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Kirchen bei Ebay-Kleinanzeigen inseriert

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Von: Matthias Haaß

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Die Schrecksbacher Kirche stand bei eBay-Kleinanzeigen zum Verkauf. Das gefiel nicht jedem. Screenshot Ebay: Haass
Die Schrecksbacher Kirche stand bei eBay-Kleinanzeigen zum Verkauf. Das gefiel nicht jedem. © Screenshot Ebay: Haaß, Matthias

Eine Immobilienannonce bei Ebay-Kleinanzeigen sorgte jüngst bei einigen katholischen Gläubigen im Altkreis Ziegenhain für Irritationen. Für 111 111 Euro – Verhandlungsbasis – standen bei dem beliebten Onlineportal die katholischen Kirchen in Schrecksbach, Frielendorf und Oberaula zum Verkauf.

Schrecksbach / Frielendorf / Oberaula – Dass die Kirchen verkauft werden sollen, ist keine Überraschung, sondern steht bereits seit Ende vergangenen Jahres fest, die HNA berichtete. Die Art und Weise des Verkaufs sorgte jetzt aber unter einigen Gläubigen für Irritationen. Die drei Gebäude tauchten auf dem beliebten Portal Ebay-Kleinanzeigen auf.

Für jeweils 111 111 Euro – Verhandlungsbasis – so das auf Verkaufsplattform eingestellte Angebot, könne man eine Kirche kaufen. Leser machten uns auf die Kleinanzeige aufmerksam und äußerten Kritik an der Art und Weise. Dies sei für den Verkauf eines Kirchengebäudes wohl nicht der richtige, seriöse Weg, so der Tenor.

Jens Körber Pfarrer
Jens Körber Pfarrer © Privat

Pfarrer Jens Körber kann die Kritik nicht nachvollziehen. Ebay-Kleinanzeigen seien auch für Immobilienanzeigen ein gängiges Medium mit deutschlandweiter Reichweite. Dass die Verkaufsanzeigen dort eingestellt gewesen seien, sei in Absprache mit dem Verwaltungsrat erfolgt, sagt Körber, zeigt aber auch Verständnis: „Ich weiß, dass der Kirchenverkauf die Emotionen berührt.“

Inserat im Kleinanzeigenmarkt sorgt für Irritationen

Mittlerweile sucht man die Anzeigen aber bei Ebay vergeblich, sie wurden gelöscht. Aber nicht wie von einigen Gläubigen vermutet durch die Kirchenverantwortlichen, sondern von Ebay. Die Anzeigen hätten gegen die Nutzungsbestimmungen verstoßen, sagt Jens Körber: „Man dürfe wohl keine gleichartigen Anzeigen schalten.“ Offenbar ging Ebay von einem gewerblichen Nutzer aus, obwohl die Anzeigen über einen Privataccount geschaltet wurden.

Die katholischen Kirchen in Schrecksbach, Frielendorf und Oberaula stehen zum Verkauf. Das Dossier zu den einzelnen Immobilien wurden jetzt veröffentlicht.
Die katholischen Kirchen in Schrecksbach, Frielendorf und Oberaula stehen zum Verkauf. Das Dossier zu den einzelnen Immobilien wurden jetzt veröffentlicht. © Archiv: 2x Matthias Haaß, 1x Ina Henschel

Auch der vermeintlich hohe Verkaufspreis ergebe sich aus den Zwängen des Verkaufsportals. Bei der Erstellung der Anzeigen habe er irgendeinen Preis angeben müssen, erklärt der Pfarrer und meint, dass sich aber aus Verkaufstext ergeben habe, dass es sich nicht um den reellen Preis der Immobilien handele. Der bleibt aber trotz Nachfrage im Dunkeln.

Den geschätzten Wert möchte der Pfarrer gegenüber unserer Zeitung nicht nennen. Alle Gebäude und Grundstücke seien vom Amt für Bodenmanagement geschätzt worden. Wer eines der Gebäude kaufen möchte, kann ein Höchstgebot abgeben. Das Dossier aller Gebäude finden sich auf der Homepage der Kirchengemeinde unter pastoralverbund-schwalmstadt.de.

Käufer müssen Pläne mitteilen

Wer eine der drei Kirchen kaufen möchte, muss aber nicht nur das passende Gebot abgeben, sondern auch mitteilen, was mit dem Gebäude passieren soll, sonst wird es nichts mit dem Kauf – der Verkäufer ist nicht verpflichtet, den Zuschlag auf das Höchstgebot zu erteilen, heißt es seitens der Kirche. „Man muss schon angeben, was man mit dem Gebäude machen möchte“, betont Pfarrer Jens Körber.

Die katholischen Kirchen in Schrecksbach, Frielendorf und Oberaula stehen zum Verkauf. Das Dossier zu den einzelnen Immobilien wurden jetzt veröffentlicht.
Die katholischen Kirchen in Schrecksbach, Frielendorf und Oberaula stehen zum Verkauf. Das Dossier zu den einzelnen Immobilien wurden jetzt veröffentlicht. © Archiv: 2x Matthias Haaß, 1x Ina Henschel

Noch sind die Gebäude in Schrecksbach, Frielendorf und Oberaula übrigens noch ganz offiziell Kirchen.

Die Profanierung (Entwürdigung) erfolgt in Schrecksbach am 5. Juni, in Frielendorf am 24. Juni und in Oberaula am 25. Juni. Dazu reist laut Pfarrer Körber der Ordinariatsrat Thomas Renze vom Bistum Fulda an und vollzieht den letzten Akt in der Geschichte der drei Gotteshäuser.

Glocke aus dem Jahr 1492

Das Inventar der drei Kirchen geht an andere Kirchengemeinden. Einen Flohmarkt wird es nicht geben.

Was mit den Kirchenglocken passieren wird, ist laut Körber noch nicht abschließend geklärt. Insbesondere die Glocke in Schrecksbach ist dabei interessant. Handelt es sich dabei doch um ein Exemplar aus dem Jahr 1492, das als sogenannt Leihglocke nach Schrecksbach kam. Über die weitere Verwendung müsse das Bistum entscheiden, so der Pfarrer. (Matthias Haaß)

Die katholischen Kirchen in Schrecksbach, Frielendorf und Oberaula stehen zum Verkauf. Das Dossier zu den einzelnen Immobilien wurden jetzt veröffentlicht.
Die katholischen Kirchen in Schrecksbach, Frielendorf und Oberaula stehen zum Verkauf. Das Dossier zu den einzelnen Immobilien wurden jetzt veröffentlicht. © Archiv: 2x Matthias Haaß, 1x Ina Henschel

HINTERGRUND: Glocken aus dem Leihpool

Als Leihglocke werden Glocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten bezeichnet, die während des Zweiten Weltkriegs zu Kriegszwecken eingeschmolzen werden sollten, aber aufgrund des Kriegsverlaufs nicht eingeschmolzen wurden und bei Kriegsende in den drei westlichen Besatzungszonen lagerten. Die Glocken wurden an westdeutsche Kirchengemeinden ausgeliehen. Die Schrecksbacher Glocke stammt aus Wolmsdorf in Schlesien (heute Polen).

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