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Überraschung am Göttinger Landgericht: Angeklagter benennt angeblichen Täter

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Von: Heidi Niemann

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Gebäude Landgericht Göttingen mit Haupteingang.
Die Verhandlung am Landgericht in Göttingen geht weiter: Der Angeklagte nennt am Tag der eigntlichen Urteilsverkündung den Namen des angeblichen Täters. Archi © Thomas Kopietz

Überraschung kurz vor der Urteilsverkündung im Prozess um eine tödliche Attacke auf einen 87-Jährigen Göttinger. Angeklagter nennt Namen.

Göttingen – Im Prozess um einen brutalen Raubüberfall auf einen Rentner in Göttingen hat es am Freitag eine Überraschung gegeben. Eigentlich wollte die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Göttingen an diesem Tag ihr Urteil verkünden. Doch kurz bevor der Vorsitzende Richter zu der Formulierung „Im Namen des Volkes“ ansetzen wollte, meldete sich der Verteidiger zu Wort.

Er habe gerade von seinem Mandanten erfahren, dass dieser den Täter benennen wolle. Der 41-jährige Angeklagte erklärte dann, dass ein 26-jähriger Landsmann, der aus dem gleichen Dorf in Rumänien stamme, vermutlich die Tat begangen habe. Das Gericht hat nun einen weiteren Verhandlungstag in der nächsten Woche anberaumt.

Kurz vor der Urteilsverkündung am Göttinger Landgericht: Angeklagter benennt angeblichen Täter

Der 41-Jährige muss sich in dem seit Ende August laufenden Prozess wegen Raubes mit Todesfolge verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, mit einem bislang unbekannten Mittäter im September 2018 einen 87-jährigen Rentner in dessen Wohnung überfallen und ausgeraubt zu haben. Der Rentner wurde dabei so schwer verletzt, dass er zehn Tage später in einem Krankenhaus an den Folgen verstarb.

Das Gericht hatte nach dreimonatiger Prozessdauer Ende November die Beweisaufnahme abgeschlossen, so dass die Plädoyers beginnen konnten. Während die Staatsanwaltschaft für den 41-Jährigen eine Freiheitsstrafe von elf Jahren und sechs Monaten beantragte, plädierte der Verteidiger auf Freispruch.

Für den Fall, dass das Schwurgericht seinen Mandanten für schuldig befinden sollte, beantragte er, den Angeklagten wegen besonders schweren Raubes mit fahrlässiger Körperverletzung zu verurteilen.

Angeklagter nennt Namen des angeblichen Täters: Mann ist kein Unbekannter

Dass der Angeklagte kurz vor der Urteilsverkündung plötzlich eine neue Einlassung abgab, kam sowohl für das Gericht als auch für die Staatsanwaltschaft überraschend. Der von dem Angeklagten genannte Name war den Verfahrensbeteiligten aber keineswegs neu, sondern aus einem früheren Prozess bekannt.

Damals hatte der 41-Jährige mit dem 26-Jährigen und zwei weiteren Angeklagten aus Rumänien und dem Kosovo wegen einer Serie von Wohnungseinbrüchen und Fahrraddiebstählen vor Gericht gestanden. Der 26-Jährige erhielt am Ende eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Die Polizei hatte damals im Zuge ihrer Ermittlungen wegen der Einbruchsserie die Telefone mehrerer Tatverdächtiger überwachen lassen, darunter auch das Handy des 41-Jährigen.

Im Februar 2019 stoppten die Fahnder einen mit gestohlenen Fahrrädern beladenen Kleintransporter, anschließend durchsuchten sie mehrere Wohnungen in einem Gebäudekomplex an der Groner Landstraße. In der Wohnung des 41-Jährigen fanden sie neben Einbruchswerkzeugen auch Münzen und Besteck, die im Kühlschrank deponiert waren.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihn dann wegen zehn Taten angeklagt. In dem folgenden Prozess gegen das Einbrecherquartett wurde sein Verfahren aus Krankheitsgründen abgetrennt. Später wurde es dann vorläufig eingestellt, weil der Raubüberfall auf den Rentner mit den tödlichen Folgen deutlich schwerer ins Gewicht falle als die Einbruchs- und Diebstahlsdelikte. (pid)

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