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Unternehmer aus Region ziehen blank: Akt-Kalender als Solidaritätsaktion

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Von: Claudia Feser

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Unternehmer ziehen blank: Für den guten Zweck haben sich Unternehmer aus der Region ausgezogen. Aus den Bildern ist ein Kalender entstanden, dessen Erlös an die Kasseler Tafel geht, der Herr rechts oben ist im Monat August zu sehen, der darunter im November.
Unternehmer ziehen blank: Für den guten Zweck haben sich Unternehmer aus der Region ausgezogen. Aus den Bildern ist ein Kalender entstanden, dessen Erlös an die Kasseler Tafel geht, der Herr rechts oben ist im Monat August zu sehen, der darunter im November. © Volker Lewe

Blank ziehen für den guten Zweck: Unternehmerin Claudia Richter spricht im Interview über den Akt-Kalender, dessen Erlös an die Kasseler Tafel gespendet wird.

Kassel – Unternehmer aus der Region haben sich ausgezogen und fotografieren lassen. Herausgekommen ist ein Kalender, dessen Erlös an die Kasseler Tafel gespendet wird. Wir haben mit Unternehmerin Claudia Richter über das Projekt gesprochen.

Warum präsentieren sich Unternehmer in einem Akt-Kalender?

Das ist im Sommer bei einem Treffen unseres Unternehmer-Netzwerks aus einer Laune heraus entstanden. Wir wollten etwas für den guten Zweck machen.

Blank ziehen für den guten Zweck – war es denn schwer, Unternehmer zu finden, die mitmachen?

Eigentlich nicht. Wir brauchten 13 Leute, und es war klar, dass die Gesichter nicht zu sehen sind und die Firmen nicht genannt werden. Trotzdem haben wir nicht damit gerechnet, dass wir die 13 so schnell zusammenkriegen. Aber es hat funktioniert, und nach zwei Wochen hatten wir alle Zusagen. Wir sind eben auch Freunde, und diese Freundschaften sind über Jahre entstanden.

Aber so haben sich die Mitglieder des Unternehmer-Netzwerks doch noch nicht gesehen.

Nein, haben sie nicht, das stimmt.

Haben Sie sich auch fotografieren lassen?

Ja, ich bin auch im Kalender zu sehen.

Alle haben etwas in der Hand, ein Messer, eine Grillzange, ein Buch, ein Saxophon – kann man die Personen daran erkennen?

Der Gegenstand hat nichts mit dem Beruf desjenigen zu tun. Jeder konnte sich überlegen, was er fürs Foto in die Hand nehmen will. Wir wollten die Leute auf die falsche Fährte locken.

Und die Maske vor dem Penis im Monat April?

(lacht) Die Maske gehört doch dazu in Coronazeiten. Es wäre natürlich besser, wenn man sie nicht tragen müsste. Die meisten Gegenstände stammen aus dem Atelier des Fotografen Volker Lewe, nur die Grillhandschuhe, die Grillzange und die Krawatte nicht.

Warum werden keine Gesichter gezeigt?

Es ging uns nicht darum, dass wir bekannt werden, deshalb wollten wir unsere Gesichter nicht öffentlich zeigen. Es ging darum, dass Unternehmer einfach blank ziehen, ohne Gesicht und Namen.

Haben die Models Angst, dass Mitarbeiter sie erkennen?

Nein, sie sind ja nicht zu erkennen.

Wie ist es Ihnen beim Fotoshooting ergangen? Schließlich wussten Sie, dass viele Menschen ihr Foto sehen werden.

Das ist schon mal ne Nummer, das macht man nicht jeden Tag. Für mich ist das aber kein Problem, ich habe schon mal Fotos machen lassen, wenn auch nicht solche. Ich gehe ja auch in die Sauna, da können mich Mitarbeiter und Kunden sehen, ich habe kein Problem damit und geniere mich nicht. Manche Unternehmer haben sich schon schwerer getan, es war für sie eine neue Erfahrung, und sie sind über eine Hürde gesprungen. Es braucht Mut und Vertrauen zum Fotografen.

Wer ist denn außer Ihnen im Kalender abgebildet?

Das darf ich nicht sagen. Wir haben alle einen Vertrag mit einer Verschwiegenheitsklausel unterschrieben, dass keiner die anderen Namen verraten darf. Es geht ja nicht um uns, sondern um den guten Zweck. Der Erlös geht zu 100 Prozent an die Kasseler Tafel, wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn wir weitere Tafeln mit unserer Aktion unterstützen können.

Im Kalender sind nur drei Unternehmerinnen zu sehen – warum so wenige?

Wir sind stets bemüht, die Anzahl an Unternehmerinnen zu erhöhen, aktuell sind in unserem Netzwerk sieben Frauen vertreten, bezogen auf die Region Nordhessen sind es natürlich noch mehr. Nicht alle Unternehmerinnen wollten sich vor der Kamera präsentieren. Die Frauenpower fehlt jedoch noch immer – es gibt einfach zu wenig Frauen in Führungspositionen.

Manche Posen sind, sagen wir mal, lasziv – warum?

Ich würde eher sagen: provokativ. Wir wollen mit den Aufnahmen provozieren. Die letzten Jahre waren für viele schwierig, nicht allen Unternehmen geht es gut, bei manchen hat Corona zugeschlagen, sie mussten auch wirtschaftlich blank ziehen.

Also ist der Kalender eine Solidaritätsaktion?

Ja, wir ziehen auch blank, es ist eine Solidaritätsaktion für den guten Zweck.

Und hoffen Sie, mit dem Aktkalender Aufmerksamkeit für die Wirtschaftsunternehmen zu schaffen – um beispielsweise neue Fachkräfte zu bekommen?

Das hat damit gar nichts zu tun. Um das zu erreichen, würden mir ganz andere Dinge einfallen, um aufzufallen.

Welche denn?

Ich falle immer auf, sei es durch auffällige Schuhe oder eine auffällige Brille. Wir müssten alle mal zusammen auf die Straße gehen.

Nackt?

(lacht) Nein, sicher nicht.

Info: Der Kalender ist bei folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Backstube Kassel und Markthalle Kassel (Weinhandlung Bremer). Er kostet 19,90 Euro, der Erlös geht an die Kasseler Tafel.

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