1. Startseite
  2. Lokales
  3. hnanews

Nach „Querdenker“-Demo in Kassel: Ermittlungen gegen AfD-Sympathisanten nach Attacke

Erstellt:

Von: Matthias Lohr

Kommentare

Fast zwei Jahre nach der großen „Querdenker“-Demo in Kassel wird gegen zwei AfD-Sympathisanten ermittelt. Es geht um einen Angriff auf einen Ortsvorsteher.

Kassel – Der Kommunalpolitiker Ali Timtik kann sich noch gut an den Tag erinnern, als Kassel zur Hauptstadt der „Querdenker“ wurde. Am 20. März 2021 protestierten etwa 20 000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. Nicht nur in der Innenstadt herrschte Ausnahmezustand. Demonstranten stürmten ohne Maske in Geschäfte, immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen. Bei einer wurde Gegendemonstrant Timtik am Obelisken in der Treppenstraße mit Pfefferspray angegriffen.

Der 57-Jährige, der Ortsvorsteher der Nordstadt und mittlerweile auch für die Linken parteiloser Stadtverordneter ist, erstattete Anzeige. Nun ermittelt die Kasseler Staatsanwaltschaft gegen zwei Tatverdächtige wegen gefährlicher Körperverletzung, wie zunächst der Hessische Rundfunk (HR) berichtete. Es gebe ein Verfahren gegen einen 17-Jährigen aus Kassel und einen 18-Jährigen aus der Region Hannover, wie die Staatsanwaltschaft bestätigt.

Timtik erkannte die beiden bereits im April 2021 auf einem Foto wieder, das eine Kasseler Antifa-Gruppe im Internet veröffentlicht hatte. Während der Demonstration hätten die beiden Männer etwas am Obelisken angebracht, dem Kunstwerk, das für eine offene Gesellschaft und eine humane Flüchtlingspolitik steht. „Irgendwelche rassistische Nazischeiße halt“, berichtete Timtik damals unserer Zeitung.

Corona-Demo in Kassel: Angriffer mit Verbindungen zur AfD?

Gegendemonstranten hätten die Aufkleber wieder entfernen wollen. Er sei hinzugeeilt, habe gesagt: „Was wollt ihr hier? Geht weg.“ Und „Verpisst euch.“ Die Männer hätten entgegnet: „Verpiss du dich, hier ist Deutschland.“ Nach einem Geschubse habe einer der Männer ihn plötzlich mit Pfefferspray besprüht. Noch zwei Tage später waren seine Augen gerötet und leicht geschwollen.

Gezeichnet vom Angriff: Gegendemonstrant Ali Timtik wurde am Obelisken in der Treppenstraße mit Pfefferspray angegangen. Archi
Gezeichnet vom Angriff: Gegendemonstrant Ali Timtik wurde am Obelisken in der Treppenstraße mit Pfefferspray angegangen. Archi © Hakan Yilmaz

Lange nach der umstrittenen Fahndungsaktion der Antifa tauchte auch ein Bild auf, das einen der beiden Männer beim Bundestagswahlkampf für die Kasseler AfD-Direktkandidatin Sibylle Johst zeigt. Die ehemalige Lehrerin sagte damals der HNA, sie kenne den Mann nicht. Ein AfD-Landessprecher sagte, der Wahlhelfer sei kein Parteimitglied. Auch von dem zweiten Mann gibt es Fotos, die ihn bei AfD-Terminen zeigen.

Angriff bei Corona-Demo in Kassel: „Auch Stephan Ernst war AfD-Sympathisant

Für Timtik sind die beiden „AfD-Sympathisanten“. Er zieht einen Vergleich zum Mörder des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der öfter Parteiveranstaltungen besucht hatte, aber kein Mitglied war: „Auch Stephan Ernst war AfD-Sympathisant.“

Die Mutter des 17-Jährigen bestätigte dem HR, dass ihr Sohn am Tatort gewesen sei. Bei dem Angriff habe er nur daneben gestanden. Zudem fühle sich die Familie von der Antifa bedroht. Scheiben seien eingeschlagen und Autoreifen zerstochen worden.

Insgesamt wurden laut Polizei im Zuge der Ereignisse vom 20. März 2021 etwa 50 Verfahren eingeleitet. Am Tag selbst kam es zu 15 vorläufigen Festnahmen. Die Beschuldigten kamen wie wohl die allermeisten der Demonstranten aus der gesamten Republik – von Berlin bis Würzburg. Opfer Timtik hofft, dass es in seinem Fall zu einer Anklage und einer Verurteilung kommt. (Matthias Lohr)

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion