Weiterbildungen, die man hier macht, sind viel wertvoller“, betont Ingo Redeker. Mehrere Seminartage, darunter ein Motorsägenlehrgang und ein Imkerkurs gehörten dazu, so Redeker. „Die Umwelt schützen und die Dankbarkeit der Kollegen jeden Morgen erfahren, das macht für mich die Arbeit aus“, sagt Redeker.

„Den Parkbesuchern den richtigen Umgang mit der Natur, Tieren und Pflanzen erklären – das begeistert mich“, ergänzt Malena Fernández. Jeder, der überlege, neu durchzustarten, solle sich überlegen, ob ihn der Bundesfreiwilligendienst weiterbringen könne, meint Ingo Redeker. Interessierte, die sich für einen Bundesfreiwilligendienst beim Naturpark interessieren, finden Informationen unter: www.naturpark-muenden.de

Der Bundesfreiwilligendienst 

wurde nach dem Aussetzen der Wehrpflicht im Juli 2011 eingeführt. Die Freiwilligen jeden Alters leisten praktische Hilfstätigkeiten in gemeinnützigen Einsatzstellen und unterstützen Menschen und Organisationen, die auf Hilfe angewiesen sind. Sie engagieren sich in Betreuung und Pflege, schützen die Umwelt und fördern Kultur und Integration. Der Bundesfreiwilligendienst kann zwischen sechs und 18 Monaten abgeleistet werden. Die Regeldauer beträgt zwölf Monate. Die Freiwilligen werden pädagogisch durch Seminare begleitet. Sie erhalten für ihre Tätigkeit ein Taschengeld in Höhe von höchstens 390 Euro.

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