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Bundesweite Protestaktion: Warum heute viele Arztpraxen zu bleiben

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Von: Evelyn Paul

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Seit Beginn der Corona-Pandemie sind nicht nur Krankenhäuser und Pflegeheime, sondern auch Hausarztpraxen deutlich stärker belastet.
Seit Beginn der Corona-Pandemie sind nicht nur Krankenhäuser und Pflegeheime, sondern auch Hausarztpraxen deutlich stärker belastet. © Stephan Jansen/DPA Bildfunk.

Werra-Meißner – Viele Arztpraxen bleiben heute geschlossen – auch im Werra-Meißner-Kreis. Anlass ist eine bundesweite Protestaktion der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte gegen die geringschätzende Haltung des Bundesgesundheitsministers sowie die Politik der Ampelkoalition, wie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) mitteilt.

Am Protesttag beteiligen sich unter anderen auch Arztpraxen in Hessisch Lichtenau und Großalmerode, wie Dr. Klaudia Ress, die Vorsitzende des Ärztebündnis Werra-Meißner, mitteilt. Dafür wurden bestehende Termine telefonisch abgesagt. Die Notfallbetreuung von Patienten übernimmt sowohl für Hessisch Lichtenau als auch für Großalmerode das Gesundheitszentrum Gelstertal. Die KVH rät Patienten, sich vor einem Besuch zu informieren, ob die Praxis am Protest teilnimmt.

Auch die Ärzte der Praxis „Hausärzte am Bahnhof“ in Eschwege stehe voll und ganz hinter den Argumenten für den Protest der Arztpraxen, wie Dr. Bernd Heinemann stellvertretend für seine Kollegen erklärt. Die Praxis hat heute aber geöffnet, denn das Ärzteteam vertritt andere Praxen während der Schulferien.

„Wir gehen auf eine schwarze Zukunft zu,“ sagt Ress. Denn gerade in ländlichen Regionen gebe es immer weniger Ärzte, um die Patienten zu versorgen. Das neue Gesetz trage nicht zur Attraktivität des Berufes bei. „Es ist verständlich, wenn junge Ärzte sagen, dass sie sich das nicht antun wollen“, meint Ress.

„Wir bitten unsere Patientinnen und Patienten, sich mit uns solidarisch zu erklären und damit für den Erhalt der niedergelassenen Praxen einzutreten“, sagt Heinemann. Ein sichtbares und wirksames Zeichen wäre der Beitritt zur hausarztzentrierten Versorgung, in welche man sich in den teilnehmenden Praxen einschreiben könne.

Mit dem neuen Gesetz soll unter anderem die Neupatientenregelung gestrichen werden, die Gesundheitsminister Jens Spahn 2019 erst eingeführt hatte. Dank ihr sei es Praxen möglich, mehr Termine anzubieten und damit mehr Menschen zu behandeln, sagt Ress. Denn Leistungen für neue Patienten seien über ein Extrabudget bezahlt worden und nicht wie sonst aus einem gedeckelten Topf.

Es wird einen weiteren Protesttag geben. Dieser wird am Mittwoch, 30. November, stattfinden, wie Klaudia Ress mitteilt.

Gesetz streicht Neupatientenregelung

Die Finanzreform der gesetzlichen Krankenversicherung ist am Donnerstag im Deutschen Bundestag beschlossen worden. „Trotz eines historisch großen Defizits haben wir Leistungskürzungen verhindert und lassen die Zusatzbeiträge nur begrenzt steigen,“ sagt dazu Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD). Gestrichen wurde unter anderem die Neupatientenregelung, dafür werden Vergütungsanreize für schnellere Behandlungstermine eingeführt. elu

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Von Evelyn Ludolph

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