Hier ging der Punk ab

Hier spielten schon The Offspring und Sick of it all: Das Akku in Immenhausen wird 25

Wild, ekstatisch, schweißtreibend: Konzerte im Immenhäuser Akku zogen schnell nach der Eröffnung im Frühjahr 1993 Fans aus der ganzen Region an. Entscheidend für den Erfolg war die Bandauswahl. Den Veranstaltern gelang es immer wieder, namhafte Szenegrößen nach Immenhausen zu holen. Fotos: Matthias Breitschuh

Immenhausen. Das Akku in Immenhausen wird 25 Jahre alt. Das Kulturzentrum war über Jahre ein Anziehungspunkt für Besucher aus ganz Nordhessen und Südniedersachsen. Viele bekannte Bands haben hier gespielt, manche schafften es zu Weltruhm.

Ob Dexter Holland und Gitarrist Noodles im Juni 1993 schon ahnten, dass sie mit ihrer Band The Offspring mal fast 38 Millionen Tonträger verkaufen würden? Vermutlich nicht. In dem Sommer tourte die US-Band noch weitestgehend unbekannt durch Europa und machte dabei auch Station in der Region. Das Immenhäuser Akku, wenige Wochen zuvor eröffnet, bot den Punkrockern eine Bühne.

The Offspring ist nicht die einzige Band mit großem Namen, die im Aktions-, Kultur- und Jugendzentrum, wie das Akku eigentlich heißt, vorbeischaute. Auch NO FX, Madball oder Sick Of It All, allesamt Szenegrößen mit Welterfolgen, schauten in den vergangenen 25 Jahren vorbei. Das Jubiläum feiert das Akku am kommenden Wochenende mit einer Gruppe der ersten Stunde – den Rykers, Nordhessens bekanntester Hardcoreband.

Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, wie die Punk- und Hardcoreszene der Region Mitte der Neunziger in Immenhausen feierte, muss mal auf der Internetplattform Youtube nachsehen. Dutzende Videos zeigen schweißtreibende Shows mit ekstatischem Publikum, das sich Pogo tanzend in der Musik verliert. Fast wöchentlich fanden in der Anfangszeit des Akkus Konzerte statt, die Stadtverwaltung unterstützte die Organisation sogar über Jahre finanziell. Anfang 1993 hatte das Akku das alte Jugendzentrum – die „Villa Süßmuth“ in der Nähe des Immenhäuser Bahnhofs – abgelöst. Das hatte damals seine besten Zeiten lange hinter sich.

Heute ist es ruhiger geworden im asymmetrischen Bau an der Bernhardt-Vocke-Straße. Vier Mal pro Jahr soll mindestens nochmal gesungen, gebrüllt, getanzt werden, sagt Klaus Görtelmeyer, der sich darum kümmert, die richtigen Bands auszuwählen und zu buchen.

Die Konzerte zum Jubiläum: Rykers und Slapshot kommen

Sie spielten das erste Konzert im Akku im April 1993 gemeinsam (siehe Flyer oben) und kommen jetzt wieder: DieRykers und Slapshot, Hardcore-Bands aus Kassel und Boston, spielen anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Akkus erneut in Immenhausen – allerdings nicht gemeinsam. Die Rykers treten am kommenden Samstag auf, das Konzert ist schon lange ausverkauft. Beim vorläufigen Abschiedskonzert im Jahr 2000 waren über 700 Zuschauer gekommen, weit mehr als der Laden offiziell fasst. Für Slapshot am Freitag, 29. Juni, gibt es hingegen noch Karten. Verkauft werden die ab 20 Euro im Kasseler Plattenladen Scheibenbeisser, Fünffensterstraße 9, Tel.: 0561/529 70 26 , und beim Onlinehändler Coretex unter coretexrecords.com

Im Video: Und so sah es 1999 aus, als die Rykers im Akku spielten.

