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Kassel endet nicht an den Schildern: Ortstafeln haben nichts mit Stadtgrenzen zu tun

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Von: Bastian Ludwig

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Sorgt für Verwirrung: An der Mulangstraße verlässt der Autofahrer in Höhe der Habichtwald-Klinik scheinbar die Stadt Kassel. Aber dem ist nicht so.
Sorgt für Verwirrung: An der Mulangstraße verlässt der Autofahrer in Höhe der Habichtwald-Klinik scheinbar die Stadt Kassel. Aber dem ist nicht so. © Bastian Ludwig

Autofahrer nehmen sie meist eher beiläufig war: Die Ortsschilder, die behördlich korrekt als „Ortstafeln“ bezeichnet werden. Im Kasseler Stadtgebiet hat die Straßenverkehrsbehörde 58 dieser Tafeln aufgestellt. Manche von ihnen sorgen aber für Irritationen.

Kassel - So steht beispielsweise an der Mulangstraße in Höhe der Habichtswald-Klinik eine Ortstafel – obwohl die Stadt an dieser Stelle weder endet noch beginnt. Wer in Richtung Wilhelmshöher Allee unterwegs ist, verlässt dort dennoch offenbar die Stadt. Aber kann das stimmen?

Schließlich kann man hinter besagtem Ortsschild die Wilhelmshöher Allee auch stadteinwärts fahren – und selbst wer links fährt, kommt an Schloss, Schlosshotel und Marstall vorbei, die ebenfalls zu Kassel gehören. Nun scheint die Verwirrung komplett.

Dabei ist die Mulangstraße längst nicht das einzige Beispiel dieser Art ist. Auch an der Straße „Am Auestadion“ stehen in stadtauswärtige Richtung bereits kurz hinter dem Parkplatz der Eissporthalle die Ortstafeln zu beiden Seiten. Dabei hat der Autofahrer, der in Richtung Dez-Einkaufszentrum und A49-Autobahnauffahrt unterwegs ist, an dieser Stelle noch längst nicht die Kasseler Stadtgrenze erreicht.

Die Straßenverkehrsbehörde klärt die Angelegenheit auf HNA-Anfrage auf. Die Ortstafeln würden lediglich angeben, wo eine „geschlossene Ortschaft“ beginnt beziehungsweise endet. Weiter teilt das Amt im Behördendeutsch mit: „Gemäß Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung sind diese Zeichen ohne Rücksicht auf Gemeindegrenze und Straßenbaulast in der Regel dort anzuordnen, wo ungeachtet einzelner unbebauter Grundstücke die geschlossene Bebauung auf einer der beiden Seiten der Straße für den ortseinwärts Fahrenden erkennbar beginnt.“

Auch hier ist Kassel nicht vorbei, obwohl es so scheint: An der Straße Am Auestadion stehen die Ortstafeln bereits in Höhe des Parkplatzes an der Eissporthalle.
Auch hier ist Kassel nicht vorbei, obwohl es so scheint: An der Straße Am Auestadion stehen die Ortstafeln bereits in Höhe des Parkplatzes an der Eissporthalle. © Bastian Ludwig

Übersetzt heißt das also, dass die Ortstafeln nicht unbedingt die tatsächlichen Grenzen einer Stadt oder Gemeinde markieren. Vielmehr sind sie vor allem dafür da, dem ortseinwärts fahrenden Autofahrer zu signalisieren, wo eine geschlossene Bebauung beginnt. Dies ist immer dort der Fall, wo auf einer der beiden Straßenseiten die Bebauung der Kommune anfängt. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um eine Bundes-, Landes-, Kreis- oder Gemeindestraße handelt – deshalb der Hinweis auf die Straßenbaulast. Wir halten fest: Die Ortstafeln begrenzen lediglich den Bereich der geschlossenen Ortschaft.

Dies ist wichtig zu wissen, denn innerhalb dieses Bereiches gelten besondere Verkehrsregeln: Dazu zählen Tempo 50 und die freie Fahrstreifenwahl für Kraftfahrzeuge bis zu 3,5 Tonnen Gewicht auf Fahrbahnen mit mehr als einem markierten Fahrstreifen. Im Gegensatz zu außerhalb darf innerhalb einer geschlossenen Ortschaft zudem auf Vorfahrtsstraßen geparkt werden.

Auch für Autoposer haben die Ortstafeln eine besondere Relevanz. Denn laut Straßenverkehrsordnung gilt: „Unnützes Hin- und Herfahren innerhalb geschlossener Ortschaften ist verboten, wenn Andere dadurch belästigt werden.“ (Bastian Ludwig)

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