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Nach tödlichen Schüssen auf Ex-Freundin in Schwalmstadt: Mordfrage bleibt wohl offen

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Polizeibeamte sichern den Tatort in Treysa am Aldi
Polizeibeamte sichern den Tatort in Treysa am Aldi © Anne Quehl

Auch knapp zwei Wochen nach der Schreckenstat im Aldi-Markt in Treysa sind noch viele Fragen offen. Am Dienstag (7. Juni) erschoss dort ein Mann seine Ex-Freundin.

Schwalmstadt - Wie die Staatsanwaltschaft Marburg auf Anfrage mitteilte, sei die Herkunft der Tatwaffe nach wie vor unbekannt. Bekannt ist hingegen mittlerweile das Obduktionsergebnis: Alle vier Schüsse trafen die 53-jährige Frau und alle Schüsse seien für sich genommen tödlich gewesen, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft. Demnach war Gefahr von Verletzungen für Unbeteiligte durch Querschläger oder Abpraller im Markt offenbar gering.

Mit dem fünften Schuss – einem Kopfschuss – richtete sich der 58-Jährige aus dem Bereich Osnabrück selbst. Bis zum Zeitpunkt der Tat, viele sprechen in dem Zusammenhang von einem Femizid, war der Schütze nicht auf dem Radar von Polizei und Justiz. In Hessen sei der 58-Jährige strafrechtlich nicht auffällig gewesen, sagte der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Marburg, Timo Ide. Auch der Auszug aus dem Bundeszentralregister enthalte keine Einträge.

Wo war der Täter vor den tödlichen Schüssen?

Gegenstand von Ermittlungen ist nach wie vor der zeitliche Ablauf vor den tödlichen Schüssen. Nachdem die Polizei dem Mann in der Nacht von Montag auf Dienstag in der Wohnung des Opfers einen Platzverweis erteilte, verliert sich offenbar seine Spur. Zumindest wollen die Ermittler dazu noch keine Angaben machen.

Wann und vor allem, wo der Schütze seinem Opfer auflauerte, müsse noch ermittelt werden, so der Pressesprecher. Nur wenige Stunden vor ihrem Tod war die 53-Jährige bei der Polizei in Schwalmstadt und hatte gegen ihren Ex-Freund Anzeige wegen Körperverletzung, Nötigung und Nachstellung erstattet. Nach Polizeiangaben hatten sich dabei „keine Anhaltspunkte für eine konkrete Gefährdung der Frau“ ergeben.

Nach unbestätigten Medienberichten soll das 53-Jährige Opfer seit 2020 in dem Schwalmstädter Stadtteil Treysa gelebt haben. Den 58-Jährigen lernte sie offenbar über das Internet kennen. Die Beziehung dauerte nur wenige Wochen.

Kerzen und Blumen vor dem Discounter in Treysa.
Anteilnahme: Auch knapp zwei Wochen nach der Tat stehen immer noch Kerzen und Blumen vor dem Discounter. © Matthias Haaß

Bislang keine Ermittlungen gegen andere Personen

Ob die Tat im Aldi-Markt ein Mord war, wird wohl juristisch nie eindeutig geklärt werden können. Da sich der 58-jährige Mann aus dem Raum Osnabrück nach den tödlichen Schüssen auf die 53-Jährige selbst richtete, wird es vermutlich zu keiner Gerichtsverhandlung kommen. Auch gegen andere Personen wurden bislang noch keine Ermittlungen aufgenommen, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft Marburg. Sollte sich daran nichts ändern, dann wird es auch keine Verhandlungen wegen Beihilfe zum Mord oder Totschlag geben.

Das Strafgesetzbuch definiert im Paragrafen 211 Mord nach folgenden Merkmalen: Mörder ist, wer aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen, heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken, einen Menschen tötet.

Not-Interventionsteams der Polizei waren im Einsatz

Da es sich bei der Tat in Treysa um ein Verbrechen mit Schusswaffe handelte, setzte die Polizei in Treysa auch sogenannte Not-Interventionsteams ein. Das bestätigte auf Anfrage der HNA der Leiter der Pressestelle im Polizeipräsidium Nordhessen, Matthias Mänz: „Die bestehenden polizeilichen Handlungskonzeptionen, die ständig überprüft und angepasst werden, zielen darauf ab, bewaffnete Täter wenn nötig schnellstmöglich handlungsunfähig machen zu können.“

Bei den Not-Interventionsteams handelt es sich nicht um Spezialkräfte, sondern um normale Beamte mit Zusatzausbildung, besserer Schutzausrüstung und besondere Bewaffnung.

Alle nordhessischen Polizeidienststellen verfügen über Maschinenpistolen des Typs MP 5 oder bereits über Mitteldistanzwaffen vom Typ G 38, sagte Mänz: „Die bisher bei der hessischen Polizei genutzte MP 5 wird sukzessive gegen das neue Waffensystem G 38 ausgetauscht.“ Bei dem G38 von der Firma Heckler und Koch handelt es sich im Grunde um ein Sturmgewehr im NATO-Kaliber 5,56 mm.

Im Gegensatz zu Militärwaffen kann das Polizeigewehr aber nur Einzelfeuer abgeben. Die Beschaffung dieser Waffen ist vor dem Hintergrund bewaffneter Terroranschläge der jüngsten Vergangenheit zu sehen und soll der Polizei mehr Schlagkraft verleihen.

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