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Ben Reichel fährt mit seinem Roboter zur Robocup Europameisterschaft

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Ben Reichel an seinem Rechner.
Ben Reichel an seinem Rechner: Der Schüler der Herderschule in Kassel hat den Roboter Pathfinder (links vorne) gebaut und programmiert und nimmt damit an Meisterschaften teil. © Ekkehard Maaß

Ben Reichel aus Lutterberg hat es geschafft. Mit seinem Roboter Pathfinder nimmt er an der Robocup Europameisterschaft in Portugal teil.

Lutterberg/Kassel – Er heißt Pathfinder – Pfadfinder. So wie die Nasa-Sonde, die 1997 auf dem Mars gelandet ist. Ben Reichel aus Staufenberg hat den kleinen fahrbaren Roboter konstruiert und programmiert. Er ähnelt ein wenig dem Marsmobil Sojourner, das Pathfinder vor 25 Jahren auf den roten Planeten gebracht hat.

Robotertechnik, Robotik, heißt das Spezialgebiet, mit dem sich der 17-Jährige seit Jahren beschäftigt und erfolgreich an Wettbewerben wie der Deutschen Robocup-Junior-Meisterschaft teilnimmt, die Ende April in Kassel stattfand, ein Nachwuchsturnier für Schüler im Alter von bis zu 19 Jahren.

Pathfinder könnte aber auch das große Ganze beschreiben, um das es Ben Reichel geht, wenn er in die unendlichen Weiten des digitalen Universums eintaucht. „Programmieren heißt, Probleme lösen, Wege finden“, sagt der 17-Jährige. Und dies macht er demnächst auf einer internationalen Bühne.

Bei der Deutschen Robocup-Junior-Meisterschaft in Kassel hat der 17-Jährige in seiner Disziplin den vierten Platz belegt und sich damit für die Europameisterschaft qualifiziert. Anfang Juni findet sie in Portugal statt. Sein Roboter findet sich allein auf einem Parcours in einem Labyrinth zurecht und kann Hindernissen ausweichen. Mit Wärmesensoren ausgestattet könnte Pathfinder im realen Leben verletzte Menschen in einem Raum finden. „Rescue Maze“ (Rettung im Labyrinth) heißt die Disziplin beim Robocup.

Eigentlich hatte Ben Reichel sich schon damit abgefunden, die Europameisterschaft knapp verpasst zu haben. Zunächst galt, dass nur die ersten drei daran teilnehmen können. Aber dann erhielt er die Nachricht, dass auch die Viertplatzierten fahren dürfen. „Ich habe mich unglaublich gefreut. Ich war gerade mit dem Bus auf dem Weg nach Hause, als ich die Mail erhielt.“ Seit August vergangenen Jahres besucht der Lutterberger die 11. Klasse der Herderschule in Kassel.

Seit seinem achten Lebensjahr bastelt er an Computern und Robotern. Aber angefangen hat eigentlich alles schon viel früher – mit Lego. „Es hat mir geholfen, kreative Lösungen zu finden.“ Noch heute steht neben seinem Rechner, der den ganzen Schreibtisch dominiert, ein Lego-Modell der Internationalen Raumstation ISS. Während die Faszination für das All bis heute geblieben ist, hat er die Lego-Welt bald hinter sich gelassen. Spätestens als sein Vater, gelernter Elektromechaniker und IT-Spezialist bei der Deutschen Post Group DHL, ihm und seinem Bruder ein Projekt vorschlug „mit etwas, das blinkt.“ Daraus entstand eine Verkehrsampel in Miniaturformat, die tatsächlich auch rot, gelb und grün aufleuchten konnte. Ben Reichels Faszination für Sensoren und Sonden, Bits und Bytes und Elektronik war geweckt. In der 5. Klasse hat er 2015 an der Wilhelm-Leuschner-Schule an einer Schüler-AG teilgenommen und für den Hessen Solarcup ein Ultraleichtmobil gebaut, das mit Solarenergie angetrieben wird. Damit sicherte er sich mit seinem Team den Kreativpreis.

Der nächste große Schritt war 2019 ein Robocup-Ferien-Workshop an der Uni Kassel am Fachbereich 16 Elektrotechnik und Informatik. Seine Eltern hatten ihn ohne sein Wissen angemeldet. „Ein cooles Projekt“, sagt Ben Reichel. Ziel war es, einen Fahrroboter zu konstruieren, der in der Lage ist, am Robocup Qualifikationsturnier in Kassel teilnehmen zu können. Ben schaffte es und mehr noch. Er holte dort einen 1. Platz und qualifizierte sich für die Deutsche Meisterschaft. Aber Corona machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Der Wettbewerb fand nicht statt. 2021 sein zweiter Anlauf. Wieder nahm er an einem Ferienworkshop der Uni Kassel teil und sicherte sich als Gewinner in seiner Kategorie beim Qualifikationsturnier im Februar in Kassel erneut die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Mit seinem vierten Platz ist er nun mit Pathfinder in Portugal dabei.

Ben Reichel ist bei seinen Wettbewerben ein Einzelkämpfer. Wo andere im Team arbeiten, konstruiert er allein. Das war kein Plan. „Ich habe einfach keinen Partner gefunden.“ Ein Pfadfinder allein unterwegs. An der Herderschule hat er Mathematik und Physik als Leistungskurse gewählt, als Grundlage für sein späteres Studium. Er will Software-Ingenieur werden und einmal auf dem Gebiet der Raumfahrttechnik arbeiten, bevorzugt bei der Nasa oder bei der Europäischen Weltraumorganisation Esa.

Bei Ben Reichel dreht sich fast alles um Roboter und Raumfahrt. Aber er ist auch ganz irdisch unterwegs mit dem Mountainbike beim Fahrradtrial. Dabei geht es darum, Hindernisse mit dem Fahrrad zu erklimmen. Er trainiert beim TSV Heiligenrode. Auch musikalisch hat er seinen Weg gefunden. Es spielt Schlagzeug in der Schülerband. (Ekkehard Maass)

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