Kommentar zur AfD: Scheinriese im Anmarsch

Der AfD sollte man vor allem mit Gelassenheit begegnen, meint Redakteur Peter Ketteritzsch.

 Warum die HNA denn Werbung für die Alternative für Deutschland (AfD) mache, wollte unlängst ein erboster Leser wissen. Was war geschehen? Unter dem Titel „AfD ist bei Kreistagswahl dabei“ meldeten wir, dass sich die Partei der Abstimmung am 6. März 2016 stellen wird. 

Es war ein sachlicher, nüchterner Bericht, der den Leser auf die Palme gebracht hatte. Der Beitrag beschäftigte sich mit der Frage, ob es der neuen politischen Kraft gelingen kann, die Mehrheitsverhältnisse auf Kreisebene zu verändern.

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Die harsche Reaktion des Lesers steht stellvertretend für die große Verunsicherung, ja die Angst vieler Menschen vor dem 6. März 2016. Was wird passieren, wenn die gemeinhin als Rechtspopulisten bezeichneten AfDler erst in den Parlamenten sitzen? Wird sich das politische Klima zum Negativen verändern? Es mag banal klingen, aber ich denke: Es wird nicht viel passieren. Nüchtern betrachtet, ist die AfD in Kassel und Umgebung nämlich eine ziemlich müde Truppe.

Obwohl ganz Deutschland von der vermeintlichen politischen Alternative spricht, bekamen die Neulinge nur mit Hängen und Würgen jene 162 Unterschriften zusammen, die sie für die Teilnahme an der Kreistagswahl benötigen. In der Stadt Kassel sah es nicht besser aus. Die Not, Menschen zu finden, die sich mit ihrer Unterschrift zu der Partei bekennen, lässt nicht zuletzt Rückschlüsse auf die Zahl der Mitglieder zu. Bei Lichte betrachtet muss man zu dem Ergebnis kommen: Die AfD verfügt in der Region praktisch über keine Organisationsstruktur.

Untermauert wird dies bei einem genaueren Blick ins Kasseler Umland. Am 6. März 2016 entscheiden die Wähler im Altkreis Kassel über die Zusammensetzung von 13 Stadtverordnetenversammlungen und Gemeindevertretungen. Aber nur in einer einzigen Kommune, nämlich in Fuldabrück, tritt die AfD an.

Der neuen Partei, die seit der Machtübernahme durch Frauke Petry vor allem durch den fragwürdigen Auftritt ihres thüringischen Fraktionschefs Björn Höcke bei Günther Jauch von sich reden gemacht hat, sollte man also mit Gelassenheit begegnen - und mit guten politischen Argumenten.

Selbst wenn die AfD ein paar Prozentpunkte einfahren und in den Kreistag einziehen sollte: Von Dauer wird die Ein-Thema-Partei (von Flüchtlingen und Euro sind nur die Flüchtlinge geblieben) nicht sein. Die AfD ist ein Scheinriese. Je näher sie kommt, umso kleiner wird sie. Um irgendwann wieder zu verschwinden. 

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