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Dieser Kasseler war mal ein Schlagerstar

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Von: Christina Hein

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Michael Hoffmann und seine Frau Petra
Michael Hoffmann und seine Frau Petra © Christina Hein

Michael Hoffmann und sein Bruder Günther waren in den 1970er- und frühen 80er-Jahren als Duo „Hoffmann und Hoffmann“ umjubelte Schlagerstars. Heute blickt er auf eine bewegte Musiker-Karriere.

Kassel – „Früher habe ich über die Liebe gesungen, heute singe ich aus Liebe“, sagt Michael Hoffmann. Er sitzt auf dem Sofa in seiner lichtdurchfluteten Dachgeschosswohnung in Kassel-Kirchditmold, greift zur Gitarre und macht das, was er seit Teenager-Zeiten gut und gerne kann: Musik.

Dabei hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten für den heute 71-Jährigen so Vieles verändert: Waren es um 1980 heitere Schlager ohne besonderen Tiefgang à la „Himbeereis zum Frühstück“, die von einem Massenpublikum gefeiert wurden, so singt Michael Hoffmann heute, begleitet von seiner Frau Petra, Mantras, meditative Mini-Texte zu melodischer Gitarrenmusik. „Möge Heilung auf dieser Welt geschehen“ lautet der programmatische Titel seiner neuesten CD.

„Ich gucke nicht mehr auf das große Publikum“, sagt er, „stattdessen nehme ich mir Zeit, und ich bin mit meiner Seele verbunden.“ Er mache Musik „für Menschen“.

Das war nicht immer so. Michael hat zusammen mit seinem Bruder Günther als das deutsche Schlager-Duo „Hoffmann und Hoffmann“ eine atemberaubende Musikerkarriere hingelegt. Sie endete tragisch mit Günthers Suizid im Jahr 1984. Zuvor hatte sich das Leben der Brüder aus Karlsruhe – von den Medien häufig stimmlich und optisch mit Simon and Garfunkel verglichen – über Jahre auf der Überholspur befunden. Ihren ersten großen Erfolg bescherte ihnen 1977 „Himbeereis zum Frühstück“, die deutsche Version des Bellamy-Brothers-Hits. 1983 traten sie mit dem Titel „Rücksicht“ aus der Feder Volker Lechtenbrinks beim Wettbewerb Grand Prix d’Eurovision de la Chanson für Deutschland an und kamen gegen schwergewichtige Konkurrenten wie Wencke Myhre und Costa Cordalis mit 94 Punkten auf Platz 5. Lange Zeit danach war ihr Song noch in den Charts.

Stars: Michael (links) und Günther Hoffmann 1983 auf dem Plattencover. Repro
Stars: Michael (links) und Günther Hoffmann 1983 auf dem Plattencover. Repro © Christina Hein

Mit aller Macht lief eine glitzernde und kalte Star-Maschinerie an, entfaltete ihre Eigendynamik: Bravo- Titelstory, Berge von Fanpost, Autogrammstunden, Partys und Auftritte ohne Ende. Sie waren in eine toxische Spirale geraten.

Kurz bevor sich Günther das Leben nahm, vertraute er sich seinem Bruder an und erzählte von der Angst, sich zu verlieren. „Auch ich habe lange damit zugebracht, die Wünsche meiner Außenwelt zu erfüllen“, sagt Michael Hoffmann. Aber er habe bei seiner Frau Petra und später den beiden gemeinsamen Kindern auch mal abschalten können. Günther dagegen komponierte, textete, produzierte rund um die Uhr. Er lebte nur für die Musik. Trotz des übergroßen Schmerzes über den Tod des Bruders machte Michael im Showbusiness zunächst alleine weiter – auch als Produzent für andere Künstler. Doch dann kam auch sein Zusammenbruch: Als ob die Diagnose Krebs nicht erschlagend genug wäre, folgte ein für einen Musiker fataler Schlag: Hörsturz.

Da zog Michael Hoffmann die Notbremse. Durch einen Zufall bekam er die Adresse des Heilhauses, dem Zentrum für Lebensenergie in Kassel-Rothenditmold und seiner Gründerin Ursa Paul. Rückblickend sagt er: „Das war meine Rettung.“

Hier lernte der Musiker zu sich zu kommen und in spiritueller Geborgenheit sein „inneres Land der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung“, wie er sagt, zu finden. Er machte die Erfahrung: „Wenn man an der Vergangenheit nicht hängen bleibt, dann kann man wachsen.“

Michael ist „bei sich angekommen“. Von der Musik lebt er auch heute noch. Er und seine Frau arbeiten als Musiklehrer im Heilhaus.

Er hat sein Krebsleiden überwunden. Musik ist weiterhin sein Lebensinhalt. Aber es ist seine ureigene Musik, spirituelle, mantrisch, also meditativ gesungene Lieder, mit denen er sich identifizieren kann. Er nennt sie „Musik zum Heilwerden“. Auf seiner neuesten CD hat er 14 Mantras von Ursa Paul in ruhige Gitarrenkompositionen gebettet. Es sind Sätze wie „Einfachheit ist das höchste Gut der Weisheit“ oder „Ich suche die Heimat in mir selbst“ melodisch meditativ wiederholt. „Es sollten ganz einfache Kompositionen werden, aber das Einfache ist oft das Schwierigste.“

Illustriert ist das Booklet mit Bildern von Christa Meurers, die im Heilhaus Ausdrucksmalerin ist.

Die CD von Michael Hoffmann „Möge Heilung auf dieser Welt geschehen“ ist für 20 Euro im Heilhaus, Brandaustraße 10 zu erwerben Infos: heilhaus.org

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