So wild ging es in den Neunzigern im Akku in Immenhausen zu

Akku Immenhausen
 © Maurice Gijsbers
Akku Immenhausen
 © Maurice Gijsbers
Akku Immenhausen, Bilder aus dem Archiv von Matthias Breitschuh
 © Matthias Breitschuh
Akku Immenhausen, Bilder aus dem Archiv von Matthias Breitschuh
 © Matthias Breitschuh
Akku Immenhausen, Bilder aus dem Archiv von Matthias Breitschuh
 © Matthias Breitschuh
Akku Immenhausen, Bilder aus dem Archiv von Matthias Breitschuh
 © Matthias Breitschuh
Akku Immenhausen, Bilder aus dem Archiv von Matthias Breitschuh
 © Matthias Breitschuh
Akku Immenhausen
 © Maurice Gijsbers
Akku Immenhausen
 © Maurice Gijsbers
Akku Immenhausen
 © Maurice Gijsbers
Akku Immenhausen
 © Maurice Gijsbers
Akku Immenhausen
 © Klaus Görtelmeyer
Akku Immenhausen
 © Klaus Görtelmeyer
Akku Immenhausen
 © Klaus Görtelmeyer
Akku Immenhausen
 © Klaus Görtelmeyer

Meine Erinnerung Teil 1

Klaus Görtelmeyer (43), Tontechnik/Booking: "Die erste Show im Akku und ich war gleich dabei. Von dem Konzert hatte ich damals in einer Zeitschrift gelesen. Das Internet gab es da ja noch nicht so wie heute. Die Rykers kannte noch keiner, aber Slapshot waren zu der Zeit in der Szene ein großer Name. Ich weiß noch, dass ich einfach unbedingt hin wollte, obwohl ich in Hann. Münden gewohnt habe. Es gab damals eben noch nicht so viele Konzerte in der Region, wie das heute der Fall ist. 

Klaus Görtelmeyer Mitte der 90er-Jahre

Die Stimmung in der Anfangsphase des Akku war schon immer sehr euphorisch, die Konzerte wild. Es fanden ständig welche statt, weil die Gemeinde uns finanziell eine Zeit lang unterstützt hat. Ich muss sagen, dass ich durch das Akku einen engen Freundeskreis gewonnen habe. Auch beruflich hat mich das Akku geprägt. Heute kümmere ich mich um das Booking und habe eine eigene Firma. Der Ursprung der Firmengründung liegt im Jahr 2010, als befreundete Bands und der Jugendarbeiter vom Akku mir den Anstoß gaben, Konzerte zu veranstalten. Kontakte zu Booking-Agenturen und Bands bestanden zur Genüge, also habe ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. 

Mein Ziel ist es, das Akku wieder als Konzertort zu etablieren. Oft habe ich gehört: „Macht die Konzerte doch lieber in Kassel!“. Aber nein, das Akku ist unser Baby, um das wir uns unbedingt kümmern wollen. Natürlich ist es heute schwerer, Zuschauer zu den Konzerten zu bewegen. Aber mindestens viermal im Jahr schaffen wir das gut."

Meine Erinnerung Teil 2

Sven Deichmann, ehemaliger Organisator: "Wir waren damals eine Gruppe von fünf bis sieben jungen Männern, die eine große Leidenschaft für Hardcore/Punkrock Ende der Achtziger und Anfang der neunziger Jahre hatten. 

Die Konzerte im neuen Akku fanden schnell großen Anklang. Anfangs kamen die Besucher vor allem aus dem Kreis Kassel, später kamen die Leute auch aus mehreren hundert Kilometern Entfernung. In diversen, deutschlandweit vertriebenen Fanzines der Szene (Magazin von Fans für Fans, die Red.) fanden sich regelmäßig Ankündigungen oder Berichte zu den Konzerten im Akku. Die tolle Stimmung im Immenhäuser Akku, einem vergleichsweise kleinen Veranstaltungsort, hatte sich herumgesprochen, und so wurde das Akku über Jahre und weit über die Grenzen Kassels hinaus zu einer Institution für die Fans dieser Musikrichtung. 

Unbedingt erwähnen sollte man unseren damaligen Jugendpfleger Jürgen Cimiotti. Er unterstützte uns jederzeit und ließ uns die Freiräume, die wir für die Organisation benötigten. Er leistete hervorragende Arbeit. 

Ich kann mich noch an sehr heiße Konzerte im Sommer erinnern, bei denen das Wasser (sprich: der Schweiß der Besucher) die Wände herunterlief. Denn wir durften die Fenster nicht öffnen, um die Anwohner in der Nähe akustisch nicht zu sehr zu strapazieren. Oder an die Band Shelter, die unsere selbstgekochten veganen Speisen verschmähte, da bestimmte Zutaten nicht in Einklang mit ihrer Krishna-Religion standen."

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