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Beliebte Schuh-Kette will Kassel wohl komplett verlassen - Doch gibt es eine Hintertür?

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Von: Axel Schwarz

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Die Kasseler Görtz-Geschäfte im Dez und im City-Point haben angekündigt, demnächst zu schließen. Der Schuhhändler befindet sich in einer Schutzschirm-Insolvenz.

Kassel – Seit vielen Jahren gilt die Hamburger Schuhhandelskette Görtz mit mehreren Läden in Kassel als erste Adresse für den Schuhkauf im gehobenen Segment. Jetzt steht offenbar ein kompletter Rückzug aus der Stadt bevor: An beiden Kasseler Görtz-Filialen im City-Point sowie im Einkaufszentrum Dez heißt es auf Schildern am Schaufenster; „Wir schließen“.

Vor etwa einer Woche sind beide Läden in den Ausverkaufsmodus gegangen. „Das hat uns selber etwas überrascht“, hieß es vor Ort aus dem Verkaufsteam. Zwar ist seit September bekannt, dass der Schuhhändler in Folge von Inflation und Krise unter deutlichen Umsatzrückgängen leidet und sich in einer Schutzschirm-Insolvenz in Eigenverwaltung sanieren will.

Kassel: Schuh-Kette Görtz auf dem Sprung - Selber Vermieter im Dez und im City-Point

Erst seit wenigen Wochen ist klar, dass es dabei auch um Filialschließungen geht. Das betreffe zunächst einzelne unprofitable Standorte, hatte das Unternehmen mitgeteilt. Darüber hinaus liefen aktuell Verhandlungen mit „zahlreichen Vermietern“ über „signifikante Mietreduzierungen“. Vom Ausgang dieser Gespräche sei abhängig, an welchen Orten sich Görtz am Ende zurückziehe.

Klare Botschaft: Die Görtz-Filiale im Dez ist in der vergangenen Woche in den Ausverkaufsmodus gegangen. An Kassels zweiter Filiale im City-Point hängen die gleichen Schilder.
Klare Botschaft: Die Görtz-Filiale im Dez ist in der vergangenen Woche in den Ausverkaufsmodus gegangen. An Kassels zweiter Filiale im City-Point hängen die gleichen Schilder. © Axel Schwarz

Dass Kassel für Görtz generell ein schlechtes Pflaster für Geschäfte ist, erscheint unwahrscheinlich. Die überraschenden Rückzugs-Ankündigungen an beiden Filialstandorten haben vermutlich eher folgende Hintergründe:

Sowohl im Dez als auch im City-Point hat es Görtz mit demselben Vermietungs-Ansprechpartner zu tun, nämlich dem Hamburger Einkaufsgalerienbetreiber ECE.

Schuh-Kette Görtz: Seit Jahren mit Filialen in Kassel

Unter Insolvenzbedingungen sind geschäftliche Mieter prinzipiell nicht mehr an länger laufende Mietverträge gebunden. So könnte es sein, dass Görtz solche Verträge erst einmal vorsorglich kündigt, um sich Luft zu verschaffen und eine bessere Verhandlungsposition zu haben. Wie die HNA aus informierten Kreisen erfuhr, laufen zwischen Görtz und ECE aktuell noch Gespräche über Mietkonditionen. Unabhängig von deren Ausgang steht aber die Botschaft „Wir schließen“ an Kassels treue Kundschaft einstweilen im Raum.

Die Görtz-Filiale im Dez gibt es seit Jahrzehnten. Im City-Point hatte Görtz vor drei Jahren das dortige Schuhgeschäft des Filialisten Roland übernommen. Bis vor kürzerer Zeit gab es zudem in der Königs-Galerie einen Laden des trendigen Unterkonzepts Görtz 17.

Früher hatte Görtz ein eigenes Schuhhaus: Bis 2015 betrieb die Firma diesen Standort an der Wilhelmsstraße, davon die letzten sechs Jahre als Outlet. Archi
Früher hatte Görtz ein eigenes Schuhhaus: Bis 2015 betrieb die Firma diesen Standort an der Wilhelmsstraße, davon die letzten sechs Jahre als Outlet. (Archivfoto) © Pia Malmus

An der Wilhelmsstraße betrieb Görtz viele Jahre lang ein größeres Schuhgeschäft in einem eigenen Gebäude. 2009 wurde dieser Standort in ein Schuh-Outlet umgewandelt, nachdem Görtz bereits damals einen harten Sanierungskurs durchlaufen musste. Das Görtz-Outlet hatte bis 2015 Bestand, heute befindet sich die Modeboutique Stella in dem Gebäude.

Während Frauen in Kassel ein relativ breites Angebot auch höherwertiger Schuhe vorfinden, ist der angekündigte Weggang von Görtz gerade für männliche Kunden eine bittere Pille: Besseres Schuhwerk fürs Büro oder für die klassische Herrengarderobe hat im innerstädtischen Angebot zwischen allerlei Discount-Tretern, Bequemschuhen und Sneakers immer mehr Seltenheitswert. (Axel Schwarz)

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