Es muss nicht immer Island sein

Tipps für tolle Fotos: So gelingt Landschaftsfotografie für Einsteiger

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Großes Sternenzelt über kleiner Kapelle: Die Quernst-Kirche im Nationalpark Kellerwald-Edersee bei Frankenau ist tagsüber ein beliebtes Wanderziel. Nachts ist es dort dunkel genug, um die Milchstraße gut beobachten zu können. Brennweite 10 mm, Blende 4, Belichtungszeit 30 Sek., ISO 6400. Die Kapelle wurde mit einer Lampe beleuchtet.

Es ist weit nach Mitternacht, Stille umgibt dich. Die Baumwipfel im Nationalpark Kellerwald-Edersee zeichnen sich als Schattenspiel vor deinen Augen ab – und über dir leuchtet die Milchstraße mit Milliarden von Sternen. Ein Moment, den man für kein Geld der Welt kaufen kann.

Aber einer, der immer mehr Menschen nachts mit Stirnlampen und Kamera aus dem Haus treibt. Landschaftsfotografie boomt.

Für die Jagd nach den Sternen, satten Farben und dem perfekten Licht reisen Foto-Enthusiasten sogar tausende von Kilometern. Dabei kann auch unsere Region wie Island oder die Lofoten aussehen. Nun ja, beinahe. Hier einige Tipps für Einsteiger:

Landschaftsfotografie: Der richtige Ort

Direkt vor der Haustür liegt ein Schlaraffenland für Fotografen. Eine kleine Auswahl: Kasseler Bergpark, Reinhardswald, Hoher Dörnberg, die Flusslandschaften im Naturpark Münden, der Singliser See als Tipp für Sonnenuntergänge. Und natürlich der Edersee mit dem Nationalpark, am besten abseits der Staumauer.

Sonnenaufgang am Edersee: Für Momente wie diesen, aufgenommen an der Hammerbergspitze, muss man als Fotograf früh aufstehen – und dann auf das richtige Licht und etwas dramatischen Nebel hoffen. Die Bilddaten: Brennweite 10 mm, Blende 8, Belichtungszeit 1/800 Sekunde, ISO 100.

Das Timing

Der frühe Vogel fängt ... nein, nicht den Wurm, sondern oft das schönste Licht mit der Kamera ein. Der Wecker klingelt im Sommer schon mal um 4.15 Uhr, wenn man rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf einem Berg sein will. Alternative für Langschläfer: der Sonnenuntergang mit ebenbürtigem Farbenspiel. Die Mittagszeit mit grellem Licht kann da nur bei wenigen Motiven mithalten. Einige Wolken machen ein Bild oft interessanter.

Raus aus der Mitte - Sieben Tipps für Landschaftsfotos

Die kleinen Helfer bei der Landschaftsfotografie

Wo die Sonne wann untergeht, in welcher Nacht man am besten die Milchstraße ablichten kann: Für all’ das gibt es die passende App. Anwendungen wie Starwalk2 und SunLocator gibt es auch als Gratisversionen – etwas abgespeckt, aber mit vielen guten Funktionen. Das gilt auch für Programme zur Bildbearbeitung. Viele Fotografen verwenden Photoshop oder Lightroom CC von Adobe gegen monatliche Gebühr. Kostenlose Alternativen: Snapseed, Gimp und Photoshop Express.

Ländliches Farbenspiel: Raps, blauer Himmel und Wolken bei Edertal-Wellen. Die Bilddaten: Brennweite 10 mm, Blende 8, Belichtungszeit 1/400 Sek, ISO 100. Zudem wurde ein CPL-Filter auf das Objektiv geschraubt, der in diesem Fall die Farben intensiver und wärmer macht.

Die Ausrüstung

Smartphone-Kameras werden immer besser. Aber eine Digitalkamera – Spiegelreflex oder spiegellos – mit Wechselobjektiven bietet mehr Möglichkeiten. Ein Basismodell kostet 500 Euro. Zur Grundausstattung für Landschaftsfotografen gehören Weitwinkelobjektiv, Stativ, Fernauslöser und diverse Filter.

Das Wissen

Bildaufbau, Belichtungszeiten, Blende: Dafür gibt es Workshops, Bücher, Online-Foren. Eine sehr gute Quelle ist Youtube. Einer der hierzulande bekanntesten Akteure dort ist Benjamin Jaworskyj. Manche meinen, er sei zu hipstermäßig. Man kann aber auch sagen, dass er vieles gut erklärt, ohne sich in Fachvokabular zu verstricken.

Die Fotos

Auf Internetplattformen wie Facebook, 500px oder Instagram findet man tausende Bilder aus der Region von vielen tollen Fotografen. Einfach mal auf Instagram Hashtags wie #casselfornia oder #edersee eingeben – oder nach dem eigenen Wohnort suchen.

Das Erlebnis

Entschleunigung, frische Luft, die Schönheit der Natur: Dies macht die Landschaftsfotografie attraktiv. Und so kommt es vor, dass einem selbst mitten in der Nacht im Wald Gleichgesinnte mit der Kamera entgegenstolpern.

Sanftes Abendlicht: Wenn die Sonne golden wird, bringt sie Landschaften wie dieses Phacelia-Feld im Edertal zum Leuchten. Brennweite 24 mm, Blende 20, 1/160 Sek., ISO 100.

Unser Autor: Matthias Müller 

Matthias Müller (42) wohnt in Bad Wildungen. Der HNA-Redakteur, Mitglied des Teams Zentrales Producing in Kassel, fotografiert schon seit der Jugend. Auf www.instagram.com/muellerswanderlust veröffentlicht er seine Bilder und hat dort mittlerweile rund 12.000 Abonnenten.

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