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Darts ist ein beliebter Sport: Zu Besuch in einem Kasseler Bierlokal

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Von: Florian Hagemann

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Ein Team: Ronny Lenaerts (von links), Mario Prinz, Sascha Bierschenk und Kevin Schaub nennen sich „DC Rot Bulls“ und sind allesamt begeisterte Darts-Spieler.
Ein Team: Ronny Lenaerts (von links), Mario Prinz, Sascha Bierschenk und Kevin Schaub nennen sich „DC Rot Bulls“ und sind allesamt begeisterte Darts-Spieler. © Florian Hagemann

Wer das Bierlokal Matrixx in Kassel-Rothenditmold betritt, erkennt sofort, dass es hier um mehr geht, als nur ums Biertrinken: Es geht um Darts.

Kassel – Pfeile fliegen durch die Luft, Automaten blinken, die Menschen hier tragen Shirts, auf denen Namen stehen wie „Sizzy“, „Moondancer“ oder „The Magician“. Willkommen in der Welt des Darts, die längst nichts mehr mit einer Nische zu vergleichen ist, sondern immer populärer wird.

Es ist der Abend, an dem die Weltmeisterschaft im legendären Ally Pally in London entschieden wird: Der Niederländer Michael van Gerwen wird sich in zwei Stunden mit dem Engländer Michael Smith einen harten Kampf um den Titel liefern. Auf der Leinwand an der Stirnseite des Raumes läuft die Übertragung schon, aber noch spielen die Gäste im Matrixx eher selbst, als dass sie zuschauen.

In der Summe sind sie der Beweis, dass Darts immer beliebter wird. Jeder Einzelne kann das aber auch durch seine Erfahrungen bestätigen, die er in seinem eigenen Umfeld gerade macht. Sascha Bierschenk zum Beispiel. Der Mediaberater bei der HNA wurde an der Arbeit zuletzt auch immer wieder von Kollegen angesprochen. Da hieß es dann: „Mensch, Du spielst auch Darts?“

Der 45-Jährige hat sogar ein eigenes Team gegründet, das „DC Rot Bulls“ heißt und in der B-Liga spielt – in der zweittiefsten Klasse, die der Sport zu bieten hat. Aber darauf kommt es nicht in erster Linie an. Darts ist für Bierschenk und seine Teamkollegen vor allem Gemeinschaft mit einer Extra-Portion Spaß. Der kommt auch in den Spitznamen zum Ausdruck, die sich bei diesem Sport alle geben.

Bierschenk nennt sich „Sizzy“, was eine eigene Geschichte ist. Als er anfing, Pfeile zu werfen, bestellte er sich immer eine Spezi, während die anderen Bier verlangten. Die Wirtin fand das niedlich und nannte ihn daraufhin Sissy. Und da Bierschenk das ein bisschen zu süß für einen Darter fand, machte er daraus „Sizzy“.

Jetzt spielt „Sizzy“ auch mit „Daddy“ in einem Team: Ronny Lenaerts ist mit 59 nämlich eine Art Papa in seinem Team. Lenaerts kommt mit Belgien aus einem Land, in dem die Begeisterung für Darts schon länger besteht als in Deutschland. Aber Lenaerts merkt, dass sich die Verhältnisse angleichen.

Grafik: Dartsscheibe mit der Erklärung der Punkteverteilung
Wo gibt es welche Punkt beim Darts? © HNA

Darts ist dabei aber eben nicht nur Spaß: „Es ist die Kombination aus Spaß und Konzentration“, sagt Kevin Schaub. Der 33-Jährige arbeitet in der Rathaus-Werkstatt und hat nun auch festgestellt, dass gerade in diesen Tagen viele über seinen Sport sprechen. Am Dienstag stand mit Gabriel Clemens erstmals ein Deutscher im Halbfinale der Weltmeisterschaft. Es ist davon die Rede, dass er einen Boom auslöst. Schaub unterstützt die These, indem er sagt: „Sogar mein Vorgesetzter hat nun über Darts gesprochen.“ Das hatte er so nicht erwartet.

Dass die Nachfrage steigt, das berichten auch David und Nancy Braun. David Braun startete vor zehn Jahren mit dem Matrixx, als Darts zwar schon im Kommen, aber das Interesse daran längst nicht so hoch wie heute war. Damals trainierte und spielte ein Team im Matrixx, mittlerweile sind es 15 im Bereich Elektrodarts und drei im Stildarts. Die Bude ist fast immer voll, manche probieren auch die Online-Variante aus. Da spielt der Teilnehmer in Kassel dann gegen Kontrahenten von irgendwo auf der Welt.

Dass David Braun auf die Kneipe gesetzt hat, ist wie ein Sechser im Lotto oder wie sich in dieser Umgebung auch sagen ließe: wie ein Neun-Darter – eine Ansammlung an Volltreffern. Brauns Frau Nancy ist kürzlich Deutsche Meisterin geworden. Zwischen zwei Würfen sagt sie, dass zuletzt immer mehr Menschen im Matrixx angerufen und gefragt hätten, ob sie zum Darts vorbeikommen könnten. Und dann erklärt sie noch kurz den Reiz dieser Sportart: „Es ist ein Teamsport, aber jeder kämpft auch für sich allein.“

Und jeder hat irgendwann mal sein Erfolgserlebnis – so wie Mario Prinz, der auch Bierschenks Team „DC Rot Bulls“ angehört. Bei einem Turnier in Karlsruhe gewann er einst einen Preis, weil er das höchste Finish, eine eigene Kunst, zu verzeichnen hatte. Er schied zwar trotzdem vorzeitig aus, aber dieses Glücksgefühl bleibt.

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