Ab sofort digital begehbar

Unterwelt virtuell: Kostenloser 360-Grad-Rundgang durch den Viktoriabunker in Kassel

Der Viktoriabunker in Kassel wurde digitalisiert. Über den Online-Link kann man sich nun virtuell durch den Bunker bewegen und findet Informationen sowie Zeitzeugeninterviews.
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Virtueller Rundgang mit zahlreichen Informationen: Wer sich durch den digitalisierten Viktoriabunker bewegt, findet dort zahlreiche Punkte, hinter denen sich Informationen und Zeitzeugeninterviews zur historischen Anlage verbergen.

Wer in die Kasseler Unterwelt eintauchen will, der kann das nun ganz bequem vom Computer aus machen.

Kassel – Der Verein Vikonauten, der sich mit der Erforschung von Kasseler Bunkern, Kellern und Stollenanlagen beschäftigt, hat in der Corona-Pause einen virtuellen Zwilling des Viktoriabunkers erstellen lassen. Mithilfe moderner Technik sind hochauflösende 360-Grad-Aufnahmen entstanden. So können Interessierte ab sofort am heimischen Rechner durch die Bunkeranlage laufen und dort einiges über das Bauwerk und seine Geschichte erfahren.

Normalerweise bieten Tom Gudella und Bernd Tappenbeck von den Vikonauten Führungen für Kleingruppen und Schulklassen durch mehrere Kasseler Luftschutzanlagen an. Doch in der Pandemie war dies nicht möglich. „Wir wollten die Zeit nutzen und durch digitale Projekte sichtbar bleiben“, erzählt Gudella. Da kam der Kontakt zum Immobilien- und Architekturfotograf Florian Gürbig gerade recht. Gürbig treibt sich in seiner Freizeit an verlassenen Orten herum und erstellt von diesen 360-Grad-Aufnahmen, aus denen am Ende ein virtuell begehbares 3D-Modell der jeweiligen Anlage wird. Ehrenamtlich verbrachte Gürbig einige Stunden mit seiner Technik in der Bunkeranlage an der Bürgermeister-Brunner-Straße.

Entstanden ist nach viel Arbeit am Computer aber nicht nur ein virtueller Rundgang durch den Bunker. Wer sich durch den digitalen Zwilling bewegt, stößt dort auf viele Infopunkte, hinter denen sich Wissenswertes und Zeitzeugeninterviews verbergen, die die Geschichte des Bunkers erhellen. So erfährt man etwa, was Menschen in der Kasseler Bombennacht im Oktober 1943 dort erlebten, warum die Wände des Bunkers weiß gestrichen wurden und was es mit der Gasschleuse auf sich hatte. Der Viktoriabunker ist übrigens ursprünglich ein Felsenkeller zur Bierlagerung gewesen und wurde erst im Zweiten Weltkrieg umgenutzt. Er liegt zehn Meter unter der Erde.

Sieht aus wie ein Raumschiff: Dieses 3D-Modell vom Viktoriabunker wurde mithilfe der 360-Grad-Aufnahmen erstellt.

Durch die hochauflösenden Bilder würden viele Details, wie etwa Spuren an den Wänden, sichtbar, die einem beim normalen Besuch nicht gleich ins Auge fallen, so Gudella.

Aber riskieren die Vikonauten mit dem kostenlosen Angebot nicht, dass weniger Menschen ihre Führungen buchen? Darüber habe man lange nachgedacht, sich aber dennoch dafür entschieden. Schließlich sei es so erstmals Menschen mit Mobilitätseinschränkungen und klaustrophobischen Ängsten möglich, die Anlage zu erkunden. Wer eine VR-Brille mit Controller besitzt, kann den Rundgang sogar noch authentischer erleben.

Weitere virtuelle Rundgänge sind in Planung. So wurde der benachbarte Felsenkeller an der Kölnischen Straße – gegenüber dem Kulturbunker – bereits in der gleichen Weise fotografiert und vermessen. Einen öffentlichen virtuellen Rundgang gibt es davon aber noch nicht.

Weil das hautnahe Bunkererlebnis samt modrigen Gerüchen und Feuchtigkeit nicht zu ersetzen ist, sind ab sofort wieder Buchungen für Bunkerführungen in Kleingruppen mit maximal acht Personen möglich. Ein Corona-Test ist aber nötig. (Bastian Ludwig)

Anmeldung zu Führungen: Buchungen@vikonauten.de

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