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Trotz Corona: Schulleiter Kilian Schröder liebt seinen Beruf

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Kickern mit Schülern auf dem Schulflur: Auch das gehört für Kilian Schröder zum Schulalltag, wenn auch meist erst in der Nachmittagsbetreuung.
Kilian Schröder im mit Tierfiguren bemalten Flur der Schule.  © Ekkehard Maaß

Kilian Schröder ist seit 2016 Schulleiter an der Grundschule in Landwehrhagen. Corona habe ihn an seine Belastungsgrenze gebracht. Aber die Freude an seinen Beruf habe er nie verloren.

Landwehrhagen – Kilian Schröder geht sehr offen damit um, wie es um die Coronainfektionen an seiner Schule steht. Wer die aktuellen Zahlen der Grundschule in Landwehrhagen wissen will, muss nur einen Blick auf die Webseite werfen. Schröder hat dort alle Zahlen zum Kollegium und den Klassen der Hermann-Gmeiner-Schule veröffentlicht. Ihm sei wichtig, so der Schulleiter, dass „keine großen Spekulationen und Gerüchte aufkommen“.

Dass Eltern großen Wert darauf legen, wisse er auch deshalb, weil er die andere Seite kenne. Seit dem Sommer geht seine sechsjährige Tochter Felicitas in die Grundschule in Hedemünden. Dort ist er in der Rolle eines Vaters, der informiert werden möchte. Andere Schulen gehen andere Wege, teilen die Infos mit Elternbriefen oder per E-Mail mit, er sei eben den Weg über die Webseite gegangen. So erreiche er alle, die sich dafür interessierten.

Die vergangenen Pandemiemonate seien eine schwierige Zeit für die Schüler und das Kollegium gewesen. Und für die Lehrer habe es zudem einen Riesenaufwand bedeutet, den Kindern ein Ersatzprogramm für das Lernen zuhause während des Lockdowns oder in Quarantäne bereitzustellen. Schröder war immer dafür, Präsenzunterricht zu ermöglichen.

„Kinder lernen von Kindern“, sagt der 40-Jährige. Und das gehe nur vor Ort. Gerade in der Grundschule sei soziales Lernen wichtig. „Wir brauchen die Kinder in der Schule.“ Um Abstände einhalten zu können, habe die Schule immer große Räume genutzt, eine Klasse sei dafür sogar ins Dorfgemeinschaftshaus umgezogen. Lernen mit Jacke, Mütze und Schal während des Lüftens sei zwar nicht ideal, aber möglich. Es sei erstaunlich, wie gut die Kinder das mitmachten. „Auch mit den von ihnen ungeliebten Masken kommen sie einigermaßen klar.“

Die Schule arbeitet mit Pausen. Nach zwanzig Minuten Unterricht folgt eine fünfminütige Maskenpause. Aber bei allen Vorsichtsmaßnahmen stelle man sich immer die Frage, ob man alles richtig mache, so der Schulleiter.

Natürlich habe die Schule Anträge für Lüftungsanlagen gestellt, aber es liege nicht nur am Geld, sondern an vielen Dingen, dass sie noch nicht da sind, und auch daran, dass „alle solche Anlagen jetzt wollen“.

Katastrophal sei zudem, dass die Schule noch kein WLAN besitze. Über den Digitalpakt sei zwar Geld dafür da, aber es fehle an vielem, um sie sofort damit ausstatten zu können.

Bei allen Schwierigkeiten habe er in den vergangenen Monaten nie die Freude am Lehrerberuf verloren, auch wenn er an seine Belastungsgrenze gekommen sei. Seit 2016 leitet der Lehrer für Mathematik und Sachkunde die Hermann-Gmeiner-Schule mit ihren aktuell 135 Schülern, und er ist bis heute glücklich, sich damals auf die freie Stelle beworben zu haben. Schröder war zu der Zeit Konrektor an einer Schule in Hameln. Seine Frau und er waren gerade Eltern geworden, und sie wollten zurück in Richtung Schröders nordhessische Heimat, wo auch seine beiden Geschwister mit ihren Kinder leben. Als er sich die Staufenberger Schule ansah, habe er sich gleich wie zuhause gefühlt. Alles habe ihn an seine eigene Grundschule in Morschen bei Melsungen erinnert, an der er sich sehr wohl gefühlt habe.

„Alles richtig gemacht“, sagt er heute. Das gilt aber nicht nur für seine Schule, sondern auch für sein Zuhause. Seit 2018 leben die Schröders mit ihren Kindern, dazu gehören außer Felicitas noch der dreijährige Benjamin sowie die wenige Monate alte Miley, zusammen mit einer befreundeten Familie auf einem umgebauten Bauernhof in Lippoldshausen, einem Dorf mit 620 Einwohnern zwischen Hann. Münden und Hedemünden. Jede Familie hat ihr eigenes Haus, aber es gibt eben auch den gemeinsamen Hof. Hier können die fünf Kinder spielen und auch für ein paar Tiere ist Platz.

Dazu gehören Pepper, der anderthalbjährige Pudel, zwei Kaninchen der Freunde und zwei Hühner, die Schröder gekauft hat, damit der Hofhahn Caruso, benannt nach Pettersson und Findus, nicht so einsam ist.

Caruso hat er 2019 beim „Hahnenschlagen“ auf der Kirmes von Lippoldshausen gewonnen. Das ist ein Spiel für Erwachsene, eine Mischung aus Topfschlagen und „Blinde Kuh“. Und weil wegen Corona seither keine Kirmes mehr in dem Dorf stattgefunden hat, trägt er den Titel Hahnenkönig bis heute.

Schröder mag das kleine Dorf oberhalb der Werra. „Ja“, sagt er nach kurzem Zögern auf die Frage nach dem Leben auf seinem Hof, „es hat etwas von Bullerbü“. (Ekkehard Maass)

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