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Neun-Euro-Ticket ist in vielen Dörfern im Kreis Kassel keine Alternative

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Von: Daria Neu, Tanja Temme, Michaela Pflug

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Fährt lieber Auto: Gerade für ältere Menschen, die auf dem Land leben, scheint das Neun-Euro-Ticket nicht sonderlich attraktiv zu sein. Für Friedhelm Göllner aus Obermeiser kommt ein Trip mit dem Sparticket allein der schlechten Busverbindungen nicht in Frage.
Fährt lieber Auto: Gerade für ältere Menschen, die auf dem Land leben, scheint das Neun-Euro-Ticket nicht sonderlich attraktiv zu sein. Für Friedhelm Göllner aus Obermeiser kommt ein Trip mit dem Sparticket allein der schlechten Busverbindungen nicht in Frage. © Tanja Temme

Das Neun-Euro-Ticket ist in vielen Dörfern im Kreis Kassel keine Alternative. Stattdessen setzen die Menschen weiterhin aufs Auto als Fortbewegungsmittel.

Kreis Kassel – Das Neun-Euro-Ticket sorgt vielerorts für volle Züge und Bahnen. Im ländlich geprägten Landkreis Kassel ist es aber kein Renner. Zumindest hat das eine stichprobenartige HNA-Umfrage an Orten ohne Tram-Anschluss oder mit wenigen Busanbindungen ergeben. Der Konsens: Eine nette Idee für Ausflüge und Menschen mit viel Zeit, schlecht für den täglichen Gebrauch auf dem Dorf.

„Wir überlegen, es für einen Ausflug mit Freunden und Kindern ins Mathematikum Gießen zu kaufen“, erklärt zum Beispiel Ortsvorsteherin Alexandra Werner aus Schauenburg-Elmshagen. Ihr Vater nutze das Ticket, um Kassel mit der Kamera neu zu entdecken: „Der ist aber auch Ende 70 und hat keinen Zeitdruck.“ Um auf das Auto zu verzichten, reiche das Ticket aber nicht. Dafür sei die Anbindung viel zu schlecht. „Mehr Buslinien oder ganz andere Konzepte bräuchte es“, sagt sie. Das Ticket sei im städtischen Bereich und für Pendler eine tolle Sache und nett gemeint, aber im ländlichen Raum brauche es strukturelle Veränderungen.

Joana Rudek aus Helsa-St. Ottillien hat kein Neun-Euro-Ticket und kennt auch keinen, der eins hat. Neben der schlechten Anbindung außerhalb der Schulzeiten ist für die berufstätige Mutter die fehlende Flexibilität ein Problem. Die Fahrt mit Bus und Bahn Richtung Kassel dauere auch schlicht zu lange: „Für mich, die oft unter Zeitdruck steht, ist das nichts“, sagt Rudek.

Christa Heinemann ist in ihrer Schulzeit viel Bus gefahren und die ist bei der 21-Jährigen aus Fuldatal-Knickhagen auch noch nicht so lange her. Begeisterung für das Busfahren und das Neun-Euro-Ticket hat das aber nicht geweckt. „Die Anschlüsse sind nicht abgestimmt.“ Aus der Stadt kommend, müsse man mitunter eine Stunde auf dem Bus warten.

„Für einen Städtetrip mit meinen Freundinnen, würde ich mir das Ticket kaufen“, sagt Claudia Zwingmann aus Breuna. Auch für längere Strecken und für Pendler sei es eine gute Möglichkeit, auf das Auto zu verzichten und Geld zu sparen. Für andere Wege oder gar zu ihrer Arbeit in den Nachbarlandkreis, sei das Auto noch immer die beste Wahl. „Alles andere wäre zu zeitaufwendig und die Verbindungen sind zu schlecht.“ Wer nach Volkmarsen wolle, müsse den Schulbus nehmen oder ein Anruf-Sammel-Taxi bestellen.

Der große Ansturm auf das Neun-Euro-Ticket sei auch im Trendelburger Stadtteil Deisel leider ausgeblieben, sagt Ortsvorsteher Ralf Heere. „Der Bus ist meistens leer.“ Dabei seien die Busverbindungen auch im Kreisteil Hofgeismar in den vergangenen Monaten spürbar besser geworden. Der Ortsvorsteher befürchtet, dass viele Menschen noch gar nicht wüssten, wie gut der öffentliche Nahverkehr mittlerweile funktioniere.

Obwohl Senior Friedhelm Göllner aus Obermeiser noch gerne verreist, will er das Neun-Euro-Ticket nicht nutzen. „Hier kenne ich niemanden, der sich das Ticket angeschafft hat“, erklärt der 82-Jährige. Um einen Bahnhof zu erreichen, müssten die Anwohner des kleinen Caldener Ortsteils erstmal mit dem Bus nach Hofgeismar fahren. „Bei den schlechten Busverbindungen heutzutage hat doch niemand Lust dazu“, sagt er.

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