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Radfahren in der Karlsaue bleibt verboten - ADFC startet Petition

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Von: Matthias Lohr

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Auch hier darf nicht geradelt werden: Radfahrer am Küchengraben in der Karlsaue. Archi
Auch hier darf nicht geradelt werden: Radfahrer am Küchengraben in der Kasseler Karlsaue. © Andreas Fischer

Seit Jahren wird über das Radfahrverbot in der Karlsaue diskutiert. Längst sollte es eine legale Querung geben. Doch MHK und Stadt konnten sich nicht einigen. Der ADFC hat eine Petition gestartet.

Kassel – Das Radfahren in der Kasseler Karlsaue bleibt weiterhin verboten. Mehr als ein Jahr lang haben Stadt und Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) über die Möglichkeit einer legalen Querung beraten. Nun steht fest: Die Experten haben keine Einigung erzielt.

Auf Anfrage teilt ein Stadtsprecher mit: „Leider hat sich trotz intensiver Bemühungen von beiden Seiten keine dauerhaft tragfähige Lösung ergeben, die alle recht unterschiedlichen Belange gleichermaßen und hinreichend berücksichtigt.“ Damit ist das Radfahren laut MHK-Sprecherin Lena Pralle weiterhin nicht gestattet: „Der Besuch des Parks ist Fußgängern vorbehalten.“

Eine grundsätzliche Freigabe des Radfahrens hatte MHK-Chef Martin Eberle schon im HNA-Interview im August 2021 ausgeschlossen. Eine Querung hielt er aber für möglich: „Viel spricht für die Querung in der Mitte der Kunsthochschule.“ Diese Route, die etwa viele Schüler und Lehrer der Offenen Schule Waldau sowie Pendler nutzen, war seit Jahren im Fahrrad-Stadtplan der Stadt eingezeichnet – allerdings mit dem Hinweis, dass es dafür noch einer Vereinbarung zwischen MHK und Stadt bedarf.

Die wird es nun nicht geben. Laut dem Stadtsprecher würde eine Querung „zu einem für beide Seiten derzeit nicht praktikablen Vertrags-, Beschilderungs- und Kontrollbedarf führen“. Die Wege seien zwar öffentlich, bildeten aber einen privatrechtlichen Raum und seien zudem ein Gartendenkmal. MHK-Chef Eberle verweist immer wieder auf Beschwerden über Radfahrer. 2021 sprach er von einem „Aufschrei der Fußgänger“.

Auch auf den Leserbriefseiten der HNA wurde das Thema oft hitzig diskutiert. Für Thomas Hofmann von der Initiative Radentscheid steht die jetzt präsentierte Nicht-Lösung sinnbildlich für die Kasseler Radverkehrsförderung: „Radfahrende müssen weiterhin große Umwege auf sich nehmen, um Ziele entlang des Auedamms zu erreichen.“ Dies sei auch ein Armutszeugnis für die Kompromissfähigkeit der MHK.

Helga Engelke vom Seniorenbeirat der Stadt verweist hingegen auf die ihrer Ansicht nach zahlreichen Beschwerden über rücksichtslose Radfahrer. „Wenn man vernünftig fahren würde, hätte ich nichts gegen Radfahren in der Aue, so ist es aber besser, wenn das Verbot bestehen bleibt“, sagt die 81-Jährige. Laut der MHK werden Aufsichten weiterhin „zu unterschiedlichen Zeiten kontrollieren“.

Beim Thema Radfahren in der Karlsaue war man sich im Kasseler Stadtparlament einig wie selten: Einstimmig votierten die Stadtverordneten im Juli 2021 für einen Antrag der Linken, der den Magistrat aufforderte, mit der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) über die „Ausweisung von Radrouten in der Karlsaue“ zu verhandeln. Demnach sollte die Aue von Radfahrern „auf festen Strecken problemlos und legal mit dem Rad durchquert werden“ können.

Nun ist klar, dass das Radfahren in der Karlsaue weiter verboten bleibt. Trotz „intensiver Bemühungen“ von Stadt und MHK, wie es ein Rathaussprecher formuliert, konnten sich beide Seiten nicht auf eine legale Querung durch den großen innerstädtischen Park einigen.

Das findet man auch an der Offenen Schule Waldau bedauerlich. Nicht nur im Sommer kommen zahlreiche Schüler und auch Lehrer mit dem Rad. Für viele von ihnen führt der kürzeste und sicherste Weg durch die Karlsaue. Andernfalls müssten sie zwei Kilometer Umweg über die enge Damaschkebrücke inkaufnehmen, wie Elternvertreter immer wieder klagten. Der stellvertretende Schulleiter Pascal Dreher sagt zur Entscheidung: „Es ist sehr schade, dass es keine legale Querung gibt.“

Beim Radentscheid verweist man auf historische Parks wie in Berlin-Charlottenburg, wo einzelne Wege freigegeben sind. Die MHK beruft sich dagegen auf die Charta der historischen Gärten. In der internationalen Übereinkunft von Denkmalpflegern aus dem Jahr 1981 heißt es: „Nach Wesen und Bestimmung ist der historische Garten ein ruhiger Ort, der Naturbegegnung, Stille und Gelegenheit zur Naturbeobachtung fördert.“ Aufgabe der MHK sei es, die historischen Gärten zu erhalten und nutzbar zu machen.

ADFC startet Petition

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) kritisiert ebenfalls die Entscheidung von MHK und Stadt. Unter seinem Vorsitzenden Robert Wöhler hat der ADFC Kassel Stadt und Land eine Internet-Petition gestartet, in der eine legale Querung gefordert wird.

Sie richtet sich an die hessische Wissenschafts- und Kunstministerin Angela Dorn (Grüne), die für MHK zuständig ist. In der Petition heißt es: Dass die MHK als Einrichtung des Landes die Förderung des Radfahrens und den Umweltschutz aktiv blockiere, sei schockierend. Dorn wird aufgefordert, „die Blockadehaltung der MHK zu beenden und die Radverbindung durch die Karlsaue zu legalisieren“. (Matthias Lohr) 

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