Interview über parteiinterne Konflikte und die Ziele der AfD Kreis

AfD-Sprecher Kohlweg (18): „Die anderen Parteien sind mir zu weit links“

Florian Kohlweg, Kreissprecher der Afd, fotokoch Foto:Koch

Kreis Kassel. Der 18-jährige Florian Kohlweg ist seit Juni Vorstandssprecher der Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Landkreis Kassel. Wir haben mit ihm gesprochen.

Warum wird ein 18-Jähriger Kreissprecher der AfD? 

Florian Kohlweg: Es ist eigentlich unüblich, dass sich jemand in meinem Alter schon politisch und ehrenamtlich engagiert. Wenn ein älterer Mensch das tut, dann will er den nachfolgenden Generationen gute Lebensbedingungen schaffen. Als junger Mensch stehe ich vor der Situation, dass wichtige Entscheidungen noch nicht getroffen wurden. Da ist es wichtig, dass ich mich politisch engagiere, um mir selbst gute Bedingungen zu schaffen.

Warum engagieren Sie sich gerade bei der AfD? 

Kohlweg: Weil mir das Parteienspektrum zu weit nach links gerückt ist. Ich habe konservative Züge und würde mich bei keiner der anderen Parteien mehr beheimatet fühlen. Die AfD ist eine Partei, die den Bürger ernst nimmt, auf ihn zugeht, ihn integriert und will, dass er sich durch direkte Demokratie an Entscheidungen beteiligt. Damit stimme ich überein.

Welche Position vertritt der Kreisverband bei der Griechenland-Krise? 

Kohlweg: Die Rettung Griechenlands ist gescheitert. Wir haben mittlerweile etwa 325 Milliarden Euro in Griechenland reingepumpt. Das hat aber nicht dazu geführt, dass wir einen funktionierenden Staat bekommen haben. Wir sind für den Grexit und die Einführung einer Parallelwährung. So soll das Land wieder wettbewerbsfähig werden.

Die neue Parteichefin Frauke Petry gilt als national-konservativ. Wohin steuert die AfD nach dem Führungswechsel? 

Kohlweg: Sie steuert weiterhin im selben Fahrwasser und ins selbe Fahrwasser. Die AfD bekennt sich klar zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung und grenzt sich klar von extremistischen Positionen ab. Wir haben jetzt eine Doppelspitze. Frauke Petry ist eher der konservativen Strömung zuzuordnen, Jörg Meuthen ist bekennender Liberaler. Da kann man nicht von einem national-konservativen Führungswechsel sprechen.

Welche Themen setzt die AfD auf kommunaler Ebene? 

Kohlweg: Ein Beispiel ist der demografische Wandel. Wie machen wir unsere Kommunen wieder so attraktiv, dass junge Menschen und Familien gerne in Vellmar oder Bad Karlshafen leben wollen, obwohl sie in Kassel wohnen könnten? Die Finanzlage der Gemeinden ist ein weiteres Thema.

Auch die Flüchtlingsproblematik beschäftigt uns. Wir sind für eine dezentrale Unterbringung. Es ist erschreckend, wie einfach es sich die Kommunen zum Teil machen, indem sie einen Leerstand suchen, in dem man 100 Flüchtlinge oder mehr einquartieren kann. Das finden wir menschenunwürdig. Die Kommunen sollten sich ein bisschen mehr Arbeit machen und leere Wohnungen anmieten. So fördern wir auch Integration.

Wie steht der Kreisverband zu Suedlink? 

Kohlweg: Wir glauben, dass man Suedlink überhaupt nicht braucht. Besser sollte vor Ort dezentral in die Energiewirtschaft investiert werden. Wenn es Suedlink geben muss, dann sind wir gegen die Überland-Stromleitungen und für Erdkabel.

Ist die Gründung weiterer Ortsverbände geplant? 

Kohlweg: Ja, aber oft haben wir vor Ort noch nicht genug Mitglieder. Ich plane, einen Ortsverband in meiner Heimatstadt Bad Karlshafen zu gründen.

Wie stellt sich die AfD für die Kommunalwahlen auf? 

Kohlweg: Da sind wir aktuell in der Planung. Wir müssen zunächst Kandidaten suchen, die sich aufstellen lassen möchten. In den Ortsverbänden wird es natürlich Kandidaten geben. In den Gemeinden ohne Ortsverbände werden wir Einzelkandidaten ins Rennen schicken. Ich werde beispielsweise in Bad Karlshafen kandidieren.

Zur Person:Florian Kohlweg lebt im Bad Karlshafener Ortsteil Helmarshausen. Der 18-Jährige hat gerade sein Abitur am Gymnasium Beverungen absolviert. Ab August beginnt er eine Ausbildung als Industriekaufmann. Im Anschluss plant er ein wirtschaftswissenschaftliches Studium.

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