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43-Jährigen entmannt und verspeist: Seit 20 Jahren ist Armin Meiwes in Haft

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Armin Meiwes
Armin Meiwes, der „Kannibale von Rotenburg“ © Foto: Frank May/dpa

Seit 20 Jahren sitzt der als „Kannibale von Rotenburg“ bekannt gewordene Armin Meiwes in Kassel im Gefängnis. Anträge auf Entlassung hat er schon mehrere gestellt - alle scheiterten.

Rotenburg/Kassel – Im März 2001 verabredete sich der als „Kannibale von Rotenburg“ bekannt gewordene Armin Meiwes über das Internet mit einem 43-jährigen Ingenieur aus Berlin, um ihn mit dessen Einverständnis zu töten und zu verspeisen. Er schnitt ihm auf dessen ausdrückliches Verlangen hin zunächst den Penis ab. Später erstach er ihn und aß ihn teilweise auf. Die Tat dokumentierte der Computertechniker auf einem mehrstündigen Video.

Vor 20 Jahren, am 10. Dezember 2002, wurde Meiwes festgenommen, nachdem die Polizei bei einer Durchsuchung seines Hauses und Grundstücks in Rotenburg eine Kühltruhe mit eingefrorenem Menschenfleisch und Blutspuren entdeckt hatte. Der damals 41-Jährige gestand die Tat, die bundesweit für Aufsehen sorgte. Seither sitzt er im Gefängnis.

2004 verurteilte ihn das Landgericht Kassel nicht wegen Mordes, sondern Totschlag zu acht Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf. 2006 verurteilte ihn das Landgericht Frankfurt wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Eine Verfassungsbeschwerde von Meiwes dagegen blieb ohne Erfolg. Umstritten war das Mord-Urteil, weil der Getötete mit der Tat einverstanden gewesen sein soll. Seine Strafe verbüßt der heute 61-Jährige in Kassel. Sicherungsverwahrung war nicht gegen ihn verhängt worden. Eine Entlassung wäre frühestens im Dezember 2017 möglich gewesen. Einen Antrag auf vorzeitige Haftentlassung, den Meiwes im November 2017 gestellt hatte, lehnte das Landgericht Kassel jedoch ab.

Meiwes reichte daraufhin eine Beschwerde beim Oberlandesgericht Frankfurt am Main ein. Das OLG verwarf diese aber mit Beschluss vom 27. September 2018, weil das Landgericht zutreffend angenommen habe, „dass dem Verurteilten gegenwärtig keine günstige Prognose gestellt werden könne“. Im August 2020 lehnte die Strafvollstreckungskammer des Kasseler Landgerichts eine bedingte Haftentlassung von Meiwes erneut mangels einer günstigen Legal- und Sozialprognose ab, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt mitteilte.

Der für die Frage der vorzeitigen Entlassung maßgebliche Behandlungserfolg sei nicht eingetreten, hieß es demnach zur Begründung. Seither hat Meiwes der Sprecherin zufolge keinen neuerlichen Antrag auf Strafaussetzung gestellt. Somit bleibt er vorerst auf unbestimmte Zeit in Haft.

Das ehemalige Wohnhaus von Armin Meiwes im Rotenburger Stadtteil Wüstefeld
Das ehemalige Wohnhaus von Armin Meiwes im Rotenburger Stadtteil Wüstefeld. Er hatte 2001 einen anderen Mann entmannt, mit einem Messerstich in den Hals getötet und von seinem Fleisch gegessen. (Archivbild) © Uwe Zucchi/dpa

In den vergangenen 20 Jahren ist der Kannibalismusfall mannigfach künstlerisch und medial aufgegriffen worden. So behandelt die deutsche Band Rammstein in ihrem Song „Mein Teil“ die Tat. Literarisch setzte sich jüngst der Autor Senthuran Varatharajah in seinem Roman „Rot (Hunger)“ mit ihr auseinander. Zahlreiche Dokumentationen beschäftigen sich mit den Geschehnissen.

An den Fall angelehnt ist auch der US-Spielfilm „Rothenburg“. Meiwes hatte versucht, dessen Veröffentlichung zu stoppen, scheiterte jedoch mit seiner Klage. Er hatte argumentiert, der Film verletze seine Persönlichkeitsrechte.

2009 entschied das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe, Meiwes erleide durch den Kinostart keine so schwerwiegenden Nachteile, dass eine einstweilige Anordnung gerechtfertigt wäre. Zuvor hatte der Bundesgerichtshof (BGH) den bereits 2005 gedrehten Film nach einem langjährigen Rechtsstreit freigegeben und damit ein gegenteiliges Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt aufgehoben.

Auch Meiwes selbst hat sich in der Vergangenheit mehrfach medial geäußert. Etwa in einem Interview mit der HNA vom 26. Juli 2013 (siehe unten). Darin bezeichnete Meiwes die Geschehnisse zehn Jahre nach Prozessbeginn als abnorm.

„Heute sehe ich die Sache mit ganz anderen Augen. Damals geschah durch das jahrelange Surfen im Internet und der Suche nach jungen Männern eine völlige Verschiebung der Normalität“, erklärte er. „Ich habe auf jeden Fall falsch gehandelt. Das würde nie mehr passieren.“ (Nicole Schippers, dpa)

Armin Meiwes: „Ich habe auf jeden Fall falsch gehandelt“

Im HNA-Interview hatte sich Armin Meiwes 2013 zur Tat geäußert und gesagt: „Heute sehe ich die Sache mit ganz anderen Augen.“ Das gesamte Interview lesen Sie hier.

Haus des „Kannibalen von Rotenburg“ zog immer Schaulustige an

Im Jahr 2013 war es bereits mehr als zehn Jahre her, seit Armin Meiwes einen Menschen getötet, zerstückelt und teilweise gegessen hatte. Das Haus des „Kannibalen von Rotenburg“ hatte dadurch traurige Berühmtheit erlangt. Noch damals lockte es viele Schaulustige in den kleinen idyllischen Ort Wüstefeld bei Rotenburg.

Theaterskandal wegen des „Kannibalen von Rotenburg“

Solch einen Theaterskandal hatte das Düsseldorfer Schauspielhaus seit Jahren nicht erlebt. Elfriede Jelineks „Rechnitz“ sorgte 2010 für Aufruhr, bei der Premiere kam es zu Tumulten, mehr als die Hälfte der Besucher verließ die Aufführung. Bei der zweiten Vorstellung spuckte ein Gast sogar die Spielleiterin an. Was die Menschen so aufbrachte, war der Epilog. Darin wurde ein Gespräch des „Kannibalen von Rotenburg“ mit seinem späteren Opfer zitiert.

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