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„Die A7 ist ein Krampf“: Überlastete Umleitungsstrecken stellen Pendler vor Herausforderungen

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Von: Kathrin Meyer, Katja Rudolph, Ulrike Pflüger-Scherb

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Für mehrere Tage ist die Autobahn 7 zwischen Kassel und Northeim wegen einer Verunreinigung gesperrt. Für Pendler wird die Umleitung zur Geduldsprobe.

Kassel/Heiligenstadt – Wenn die Umstände normal seien, dann benötige sie 45 Minuten, um mit dem Auto rund 70 Kilometer an die Arbeit zu fahren, sagt Andrea Hartmann. Die 44-jährige Frau wohnt in einem Dorf bei Heiligenstadt (Landkreis Eichsfeld) und arbeitet in einem Vertriebsbüro in der Kasseler Innenstadt.

Aber in der Regel seien die Umstände nicht normal, sagt Hartmann. Grund: Auf der A7 zwischen Göttingen und Kassel gibt es eigentlich immer irgendeine Beeinträchtigung. Entweder eine Baustelle, ein schwerer Unfall oder aktuell die fettartige Substanz auf der Fahrbahn. „Die A7 ist ein Krampf. Definitiv“, sagt Hartmann. Kurz vor Weihnachten, als die Autobahn leer war und die Baustelle bei Lutterberg zurückgebaut worden sei, habe sie zum letzten Mal nur 45 Minuten für eine Fahrt nach Kassel benötigt.

Am Montag dauerte der Weg zum Arbeitsplatz über die Landstraßen zweieinhalb Stunden und am Dienstag eineinhalb Stunden, am Mittwoch konnte sie Homeoffice machen. „Homeoffice ist für mich ein großes Glück.“ Heute muss sie aber wieder nach Kassel. Deshalb hat sie sich vorgenommen, bereits um 5 Uhr aufzustehen und schon um 5.30 Uhr loszufahren, um vor dem Start des Berufsverkehrs über Witzenhausen nach Kassel zu kommen. „In Hann. Münden ist ohnehin alles dicht“, sagt Hartmann, die froh ist, dass sie nur ein Auto und keinen Lkw fahren muss.

Wäre der Zug keine Alternative für die Pendlerin? „Dann müsste ich erst mal von meinem Dorf nach Heiligenstadt kommen. Von dort könnte sie mit dem Zug nach Kassel fahren. Aber die Deutsche Bahn ist ja auch nicht so zuverlässig.“

A7 zwischen Kassel und Northeim: „Eigentlich immer irgendwo Bauarbeiten“

Georg Mösbauer, Gruppenleiter Arbeitssicherheit und Umweltschutz an der Universität Kassel, wird, wenn die Sperrung der A7 zwischen Kassel und Northeim in der kommenden Woche noch andauert, auf die Bahn umsteigen. Für ihn dauert die Fahrt vom Göttinger Stadtrand bis nach Kassel dann fast doppelt so lange. Er pendelt seit 30 Jahren von Göttingen nach Kassel.

„Auf der Strecke sind eigentlich immer irgendwo Bauarbeiten. Aber man kann sich damit in den meisten Fällen immer irgendwie arrangieren“, sagt er. Sorge macht ihm in Stausituationen vor allem, dass durch die überlasteten Umleitungsstrecken auch die Unfallgefahr steigt. Gerade als Pendler, der zwangsweise viel Zeit im Auto verbringen müsse, habe man da kein gutes Gefühl. Hann. Münden sei ein Knotenpunkt, der kaum Alternativen zum Umfahren biete, so Mösbauer.

Stau auf der Bundesstraße 496 zwischen Lutterberg und Hann. Münden aufgrund der Aufräumarbeiten auf der A 7
Stau auf der Bundesstraße 496 zwischen Lutterberg und Hann. Münden aufgrund der Aufräumarbeiten auf der A 7. © Kira Müller

Timo Lindemann arbeitet bei dem Pharma- und Laborzulieferer Sartorius in Göttingen. Drei Jahre lange pendelte er von Kassel, jetzt wohnt der 48-Jährige in Staufenberg-Landwehrhagen. Wegen der A7-Sperrung hat der Unternehmenssprecher diese Woche komplett von zuhause gearbeitet. Seit der Pandemie arbeite er ohnehin viel im Homeoffice, sagt Lindemann. Vor Corona musste er noch täglich ins Büro fahren. „Da hätte mich so eine Vollsperrung wie jetzt ganz anders getroffen.“

Auswirkungen der Umleitung spürt der Staufenberger aber trotzdem. Seine Frau und sein Sohn hatten am Dienstag einen Friseurtermin in der Hann. Mündener Kernstadt, erzählt er. Weil die gesamte Strecke von Hann. Münden bis zur A7-Auffahrt Lutterberg eine einzige Auto- und Lkw-Schlange war, fuhren Mutter und Kind auf dem Rückweg über Kassel nach Landwehrhagen.

A7-Sperrung „nervt“ auch Trainer des KSV Baunatal

Auch Tobias Nebe, in der Region bekannt als Fußballtrainer beim KSV Baunatal, ist von dem Verkehrschaos auf der Umleitungsstrecke über Hann. Münden betroffen. Im Hauptberuf arbeitet er als Lehrer an der Gesamtschule in Bodenfelde. Dafür fährt er nicht Autobahn, sondern Bundesstraße. Um den aktuellen Dauerstau von Hann. Münden bis Lutterberg zu umfahren, fährt er seit Anfang der Woche ebenfalls über Kassel nach Hause, erzählt Nebe.

Sprich: Statt an der Weser entlang bis Hann.Münden zu fahren, macht er bei Reinhardshagen täglich einen Schlenker über Holzhausen, Rothwesten und Kassel, um dann über Sandershausen nach Landwehrhagen zu kommen. „Das dauert zwar eine halbe Stunde länger als normal, aber ist immer noch besser, als ewig im Stau zu stehen“, sagt er. Eine Stunde müsse man für den knapp zehn Kilometer langen Abschnitt durch den Wald von Hann. Münden bis Lutterberg einplanen, schätzt Nebe.

Ausgerechnet gestern, an Nebes 41. Geburtstag, dauerte es auf dem Spezial-Heimweg wegen des hohen Verkehrsaufkommens und eines Unfalls in Kassel dann doch fast anderthalb Stunden von der Schule bis nach Hause. „Das nervt dann schon“, sagt er.  (Kathrin Meyer, Ulrike Pflüger-Scherb und Katja Rudolph)

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