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„Einfach mal Danke sagen“: Polizei half Fuldabrückerin mehrfach bei Suche nach ihrem dementen Mann

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Von: Theresa Novak

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Edith Momberg aus Bergshausen mit einem alten Hochzeitsbild von sich und ihrem Mann
61 Jahre waren Willi und Edith Momberg verheiratet. Zuletzt hatten sie eine schwere Zeit. Auf dem Foto hält Momberg ein Hochzeitsbild in der Hand. © Theresa Novak

Der 1. Weihnachtstag war für Edith Momberg kein Grund zum Feiern. Denn an diesem Tag verschwand ihr an Demenz erkrankter Mann aus dem gemeinsamen Haus in Bergshausen. Ein großer Polizeieinsatz mit Spürhunden und Hubschrauber sollte dafür sorgen, dass „Willi“ gefunden und sicher nach Hause gebracht wird.

Fuldabrück – „Unermüdlich haben die Beamten bis in die Nacht hinein nach meinem Mann gesucht“, erinnert sich Edith Momberg. „Als sie ihn nicht fanden, mussten sie die Suche zwar abbrechen, aber am nächsten Tag ging es gleich ganz früh weiter.“ Dafür will die 81-Jährige „einfach mal Danke sagen“.

Sie sei erschüttert, wie mit der Polizei umgegangen werde. Die Silvesterkrawalle in Berlin, bei denen zahlreiche Beamte angegriffen wurden, nennt sie als Beispiel. „Ich finde das alles ganz schlimm“, sagt Momberg. „Die Einsatzkräfte geben sich so viel Mühe und helfen, wo sie können. Sie haben Respekt und Dankbarkeit verdient.“

Große Mühe gegeben hätten sich die Polizisten auch bei der Suche nach ihrem Mann. „Er ist Weihnachten schon das dritte Mal vermisst gewesen. Und immer haben sie ihn mir wieder gebracht, sich während der Suche auch um mich gekümmert und darauf geachtet, dass ich zurechtkomme.“ Das sei bei seinem jüngsten Verschwinden am 1. Weihnachtstag ebenfalls so gewesen.

Trotz des „riesigen Aufgebots“ und stundenlanger Suche konnten die Beamten Mombergs Mann nicht finden. Ein Spaziergänger entdeckte ihn schließlich, während der Sucheinsatz noch lief, unterkühlt und in hilfloser Lage am frühen Morgen des 2. Weihnachtstages. „Ich weiß nicht, wer das war, aber auch dieser Person möchte ich meinen Dank aussprechen“, sagt die 81-Jährige. Ebenfalls hervorheben will sie dein Einsatz der Feuerwehr. „Die Männer und Frauen haben ebenfalls alles getan, was sie konnten.“

Wegen seines kritischen Zustands war ihr Mann dann auf die Intensivstation im Klinikum gekommen. „Die Ärzte haben mir da schon gesagt, dass es nicht gut um ihn steht.“ Das Krankenhaus habe er nicht mehr verlassen können. „Er hat sich nicht mehr erholt und litt auch noch an anderen Erkrankungen. Am Morgen des 4. Januar ist er leider gestorben.“ Er wurde 82 Jahre alt.

61 Jahre waren Edith und Willi Momberg verheiratet. „So eine lange Zeit“, sagt die Rentnerin. Doch die letzten Jahre seien wegen der fortschreitenden Demenz ihres Mannes und ihrer eigenen körperlichen Beeinträchtigungen nicht einfach gewesen. „Willi hätte wahrscheinlich in ein Heim gemusst, aber das habe ich einfach nicht übers Herz gebracht.“

Oft sei sie an ihre Grenzen gekommen, weil ihr Ehemann immer wieder raus wollte, auch spätabends im Dunkeln, und sie ihn daran hindern musste. „Ich kann mich wegen meines Rückens nicht mehr gut bewegen, das machte die Situation noch schwieriger.“ Ihre einzige Unterstützung sei ihre Tochter gewesen. „Sie war immer sofort da, wenn wir Hilfe brauchten.“

Auch mit der Wesensveränderung ihres Mannes habe sie Schwierigkeiten gehabt. „Aber wenn er mich dann in einem klaren Moment mit seinen ungewöhnlich schönen blauen Augen ansah, war für diesen Zeitpunkt alles wieder gut.“ (Theresa Novak)

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