Robert Atangana entdeckt steinzeitliches Stück

Trickfilmer aus Kassel macht Sensationsfund in Botswana: 250.000 Jahre altes Werkzeug

Lebt mit seiner Familie seit 2017 in Botswana: Robert Atangana hat in Kassel Trickfilm studiert und im Studium auch seine Frau kennengelernt.
+
Lebt mit seiner Familie seit 2017 in Botswana: Robert Atangana hat in Kassel Trickfilm studiert und im Studium auch seine Frau kennengelernt.

Manchmal muss man etwas verlieren, um etwas Neues zu finden. Im Fall des Kasseler Trickfilmers Robert Atangana war es sogar der Fund seines Lebens.

Kassel/ Gaborone – Als Atangana dieser Tage für seine verstorbene Bulldogge in der botswanischen Hauptstadt Gaborone ein Grab aushob, stieß er auf ein 250.000 Jahre altes Werkzeug. Dies machte den Deutschen, der für seine Arbeit 2017 mit einer Kasselerin und den gemeinsamen Kindern nach Afrika zog, zu einer kleinen Berühmtheit vor Ort. 2022 will die Familie nach Kassel zurückkehren.

Als der 46-jährige Familienvater mit seinem Spaten auf den ungewöhnlichen Stein stieß, glaubte er zunächst an ein Stück eines Meteoriten. „Der hat golden geglänzt“, erzählt Atangana. Er zeigte den spitzen Stein unter Freunden herum, erkundigte sich beim Max-Planck-Institut und kam schließlich erst bei einem Gespräch mit einem berühmten Archäologen der Herkunft auf die Spur. Sein Fund sollte sich als Faustkeil einer archäologischen Kultur der Altsteinzeit entpuppen – Acheuléen genannt. „Das war mehr als ein Sechser im Lotto“, findet der 46-Jährige.

Behalten durfte Atangana seinen steinzeitlichen Fund nicht. Er kam in die Obhut des National Museum in Gaborone. Der Botswana Guardian berichtete auf seiner Titelseite über die Sensation und den Finder. „Eigentlich hätte ich den Stein überhaupt nicht anfassen dürfen. Es gibt hier ein Gesetz, das dies etwa bei Relikten aus der Steinzeit verbietet. Aber das wusste ich ja nicht“, erzählt Atangana.

Fasziniert: Sohn Fynn mit dem Steinwerkzeug.

Einen Finderlohn habe es leider nicht gegeben. „Das hätte ich mir gewünscht. Aber passiert ist nichts“, erzählt der Mann, der ursprünglich aus Kamerun stammt und 2001 nach Kassel gezogen war. Dort hatte er ab 2004 an der Kunsthochschule Visuelle Kommunikation studiert. Fünf Jahre später machte er seinen Abschluss.

Im Studium lernte er auch seine Frau Eva kennen, mit der er in Kassel drei Söhne und eine Tochter bekam. Die Familie lebte bis 2013 in Kirchditmold, wo sich der Trickfilmer auch im Ortsbeirat für die CDU engagierte. Nach zwei Jahren in Fuldatal-Ihringshausen ging es 2015 zunächst beruflich nach Namibia und dann 2017 nach Botswana. „Hier war ich der erste Trickfilmer“, erzählt der 47-Jährige, der in dem südafrikanischen Land sein eigenes Filmstudio betreibt und auch als Deutschlehrer arbeitet. Gemeinsam mit der Deutschen Botschaft habe er ein Filmfestival ins Leben gerufen. Auch hat er 2018 ein deutsches Kulturhaus in Gaborone gegründet, wo Einheimische unter anderem die deutsche Sprache lernen können. Dies ist insbesondere für Mitarbeiter in der Tourismusbranche interessant.

Für immer will Atangana aber nicht bleiben. Noch bis 2022 laufe sein Visum. Dann wolle er mit seiner Familie nach Kassel zurückkommen. „Meine Kinder haben dort noch viele Freunde.“

Bericht über Fund: Artikel im Botswana Guardian.

Ein so großes Finderglück wie in Afrika werde er wohl in seinem Leben nicht noch einmal haben, ist er sich sicher. Und auch wenn es keinen Finderlohn gab, die Berührung dieses geschichtsträchtigen Steins hat Atangana viel gegeben.

Um festzustellen, ob die Fundstelle tatsächlich eine größere Bedeutung hat – und noch mehr Relikte dort unter der Erde schlummern – sollen nun weitere Untersuchungen erfolgen. Atangana will jedenfalls gern mehr über das Leben der Menschen vor 250 000 Jahren erfahren. (Bastian Ludwig)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.